Der Drei-Punkte-Plan

Datum: Montag, 30. Januar 2017 09:50

Innenansichten eines verzweifelten Vaters 

Mehr Sport. Das war (ungefähr schon zum zehnten Jahr in Folge) mein Vorsatz für das neue Jahr. Währenddessen nahm mein Junior sich vor mehr zu lesen, was ein raffinierter Vorsatz war, denn 50% seines Zeitvertreibs bestanden jetzt schon aus dem Büffeln und Lesen mit und in Büchern. Doch mit meinem Drei-Punkte-Plan konnte auch bei mir nichts schiefgehen.

1.: Die ersten Wochen alibimäßig mit meinem Junior joggen und ihn dabei soweit verausgaben, dass er meiner besseren Hälfte gesteht, dass ihn das zu sehr anstrengt und Papa einfach zu schnell für ihn ist.

2.: Als Belohnung fürs Alibijoggen meinen leckeren Blechkuchen mit Butterstreuseln (hmmm!) genießen, während meine bessere Hälfte fest davon überzeugt ist, dass sogar Usain Bolt neben mir wie eine Schnecke aussieht.

3.: Mehr geistige Anwesenheit in der Homezone. Das hatte sich meine bessere Hälfte immer gewünscht. (Was, das kennen Sie von Ihrem Zuhause auch?).

Jedenfalls schien mein Plan alle glücklich zu machen: mich mit einem absehbaren Zeithorizont fürs Laufen, meinen Junior mit einer schnellen Rückkehr zu seinen Büchern und meine bessere Hälfte mit einem scheinbar fitten und aufmerksamen Vorzeigeexemplar an Mann. Doch gleich zu Beginn des Jahres kam alles ganz anders:

Am ersten Tag im neuen Jahr machten meine Kids und ich uns bereit, eine Runde um Wiesen und Teich zu joggen. Ich hatte zur Sicherheit noch meine Kleine mitgenommen, denn mein Junior hat in den letzten Monaten einen wahren Wachstumsboom hingelegt und war vom vielen Fußballspielen in den Schulpausen in einem erstaunlich athletischen Zustand. Doch meine Kleine, die unseren Hund, der mehr Meerschweinchen als Wolfsnachfahre ist, mitnahm, war da weniger zuzutrauen. Bevor wir starteten, befahl ich meinen Kleinen, der Fußhupe namens Hund eine Leine anzulegen, um mir einen kleinen Vorsprung zu verschaffen. Doch schon als ich die ersten Meter hinter mir hatte, spürte ich, wie das Gewicht der vielen Kuchenstücke aus der vergangenen Herbst- und Winterzeit, überhaupt aus den vergangenen Jahren an mir lastete. Kurz danach zogen meine beiden Kleinen samt Fußhupe an mir vorbei und ich bekam obendrein noch Seitenstechen. Das Leben jenseits der 40 ist für Männer ein Jammertal. Als Krönung legte unsere Fußhupe quasi im Lauf eine Tretmine ab, der ich beim Hinterhertorkeln nicht mehr ausweichen konnte. Ich fluchte und reinigte die Schuhe, während das sportlichere Trio um die Ecke bog und aus meinem Blickfeld verschwand. Ich brauchte eine Pause. Mein innerer Motor war überhitzt. Doch da kam meinem inneren Navi eine Idee. Vor mir lag der zugefrorene Teich und mit einer Abkürzung über selbigen konnte mein Plan immer noch aufgehen. Bei Schlittschuhläufern sah das auch nicht so schwer aus. Also wagte ich mich auf das Eis. Was dann passierte, erinnerte wohl an den Film Hobbit, als der hässliche weiße Ork in seinem letzten Kampf am Ende doch scheiterte und in das Eis einbrach. Die Masse der überflüssigen Kuchenstücke war wohl Schuld und ließ mich durch das Eis brechen. Ich erschrak und schrie um Hilfe. Meine Kinder kamen sofort zurück um die Ecke gesprintet, mein Junior hielt sich den Bauch vor Lachen, als ich aufstand und nur bis zu den Waden im Wasser stand. Der Teich war am Rand alles andere als tief. Ich „tauchte“ deprimiert aus dem Eis auf und fuhr mit nassen Füßen nach Hause, wo meine beiden Kleinen meiner besseren Hälfte gleich berichteten, dass ich lieber eistauche als jogge. Meine bessere Hälfte gab mir besorgt warme Sachen und ein großes Stück Streuselkuchen zum Trost. So oder so bin ich also doch noch ans Ziel gekommen.

Euer lausitzDADDY