Mit den Kids im Winterurlaub

Datum: Montag, 27. Februar 2017 15:04


In diesem Winter waren wir erstmals mit unseren Kids im Winterurlaub. Meine bessere Hälfte wollte das unbedingt, „unsere Kinder sollten auch mal diese Art Urlaub kennenlernen“. Wir sind keine Skifahrer und ich erinnere mich nur dunkel an Kindheitstage, als wir im Harz stundenlang per Ski durch verschneite Landschaften wanderten. Zuhause im Flachland waren wir viel lieber mit den guten, alten Germina-Blechen zum Unterschnallen an alle Winterschuhe unterwegs. Alle Ossis kennen sie: die Gleitschuhe. Sie waren unser Ersatz für Abfahrtski und als kürzere und billigere Variante auch viel leichter und für jeden kleinen Abhang geeignet. Blech statt Brett, das war unsere Losung. Und ich war der ungekrönte König auf der sogenannten Todesbahn an der Stadtmauer der einstigen Ost-Kleinstadt meiner Kindheit. Rückblickend erinnerte ich mich aber vor allem ans viele Frieren.
Das Stuben- und Bürohocker-Gen hat sich inzwischen wohl fest in meinem Blut verankert. Zudem keimte der alte Hass auf Skier in mir auf. In meiner späteren Jugend verbrachten wir viele Wintertage auf einem Hügel etwas abseits der Stadt. Dort tauchte irgendwann Konkurrenz mit schicken Skiern von der Westverwandtschaft auf. Der King of Gleitschuh von der Todesbahn war plötzlich nur noch ein alberner Blechschlitterer. Von Kindheitserinnerungen und dem alten Hass auf Skier verblendet, organisierte ich mir im Internet Original Germina-Gleitschuhe, verstellbar bis Größe 41. Ich hatte zwar 42, aber irgendwie würde das schon gehen. Mein Junior hingegen bestand auf coole, neue Abfahrtsski. Wenn wir schon in den Winterurlaub mussten, dann wollte ich wenigstens Luxus und gepflegte Pisten. Ich recherchierte – und wir fuhren wie Prinz Charles in die Schweiz, nach Davos. Dort gab es auf der Schatzalp auch eine knapp 3 Kilometer lange Rodelpiste.

So ging es mit Erinnerungen, Gleitschuhen und Optimismus in die Alpen. Zum Glück musste man dort nicht wie früher im Harz den Hang hochlaufen, sondern wurde überall von komfortablen Lifts chauffiert. Meine Laune stieg. Mein Junior hatte schon am Abend und morgen nach der Ankunft fleißig mit den Skiern geübt und forderte mich zum Wettrennen heraus. So standen wir morgens um 10 Uhr am 3 Kilometer Rodelhang, meine Familie in neumodischen Skiern und ich mit 40 Jahre alten Blechen. Ich wechselte auf die etwas steilere Seite und erinnerte mich dunkel daran, wie gut ich mit den Gleitschuhen einst steuern konnte. Mein Junior machte mit Blick auf mein leichtes Übergewicht durch meine Vorliebe zu Kuchen und die Blechgleiter noch eine freche Bemerkung vonwegen: „Papa, du bist sicher das erste Kuchenblech in den Alpen“. Ich sagte nur „Auf die Plätze, fertig ...“ und war schon weg. Das Schweizer Nobelpublikum staunte nicht schlecht über meine Zauberschuhe. Dort kannte keiner die guten, alten Ostgleiter. Doch schon kurz danach sauste mein Junior wie ein Blitz an mir vorbei. Ich hatte die Rechnung ohne das Trägheitsgesetz gemacht, die kleinen Gleitschuhe hatten gegen so viel Büroschwere wenig auszurichten. Als er dank mangelnder Erfahrung stürzte, sauste ich jubelnd an ihm vorbei. Etliche Winterfreunde beobachteten unseren erbitterten Wettkampf. Bis zur Hälfte der Piste baute ich meinen Vorsprung aus. Nur zwei Sachsen feuerten mich an „schliddorn stadd bibborn, heiljes Blechle“, der Rest war für meinen Junior. Ich warf einen Blick zurück – drehte mich wieder in Fahrtrichtung und da war sie; eine riesige Schneewehe samt dahinter liegendem kleinen Abhang. Wegen der bekloppten Gleitschuhe konnte ich weder stoppen noch ausweichen. Mein Junior ging als erster ins Ziel und ich erhielt statt Blech später in der Klinik eine hochwertige PVC-Beinschiene. Das wars für mich mit den Winterferien, ich gehe nie wieder auf die Piste!

Euer lausitzDADDY