Werden wie Mama!

Datum: Mittwoch, 31. Mai 2017 11:41

 

Karriere für Mütter – zwischen Einkauf und Meeting.

Es ist tatsächlich ziemlich vertrackt. Da kämpfen Frauen jahrzehntelang für die Emanzipation, für die gleichberechtigte Stellung von Mann und Frau in Gesellschaft und Beruf. Und dann dauert es gerade einmal neun Monate, um das Erreichte wieder ins Wanken zu bringen. Bekommen Paare in Deutschland ein Kind, dann fallen sie fast alle wieder zurück ins altbekannte und lange bekämpfte Rollenmuster. Er geht Vollzeit arbeiten und bringt das Geld nach Hause. Sie schraubt ihre beruflichen Ambitionen zurück, kümmert sich um Kind und Haushalt und steigt nach der Babyauszeit höchstens wieder Teilzeit in den Beruf ein. Soweit das Klischee, welches, wenn man sich im eigenen Umfeld umschaut oder Statistiken und Studien durchblättert, ziemlich oft der Realität sehr nahe kommt.

Woran liegt es, dass Paare mit Kindern überholte Rollenmuster übernehmen? Ist das nur ein deutsches Problem oder stehen Frauen in anderen Ländern vor ähnlichen Problemen? Welche Möglichkeiten haben Eltern, um Kind und Karriere miteinander zu vereinbaren? Welche Rechte und Unterstützungsmöglichkeiten haben sie?

Diese Fragen wollen wir im Folgenden beantworten. Starten wir mit einem nüchternen, aber erhellenden Blick auf die Zahlen. Bevor Paare in Deutschland ein Kind bekommen, gehen sie zu gleichen Teilen einer Vollzeitbeschäftigung nach. Nach der Geburt des ersten Kindes ändert sich das radikal. Nach der Elternzeit arbeiten nur noch 15 Prozent der Paare beide in Vollzeit. Die meisten Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit. Das führt dazu, dass Väter in der Regel weiter 40 Stunden arbeiten, Frauen kommen auf durchschnittlich 25 Stunden. Jede fünfte Frau arbeitet weniger als 15 Stunden pro Woche.

Reduzierte Arbeitszeit ist auch bei Müttern mit älteren Kindern noch verbreitet. Erwerbstätige Frauen ohne Kinder arbeiten hingegen zu über zwei Dritteln in Vollzeit. Die hohe Teilzeitquote von deutschen Müttern fällt auch im internationalen Vergleich auf.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Schweden oder Frankreich, die Länder gelten als Musterbeispiele für Vereinbarkeit. In Frankreich gibt es deutlich weniger Teilzeitmütter – die Kinderbetreuung auch für unter Dreijährige ist deutlich besser ausgebaut und Familien sind finanziell besser gestellt als in Deutschland. Noch ein Musterland: Schweden. Dort wird die Gleichberechtigung von Mann und Frau seit Jahrzehnten gefördert, unter anderem durch Elternzeiten für Väter, eine gute Kitabetreuung, aber auch durch die individuelle Besteuerung für beide Geschlechter, die Arbeitsanreize schafft. Kinder in der Firmenkantine? Was in Deutschland die Ausnahme ist, erlauben 37 Prozent der schwedischen Unternehmen. Auch in Sachen Elternzeit gehen die Schweden voran: Anders als in Deutschland werden dort gezielt männliche Beschäftigte zu einer Elternzeit ermutigt. Team-Besprechungen nach 16.30 Uhr sind die Ausnahme. Das Ergebnis: In Schweden gehen 82 Prozent der Mütter arbeiten, in Deutschland 68 Prozent. Zudem gehen Frauen mit Familie in Schweden häufig 40 Stunden pro Woche arbeiten.

In Deutschland ist es noch ein weiter Weg bis dahin. Als problematisch beurteilen die Vereinbarkeit vor allem drei Gruppen von Eltern: Alleinerziehende, Vollzeitbeschäftigte und Erwerbslose. Aber auch alle anderen Familien kämpfen täglich für den Spagat zwischen Kind und Karriere. Fragt man sie nach ihren Idealvorstellungen, so wünschen sich die meisten von ihnen, dass beide Partner Teilzeit arbeiten und sich auch die Familienarbeit teilen. Drei von vier Eltern sind der Meinung, dass sich beide gleichermaßen und die Kindererziehung kümmern sollten. Schaut man in den Alltag, sieht es anders aus: 63 Prozent der Väter sagen: meine Frau und ich, wir kümmern uns partnerschaftlich um die Kinder. Das würden aber nur 36 Prozent der Mütter so unterschreiben. Auch die Statistik bestätigt, dass die Frauen sehr viel mehr Zeit in Haushalt und Kinder investieren, als Männer.

Eben weil Bügeln, Waschen, Putzen, Wickeln, Hausaufgaben kontrollieren so viel Zeit brauchen, führen sie immer wieder zu Konflikten in Familien. Langfristig kann die Diskussion um das Ausräumen des Geschirrspülers sogar Beziehungen sprengen. Daher sollten sich Mütter, je nach Zeit- und Geldbudget,

Unterstützung von zwei Seiten holen: Erstens sollten sie mit ihrem Partner klaren Absprachen treffen, was die Aufteilung der Kinderbetreuung und des Haushalts betrifft. Einmal ausgehandelt, erleichtern sie den Alltag. Manche Väter brauchen auch erst einen Schubs, bevor sie sich trauen, bei ihrem Arbeitgeber nach Möglichkeiten der Vereinbarkeit zu fragen. Wer das Budget hat, sollte auch über eine Haushaltshilfe oder Nanny nachdenken. Wenn man am Wochenende oder nach Feierabend nicht noch putzen muss, bleibt mehr Familienzeit. Passende Angebote findet man u.a. auf www.betreut.de und auf www.agentur-picobello.de.