Indiana Jones

Datum: Mittwoch, 02. Mai 2018 14:48


Wer einen Schatz finden will, der muss manchmal im tatsächlichen Sinne des Wortes durch die Scheiße. Wenn Ihnen jetzt verborgene Goldbarren in stillgelegten Kanalisationsschächten einer antiken Stadt vorschweben, muss ich diese abenteuerliche Vorstellung leider ennttäuschen. Denn manchmal liegt das Übel viel näher.
Bei unserer Schatzsuche begann alles völlig harmlos – und mal wieder mit einer Idee von Superdaddy. Nachdem unsere Kinder, noch im Wintermodus, nach Meinung des Pädagogen in mir zu viel Zeit vor digitalen Bildschirmen „verbrauchten“, suchte ich nach dem passenden Katalysator für den Start der Draußensaison. Ich recherchierte nach Abenteuern an frischer Luft und entdeckte einen Trend, der an unserer Familie komplett vorübergezogen war: Geocaching. Vor wenigen Jahren war das der absolute Renner und hat auch in der Lausitz für unendlich viele versteckte Schätze gesorgt. Ich lernte schnell, dass es verschiedene Arten dieser Schätze gibt und wie man sie suchen und finden kann. Allein in und rund um Cottbus existieren knapp 500 Schätze, sogenannte Caches. Der Weg zum Schatzjäger ist denkbar einfach: man lädt eine App und schon kann es losgehen. Vorher sollte man allerdings die wichtigsten Regeln lernen und seiner Familie erklären – das machte ich in gewohnter Superdaddy-Marnier. Mit Flipchart und Laptop-Filmchen führte ich meine Familie in die „Schatzjagd nebenan“ ein. Ich hatte sogar einen Top-Geocacher in einer regionalen Community kontaktiert und mir eine Auswahl spannender Schätze empfehlen lassen. Die Kids waren ganz von den Socken, ein Cache lag laut App-Verzeichnis nur einen Steinwurf von unserem Haus entfernt im Verborgenen. Ich hatte uns fürs Abenteuergefühl sogar Safarihemden geholt und mit extra Namensstickern verziert. Bei mir stand Indiana Jones und bei meiner besseren Hälfte Jane drauf. Fürs bevorstehende Wochenende ließ ich mir extra einen 5-Tage-Bart wachsen. So zog ich mit Jane und den Kids in die Natur, das Smartphone navigierte uns per GPS zum ersten Schatz. Wie vorgeschrieben, vergewisserten wir uns, das ringsum niemand zu sehen war. Nicht-Geocacher sind nämlich ahnungslose Muggel und sollen von der Schatzjagd ja nichts mitbekommen, so will es der „heilige Kodex“ der Geocacher. Ich machte ein ganz schönes Gewese um die Sache. Jedenfalls begannen wir rund um die angezeigte Koordinate unsere Suche – und mein Junior entdeckte auf Kopfhöhe an einem Baum ein Astloch, aus dem er eine Plasteröhre mit einem verborgenen Logbuch und kleinen Schätzen zu Tage förderte. Wir trugen uns ins Logbuch ein und tauschten einen Schatz. Als zweite Schatzsuche hatte ich dann einen „Multi“ herausgesucht, bei dem man erst mehrere Stationen lösen muss, um den eigentlichen Schatz zu finden. Das Smartphone führte uns in die Pampa, die Verstecke und Rätsel dieses Multis hatten es echt in sich. An der dritten Station suchten wir an einem abgelegenen Feldrand nach einem auffälligen Merkmal und fanden nichts als einen großen Hundehaufen. Meine Kleine war es schließlich, die als echte Hundekennerin den Hundehaufen näher unter die Lupe nahm und ihn mit beherztem Griff umdrehte – unter dem täuschend echten Scherzartikel klebte der Hinweis zur nächsten Station. So entdeckten die Kids einen Hinweis und einen Schatz nach dem nächsten – und auf Superdaddys extra angelegtem Schatzjägerverzeichnis war einzig Indiana Jones ohne Erfolg.
Bei der dritten Station des dritten Multis erkannte ich aber meine Chance: wieder in der Pampa, wieder ein abgelegener Feldweg. Sie ahnen es schon. Da lag täuschend unecht ein großer Hundehaufen – ich stürzte an meiner Kleinen vorbei und griff beherzt zu, schon jubelnd, als sie neben mir einen Stein mit dem passenden Hinweis darunter in die Luft hob. Ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes in die Scheiße gegriffen. Abends zeichneten mich die Kids mit großem Tamtam als den „Jäger der verlorenen Scheiße“ aus. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Und manchmal ist Scheiße auch wirklich Scheiße. Euer lausitzDADDY