Fest der Nächstenliebe

Datum: Mittwoch, 31. Januar 2018 12:58


Wollen Sie hören, wie ich ausgerechnet zum großen Fest der Familie, zum Fest der Geschenke und warmer Stuben, in einer Berliner Mülltonne landete? Das klingt spannend, richtig? Und das war es auch. Weihnachten liegt zwar schon ein paar Wochen zurück, meine Erfahrung kann andere Superdaddys aber auch viel fürs bevorstehende Osterfest oder aber die nächsten Weihnachten lehren. Es begann natürlich alles mit einem haltlosen Geschenkemarathon für die Kids in der Vorweihnachtszeit, die meist in einem Konsumrausch vergeht. Auch wenn wir das selbst kritisieren, am Ende verfallen wir doch jedes Jahr ins selbe Schema und beglücken kurz vorm Fest Lego & Co. mit ausufernden Bestellungen. In diesem Jahr ging es zu Weihnachten mit Sack und Pack zu den Großeltern nach Berlin, die in einer gepflegten Wohngegend mit gemeinschaftlichen Mülltonnen im Hof leben. Ein Umstand, der bei unserem Weihnachtsbesuch vor vier Jahren zu einigen Unannehmlichkeiten führte. Damals hatten wir nämlich drei unserer Kinder dabei und eine Geschenkeladung, die mir klarmachte, warum wir Transporter fahren. Nach dem abendlichen Auspacken stapelten sich seinerzeit Kartons, Geschenkpapier und Plastikverpackungen zu einem Riesenhaufen, den ich aufgrund des Platzmangels in der kleinen Wohnung (wir mussten ja im Wohnzimmer auf Couch und Matratzen schlafen) in der Badewanne zwischenparkte. Dort türmten sich die Überreste fast bis auf Brusthöhe. Abends war ich zu faul, drei Mal in den Hof zu rennen und alles zu entsorgen – Sie wissen schon, das Fest der warmen Stuben und vielen Leckereien. Das rächte sich am nächsten Morgen, als ich vor vollen Mülltonnen stand und etliche „Balkonkieker“ genau beobachteten, ob ich den Müll auch wieder mitnehme. So lebten die Großeltern bis zur nächsten ALBA-Tour vier Tage später mit unserem Müllhaufen. Diesmal wusste ich es natürlich besser. Obwohl wir nur mit zwei Kids unterwegs waren, fiel der Geschenkeberg nicht kleiner aus. Die Bescherung hatte ich extra vorgezogen und wollte gleich nach dem Auspacken der Erste an der Mülltonne sein. Punkt 18 Uhr machte ich mich mit der ersten Ladung auf den Weg, 18.30 Uhr war alles verstaut. Offensichtlich kennen die Berliner diesen Volkssport, denn bei der letzten Fuhre musste ich mich schon hinter fünf anderen Superdaddys anstellen. Erleichtert ging es dann in die warme Stube, um das Geschenkte mit den Kids zusammenzubasteln. Meine Kleine hatte sich bergeweise Lego Friends gewünscht, unter anderem eine Welpenbetreuung samt Hundepark mit Mops und Husky. Die baute sie als letztes auf, nach dem Motto: das Beste zum Schluss. 286 Teile hatte das Set – und bis auf zwei waren alle da. Ausgerechnet Mops und Husky waren nicht aufzutreiben. Wir wühlten uns durchs gesamte Wohnzimmer, meine Kleine war den Tränen nah. Mein Vorschlag, Mops und Husky aus der ebenso geschenkten Wunderknete nachzubasteln, stieß auf wenig Gegenliebe. Meine bessere Hälfte fragte, ob es sein könne, dass eine kleine Tüte aus dem Lego-Set nicht doch mit im Müll gelandet ist? Kennen Sie diese Fragen, die eigentlich keine sind? Zehn Minuten später stand ich mit Handytaschenlampe vor der inwzischen übervollen Mülltonne und tauchte ein. Es war kalt und einsam – und von Mops und Husky keine Spur. Nach einer Stunde räusperte es hinter mir: „Is meine Tonne“. Im Dunkel stand ein bärtiger Mann mit zwei Einkaufswagen voller Gerümpel. Das war „Kutte“, wie sich schnell herausstellte, Berliner Original und Obdachloser. Ich erzählte ihm, warum ich keine Konkurrenz sei – und mit geübtem Blick fischte er nach zwei Minuten Suche eine kleine Tüte mit Mops und Husky aus der Tonne. Voller Dankbarkeit nahm ich Kutte mit in die Wohnung und verkaufte ihn als einen der drei heiligen Könige aus dem Morgenland, der meiner Kleinen Mops und Husky brachte. Dafür wurde er dann auch königlich bewirtet – und unser Weihnachten ein wahres Fest der Nächstenliebe.

Euer lausitzDADDY