Kindernotfälle

Datum: Dienstag, 06. September 2011 09:47

Richtig handeln, wenn Kinder in Not geraten

NotfallhilfeDas Spektrum der Notfallsituationen, in die Kinder geraten können, ist groß. Die richtige Reaktion der Eltern kann im Notfall überlebenswichtig sein!

Was ist ein Notfall?
Von einem Notfall spricht man bei einer akut auftretenden, lebensbedrohlichen Situation, die eine rasche Anwendung lebensrettender Maßnahmen erfordert. Ursachen können Gewalteinwirkung (z.B. Unfall), Krankheit oder Vergiftung sein.

Häufige Notfallursachen
Im Säuglingsalter zählen Stürze z.B. vom Wickeltisch oder aus dem Kinderwagen zu den häufigsten Kindernotfällen. Da der Kopf des Babys im Vergleich zum Körper extrem schwer ist, stürzen Babys meist auf den Kopf, was lebensbedrohliche Schädel-Hirnverletzungen zur Folge haben kann. Bei Kleinkindern von 1 - 4 Jahren ist das Ertrinken mit 20% der Todesfälle die häufigste Todesursache. Waren es früher Infektionskrankheiten, die das Leben von Säuglingen und Kindern bedrohten, sind es heute eher Freizeitunfälle. Im Schulalter dominieren dann Verkehrs- und Sportunfälle – die häufigste Todesursache bei Kindern bis 15 Jahren ist nicht Krankheit, sondern Unfall. Häufig haben wir es aber auch mit Krampfanfällen insbesondere in Folge von Infektionen zu tun.

Richtiges Verhalten im Notfall
Eltern reagieren in Notfallsituationen des eigenen Kindes oft panisch und aufgeregt – womit sie dem Kind unter Umständen am meisten schaden. Folgendes sollten Eltern beherzigen:
Zuallererst: Ruhe bewahren!
Verhindern Sie Panik beim Kind, geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie alles unter Kontrolle haben, trösten Sie es
Erklären Sie dem Kind, was Sie tun, was geschieht, und dass ein Rettungsdienst kommt
Nehmen Sie es nur auf den Arm, wenn kein Verdacht auf Wirbelsäulen- o. Kopfverletzung besteht – auch bei Babys!
Halten Sie Hautkontakt, streicheln Sie das Kind und lassen Sie es nicht allein
Lenken Sie das Kind ab, z.B. mit seinem Schmusetier
Wenn ein Kind das Bewusstsein verliert, sollte nach folgendem Schema vorgegangen werden: 1. Unfallstelle absichern und das Kind (falls notwendig) aus dem Gefahrenbereich bringen. 2. Bewusstseinslageprüfen: Durch Ansprechen mit dem vertrauten Kosenamen, Streicheln oder leichtes Kneifen, nicht anschreien, darauf reagieren Kinder oft nicht Ist das Kind ansprechbar: Stabile Seitenlage, nach Notwendigkeit Erste Hilfe leisten, den Rettungsdienst rufen Ist das Kind nicht ansprechbar: Atemwege durch überstrecken des Kopfes freimachen; Atemkontrolle durch hören, fühlen, sehen – für maximal zehn Sekunden; Atmung vorhanden: stabile Seitenlage, regelmäßig die Atmung prüfen. Alarmieren des Rettungsdienstes Keine Atmung vorhanden: Atemspende: 3 - 5 langsame Atemzüge, die den Brustkorb des Kindes sichtbar heben 5. Suche nach Lebenszeichen Atmung/Bewegungen Lebenszeichen vorhanden: wenn weiterhin keine Atmung erkennbar ist, mit der Atemspende fortfahren, bis Eigenatmung einsetzt – dann Seitenlage und Rettungsdienst verständigen Keine Lebenszeichen vorhanden: Herz-Lungen-Wiederbelebung bis Lebenszeichen (Atmung oder Bewegung des Kindes, oder bis der Rettungsdienst eintrifft)

Notfälle im Sommer
Typische Notfälle im Sommer werden durch Insektenstiche und vor allem durch Ertrinken und Beinahe-Ertrinken hervor gerufen. Bei Kleinkindern kann schon eine große Pfütze ausreichen. Wenn das Kind fällt und mit dem Gesicht in Wasser eintaucht, kann der Schreck Reflexmechanismen auslösen, die zum Kehlkopfverschluss führen. Dieser Reflex soll verhindern, das Wasser in die Lunge kommt – dadurch können Kinder selbst in einer flachen Pfütze ertrinken bzw. ersticken. Eltern sollten Kinder nie unbeaufsichtigt lassen, wenn ein Gewässer in der Nähe ist.

Typische Fehler:
In Panik wollen Eltern die Kinder oft selbst ins nächste Krankenhaus bringen oder halten sich mit zu langem Rufen nach Hilfe auf. Wichtig ist schnell zu handeln und schnell den Rettungsdienst zu verständigen. Selbst wenn Kinder das Bewusstsein wieder erlangen, muss der Rettungsdienst gerufen werden. Beim Ertrinken kommt es z.B. oft zum sekundären Ertrinken. Dabei kann es durch in die Lunge geratenes Wasser noch 24 Stunden nach dem Vorfall zur Verschlechterung der Atmung kommen.

Wann ein Kind zum Arzt muss
bei jeder Bewusstlosigkeit, auch wenn sie nur sehr kurz gedauert hat
bei Stürzen auch ohne feststellbare Verletzungen, wenn das Kind verändert wirkt: z.B. schläfrig oder apathisch ist oder sich nicht beruhigen lässt
Blutungen und Bewusstseinsveränderungen können auch Stunden nach dem eigentlichen Vorfall auftreten
Wichtig: Immer den Notdienst rufen! Nicht selbst fahren! Das Kind könnte bei solchen Anzeichen auf dem Weg in die Klinik schlagartig totalbewusstlos werden, die Atmung kann aussetzen.