Habgier gegen Maja, Bambi & Co.

Datum: Mittwoch, 01. November 2017 09:47


Wenn Landschaftsschutz Profitgier im Wege steht ...

Zu dieser Ausgabe ereilte uns ein Hilferuf aus dem Cottbuser Ortsteil Saspow, in dem ein einzigartiges Landschaftsschutzgebiet mit einem ganz besonderen Naturschauspiel als Bauland geopfert werden könnte. Und das, obwohl Landesrecht sowie Experten für Stadtplanung, Umwelt und Klima und ebenso sämtliche Entwicklungskonzepte der Stadt klar für den Erhalt des Naturraums sprechen. Was ist dort los?

Zu dieser Ausgabe ereilte uns ein Hilferuf aus dem Cottbuser Ortsteil Saspow, in dem ein einzigartiges Landschaftsschutzgebiet mit einem ganz besonderen Naturschauspiel als Bauland geopfert werden könnte. Und das, obwohl Landesrecht sowie Experten für Stadtplanung, Umwelt und Klima und ebenso sämtliche Entwicklungskonzepte der Stadt klar für den Erhalt des Naturraums sprechen. Was ist dort los?

Es geht um eine Wiese am Saspower Ortsrand, die zum Landschaftsschutzgebiet Spreeaue zählt. Es ist erstaunlich, wie wichtig solch ein Naturraum ist, wenn man nur gründlich genug hinschaut.
Seit Jahren ist das Bienensterben ein großes Thema. Es hat viele Ursachen – das Verschwinden von natürlich gewachsenen Wiesen mit einem vielfältigen Pflanzenangebot zählt auf jeden Fall dazu. Insbesondere in stadtnahen Räumen sind diese Wiesen ein rares Gut und ein wichtiger Lebensraum für Majas Gefolge. Der Name „Saspower Rehwiese“ lässt aber eine Besonderheit erahnen: Noch bevor in der Umgebung der Wiese erste Häuser entstanden, war hier eine Rehfamilie beheimatet. Die Wiese in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnhäuser ist nach wie vor Heimat der Rehe. Hier leben die sonst so scheuen Tiere mit den Menschen ringsum in einem seltenen Einklang. Ein eindrucksvolles Naturschauspiel gerade für Kinder!

Die Wiese ist aber viel mehr als „nur“ ein besonderes Stück Natur – sie ist ein Landschaftsschutzgebiet mit vielen weiteren wichtigen Funktionen. Eine davon klingt sehr kompliziert, ist aber einfach zu verstehen. So ist sie eines von nur drei sogenannten „Kaltluftdurchzugsgebieten“ im Umfeld der Stadt Cottbus. Solche Gebiete sorgen aufgrund ihrer unbebauten natürlichen und klimatischen Gegebenheiten und ihrer besonderen stadteinwärts gerichteten Struktur dafür, dass sich kühle Luftmassen sammeln und stadteinwärts bewegen. Über der Stadt ist die Luft hingegen warm und verschmutzt. Durch diese Luftbewegung werden Feinstaub und Emmissionen aus der Stadt abtransportiert. Inzwischen werden solche Zonen bei der Entwicklung von Großstädten immer wichtiger! Stichwort: SMOG. Cottbus hatte jahrelang mit extremen Feinstaubbelastungen zu kämpfen und sollte zum Wohle aller Menschen, die in der Stadt leben oder sie besuchen, auch ein besonderes Interesse an Landschaftsschutzgebieten mit einer solchen Funktion haben.

Bislang schien die Idylle am Cottbuser Ortsrand auch auf alle Zeiten als Heimat für Maja, Bambi & Co. sicher. Ein seit Jahren aufwändig von Experten erarbeitetes Entwicklungskonzept empfiehlt sogar Baumpflanzungen am Wiesenrand und die Ertüchtigung eines umlaufenden Grabens. Auch zum Hochwasserschutz sei die Wiese mit Blick auf zunehmende extreme Wetterverhältnisse wichtig.

Trotz alledem scheint der Naturraum in Gefahr. Die Wiese und mit ihr Natur, Tiere und landschaftsschützende Eigenschaften sollen einer Siedlung weichen, geht es nach dem Willen einzelner, vermeintlich priveligierter Grundbesitzer. Mancher bekommt die Taschen eben nie voll genug. Bislang offensichtlich erfolglose Versuche in der Stadtverwaltung und beim Land, das bestehende Recht zu ändern, werden mit politischen Beziehungen weiter betrieben. Das sorgt inzwischen im gesamten Ortsteil, aber auch in der Cottbuser Stadtverwaltung, für Unruhe.

Inzwischen wurde eine Hälfte der Wiese mit schwerer Landtechnik radikal vernichtet, nur um einen Tag später einem Interessenten das vermeintliche Bauland und sein künftiges Grundstück glaubwürdig präsentieren zu können. Dabei ist es in ländlichen Gebieten längst bekannt, dass bei solchen Aktionen in Naturräumen, auf denen Rehe beheimatet sind, Jungtiere förmlich geschreddert werden. Sie liegen oft in Kuhlen der Wiesen oder Felder und ducken sich bei Gefahr instinktiv, flüchten aber nicht. Man will sich nicht vorstellen, was die Landtechnik in solchen, nicht gerade seltenen Situationen, anrichtet.

Es ist traurig, wenn Menschen sich aus Habgier über ein solches besonderes Stück Natur hermachen, das eigentlich als Landschaftsschutzgebiet einen besonderen Schutz genießen sollte. Letztendlich können Machenschaften sogar dafür sorgen, dass ein Stadtparlament die Bebauung und damit Vernichtung des Naturraums beschließt. Nicht selten wird hier innerhalb von Fraktionen ein Kuhhandel betrieben, bei dem es weniger um die Vernunft, als viel mehr um Kompromisse und die Durchsetzung eigener Interessen geht. Sollte dem Naturraum in Saspow auf Betreiben Einzelner ein ähnliches Schicksal widerfahren, wäre das ein weiteres Beispiel für Politik, die an der Natur, den Menschen und dem aktuellen Zeitgeist vorbeigeht. Das wäre auch weiteres Futter für jene, die Enttäuschung in das politische System für Populismus ausnutzen.

Doch zum Glück ist es noch nicht so weit – denn in Saspow haben Maja, Bambi & Co. wohl noch gute Chancen. Die Stadtverwaltung hat in allen Planungen ein klares Bekenntnis zu diesem Naturraum dokumentiert und auch die Umweltbehörden setzen sich dafür ein. Team lausebande unterstützt diesen Kampf für die Vernunft – wir haben unsere rasende Reporterin Neela Kolumna „ins Rennen“ geschickt. Der QR-Code auf dieser Seite führt zu ihrem ganz persönlichen Einsatz für die gute Sache – den alle Leser der lausebande unterstützen können. Geben Sie Maja, Bambi & Co. Ihre Stimme!


Team lausebande gibt den Schwachen eine Stimme

Liegt auch Ihnen eine Ungerechtigkeit auf der Seele? Egal, ob es um Natur, um Kinder oder Familien geht – wir geben den Schwachen gern eine Plattform und eine Stimme. Mit Öffentlichkeit lässt sich viel bewegen, das wissen wir. Schreiben Sie uns einfach, wir hinterfragen, haken nach und legen den Finger in die Wunde, wenn das richtig und notwendig ist.

Wie bei der Saspower Rehwiese bleiben wir dann am Ball und sorgen nach unseren Möglichkeiten dafür, dass sich die Politik des Stärkeren nicht immer zum Nachteil des Allgemeinwohls durchsetzen kann.
Ihre Zuschriften senden Sie an: lausebande, Görlitzer Straße 17-18, 03046 Cottbus, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder senden Sie uns einen Post auf:


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