Auf Siebenmeilensteinen ins Leben

Datum: Donnerstag, 29. September 2011 08:22

Kinderfüße

schuhe2-rm„Hat so kleine Hände...“ heißt ein Lied, das nachdenklich stimmt. „Hat so kleine Füße...“, die ab dem Laufen lernen durch das Leben tragen, ließe sich ergänzen. Die ersten Schritte sind ein tolles Erlebnis, das Eltern und Kleinkind gleichermaßen mit Stolz und Freude erfüllt. Eines der Themen rund um Netzwerk Gesunde Kinder heißt deshalb „Die ersten Schuhe“. Dabei gibt es immer wieder Fragen, worauf zu achten ist und wie die Schuhe zum Laufen lernen und danach beschaffen sein sollten. Überraschend ist, wenn ein Orthopädieschuhmacher-Meister sagt: „Am besten keine“. So einfach ist es natürlich nicht. In der Wohnung am liebsten ohne, damit die Füße die Umgebung spüren können oder weiche Mokassins, weil sie den Fuß nicht einengen und sich vollständig anpassen. Damit klappt das Krabbeln genauso gut wie die ersten Schritte. Wenn das Kind noch keine „Lust“ auf Laufen hat, liegt das daran, dass der Körper noch nicht darauf eingestellt ist. Ein Muss sollte es nicht für den besten Zeitpunkt geben. Spannend wird es, wenn die ersten zwei Schritte ohne Hilfe bewältigt werden. Dann heißt es, Ausschau halten nach robusteren Schuhen mit festerer Fersenkappe und zusätzlichem Schutz vorn. Auch hier gilt: Die Sohle muss so weich und biegsam sein wie nur irgend möglich, sie darf den Fuß nicht einengen.


Tipps für den Schuhkauf
Bei den Lauflern-Schuhen für Draußen, den Schuh zwischen Daumen und Zeigefinger zusammenbiegen. Wenn das ohne Mühe geht, ist das ein gutes Zeichen, denn die Schuhe dienen nur dem Schutz und müssen die Füße und den Körper nicht stützen. Stützende Lauflernschuhe haben sogar den Nachteil, dass sie die Füße in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Als bestes Material wird weiterhin Leder empfohlen, weil es besonders anpassungsfähig, atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit abgibt. Genauso wichtig ist eine flexible Sohle, die sich den Bewegungen des Fußes anpasst und die den Fuß nicht zusätzlich erschwert. Die Erfahrung von Orthopäden und Fußspezialisten zeigt, dass die beste Tageszeit für den Schuhkauf der Nachmittag ist. Das gilt übrigens auch für Erwachsene, denn: Im Laufe des Tages wird der Fuß breiter und ein paar Millimeter länger – jeden Tag aufs Neue. Vor dem Schuhkauf das Kind auf ein Blatt Papier stellen und die Fußumrisse nachzeichnen. Das gilt nicht nur für die ersten Schuhe, sondern für die ersten Jahre mit festem Schuhwerk. Der Schuhinnenraum muss mindestens 12 mm länger sein als der Fuß bzw. die längste Zehe. Der Test mit dem Daumen ist eher ungeeignet, weil der Fuß automatisch mit Zusammenziehen der Zehen reagiert. Bei größeren Kindern (ab etwa Schuhgröße 32) ist eine „Reserve“ von 15 mm notwendig, Schuhe in Größe 30 brauchen eine Innenlänge von insgesamt 20 cm. Auch auf die Breite ist zu achten. Zu breite Schuhe gewährleisten keinen sicheren Stand und Gang. In vielen Schuhfachgeschäften sind Schablonen zum Messen vorhanden, die mit dem aufgemalten Umriss die Auswahl erleichtern. Wie aus der Kleidung, wächst ein Kind auch aus Schuhen viel zu schnell heraus. Damit die Füße sich gut weiterentwickeln können, braucht es alle acht Wochen bis vier Monate neue Schuhe, wieder beweglich, weich und mit Spielraum.


Fuß-Fitness
Schon der Reflex-Test zeigt, wie empfindsam ein Fuß ist – und kitzlig sind ganz viele Menschen an den Füßen. Damit die Gefühlsvielfalt ebenso erhalten bleibt wie die Beweglichkeit, kann das Zusammenwirken der einzelnen Elemente im Fuß trainiert werden: Muskulatur, Sehnen, Bänder. Kleine gymnastische Übungen wie Zusammenziehen und Spreizen der Zehen sind ebenso aufregend wie zu probieren, Dinge mit den Zehen zu greifen, gar zu werfen oder zu fangen. Balancieren, auf Zehenspitzen, Hacken oder außen/innen gebeugt zu laufen, trainiert auch die Beinmuskulatur. Und die Größeren können dann das Schreiben oder Instrumente spielen üben. Das fördert nicht nur die körperliche und geistige Koordination und Konzentration, sondern auch die Wahrnehmung mit allen Sinnen – bis in die Zehenspitzen.



schuhe-rmEin paar Zahlen
Fast alle Kinder werden mit gesunden Füßen geboren. 28 Knochen und viele Bänder, Muskeln, Sehnen umfassen das Wunderwerk „Fuß“. Bei Volljährigkeit hat weniger als die Hälfte der Kinder gesunde Füße, nur rund ein Drittel der Erwachsenen hat völlig „intakte“ Füße. Wenn die Füße nicht gesund und stabil sind, sind Haltungsschäden die häufigste Folge, auch der Knochenbau wird beeinträchtigt. Zu kleine, zu enge, aber auch zu harte und feste Schuhe beeinträchtigen nicht nur die Beweglichkeit, weil das Kind beim Laufen versucht, die unangenehmen Begleiterscheinungen zu reduzieren. Das bleibt oft unbemerkt, weil die Nerven im Fuß keine richtigen Schmerzsignale aussenden. Falsches Schuhwerk verändert auch die Entwicklung der Fußknochen, die bis zum Ende des Wachstums formbar sind, weil sie recht weich sind.