Der Büro-Marathon

Datum: Montag, 03. April 2017 11:26


Liebe Väter, das Leben jenseits der 40 Jahre-Schallmauer ist wirklich kein Zuckerschlecken mehr. Die Kinder sind aus der WNP (Windel-Niedlich-Phase) heraus und selbst wächst man langsam in die WDP (Windel-Debil-Phase) hinein. Was, die Abkürzungen kennen Sie nicht? Ich eigentlich auch nicht, habe ich gerade erfunden. Auch das ist etwas Balsam für eine weitere Altersbegleitung: Bei meinem Junior komme ich nämlich nicht mehr hinterher, wenn der sich mit seinen pubertierenden Kumpels schreibt. Da werden in unzähligen Abkürzungen Buchstaben aneinandergereiht, dass man meint, die Buchstabensuppe war fast leer und die Jungs mussten mit dem letzten Rest für eine Woche Kommunikation auskommen. Noch schlimmer macht sich das Leben jenseits der 40 aber bei der Fitness bemerkbar. Bei uns ist es genau die Phase, wo der Junior beim Joggen lächelnd neben mir als verschwitztem Bürodino einhertrabt und jeden Moment von dannen ziehen könnte. Ich könnte schwören, noch vor einem Jahr wäre ich dem Buben davongerannt. Und manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich ihm gerade gestern die Windeln gewechselt.

Jedenfalls führen mir die gegenläufigen Veränderungen bei Vater und Junior doch eindringlich vor Augen, dass meine Ausrede vom täglich auf der Tastatur zurückgelegten Marathon nicht ausreicht. Ich hab mal gelesen, das der menschliche Körper grundsätzlich bereits im Sitzen 1 kcal pro Minute verbrennt. So lange, wie ich im Büro sitze und tippe, rechnete ich mir einen immensen Kalorienverbrauch aus. Aber wahrscheinlich sitze ich einfach zu langsam. Jedenfalls lässt meine Fitness zu wünschen übrig und meine bessere Hälfte beglückwünschte mich kürzlich zu meinem tollen Sixpack, ähm Sechspack, weil ich die Bauchmuckis „gut unter sechs draufgepackten Kilo getarnt hätte“.

Alles in allem war es also an der Zeit, im Vater-Junior-Dauerlauf wieder etwas aufzuholen. Deshalb bestellte ich mir fürs Büro einen Ergometer, ein teures Teil mit Display und W-LAN, das meinen athletischen Wandel auch gleich online dokumentieren konnte. Kurz vorm Frühlingsbeginn traf das Teil ein und ich baute es gleich am folgenden Wochenende auf. Mein Junior war zu Besuch und verdiente sich mit ein paar Arbeiten wie so oft ein paar Euro dazu. Er wollte das Ergometer gleich ausprobieren und da ich noch etwas zu tun hatte, ließ ich ihm den Vortritt. Junior strampelte und wählte aus der App ein halbstündiges Programm für ambitionierte Anfänger. Unter dem Kürzel Flash17 legte er vor. Natürlich wollte ich ihm danach zeigen, wo der Hammer hängt – ich wählte als Nutzername Neutronstern (so ein Teil soll sich mit 10 Millionen km/h durch den Raum bewegen) und als Trainingsprogramm 45 Minuten Tour de France/ Plateau de Beille und trat drauf los. Plateau de Beille klang für mich irgendwie nach flach und schön, jetzt weiß ich, dass es eine Horror-Bergetappe in den französischen Pyrenäen ist. Ich verbrannte in einer Minute so viele Kalorien wie zuvor in einem Jahr Bürositzen. Ich verfluchte dieses verdammt moderne Ergometer, dass mühelos Anstiege bis über 20 % mit einem entsprechenden Widerstand beim Treten simulierte. Nach zehn Minuten war ich fertig, nach einer halben Stunde wohl kurz vorm Infarkt. Nur, weil mein Junior zwei Meter entfernt meine Tortur online auf dem Monitor verfolgte, hielt ich durch. Verdammte Technik. Man will sich ja nichts anmerken lassen. Nach 45 Minuten war das Programm vorbei. Die App wies mir im Alltime-Ranking Platz 73.697 zu, von knapp 75.000 – immerhin sind einige Senioren dieser Welt noch langsamer. Trotzdem spürte ich meine Beine nicht mehr. Am Folgetag wachte ich in Ergometerstellung auf und konnte kaum meine Beine bewegen. Ich hatte keinen Muskelkater, sondern einen Muskelelefanten. Zu allem Überfluss schenkte mir meine bessere Häfte dann auch noch das gelbe Trikot. Mit drei großen schwarzen Punkten drauf. Haha!!

Euer lausitzDADDY