Kleine Klimaschule – Lektion 2

Datum: Mittwoch, 29. Mai 2019 13:33

Lektion 2 widmet sich nochmals einführenden Betrachtungen, um die Basis zum Verständnis und eine neutrale Herangehensweise zur Folgelektion über die Energiewende zu ermöglichen.

Übersicht zur Lektion 2

  • Vorbetrachtung: Bewertung von Studien und Nachrichten zum Klimaschutz
  • Die Bedeutung von Emissionen und CO2
  • Die Rolle der Sektoren
  • Klimaforschung in Deutschland und auf der Welt Ausblick


1. Studien und Nachrichten zum Klimaschutz

Das Internet liefert einen umfassenden Überblick zu fast allen Themen. Beim Klimaschutz ist es für Laien besonders schwer, das Informationsangebot zu bewerten. Wir empfehlen als Ausgangsseiten die Webangebote des Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) e. V. unter www.pik-potsdam.de und des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) unter www.eike-klima-energie.eu, die beide sehr konträre Positionen zu ähnlichen Themenstellungen vertreten und diese zumeist auch wissenschaftlich begründen. Über den Grad der Wissenschaftlichkeit wollen und können wir dabei keine Aussage treffen.
Eine gründliche Betrachtung kann bei der Bewertung aktueller Veröffentlichungen in den Medien oder der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien helfen. So findet man nicht selten Studien zum gleichen Thema mit gegenteiligen Ergebnissen. Das ist unter Umständen vom Auftraggeber abhängig, der hinter der Studie steht. Insofern lohnt es immer, die Unabhängigkeit solcher wissenschaftlichen Arbeiten zu hinterfragen. So kann eine Studie zur selben Fragestellung rund um fossile Energieträger zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen – je nachdem, ob sie von einem Umweltverband oder der betroffenen Industrie in Auftrag gegeben wurde. Fragestellungen und Auswertungsmethoden können Studienergebnisse stark beeinflussen. In der ausführlichen Online-Version dieser Lektion zeigen wir an zwei Fallbeispielen, dass oft deutlich weniger offensichtlich ist, welche Interessen hinter bestimmten Nachrichten oder Studien stecken können.

Fallbeispiel 1 behandelt eine im Frühjahr 2019 erschienene Studie des renommierten DLR-Instituts für Technische Thermodynamik in Stuttgart, die sich mit dem Einfluss von Windparks auf die Insektenpopulation und das Insektensterben befasst. Sie kam zum Ergebnis, dass in Deutschland jährlich ca. 1.200 Milliarden Insekten an den Rotorblättern von Windrädern verenden und diese Anzahl relevant für die Stabilität der Fluginsektenpopulation sein und damit den Artenschutz und die Nahrungskette beeinflussen könnte. Die Kleine Klimaschule befasst sich mit der möglichen Motivation hinter dieser Studie und hinterfragt, warum sie es kaum in die Medien geschafft hat.

Fallbeispiel 2 zeigt, dass man Nachrichten auch bei Wiedergabe in vielen Medien hinterfragen sollte. So wurde Ende April 2019 eine Falschmeldung in vielen Tageszeitungen und selbst der ARD-Tagesschau wiedergegeben und auch im Nachgang nicht korrigiert, obwohl sie offiziell dementiert wurde. Es handelte sich dabei um Schlagzeilen, wonach der Deutsche Wetterdienst eine Warnung vor einem Dürresommer 2019 ausgegeben hätte, was nicht der Fall war. Mehr Hintergründe zu diesem Beispiel finden Sie in der ausführlichen Online-Version, dort sind auch Links zu weiterführenden Beiträgen zu beiden Beispielen aufgeführt.

Die zwei Fallbeispiele sollen verdeutlichen, dass es sich immer lohnt, einen Blick hinter die jeweilige Nachricht zu werfen. Zum einen können sie durch Auftraggeber aus dem Lobbybereich beeinflusst sein, zum anderen sollte man gerade bei wissenschaftlichen Untersuchungen die Motivation hinterfragen. Einrichtungen in der Wissenschaft sind in der Regel stark abhängig von finanziellen Mitteln zu bestimmten Forschungsthemen entweder für öffentliche Auftraggeber oder für die Wirtschaft. Ein Wissenschaftler, der Themen rund um Erneuerbare Energien bearbeitet, wird ganz sicher andere Erkenntnisse propagieren als ein Wissenschaftler, der sich mit fossilen Kraftwerken auseinandersetzt. In wichtigen Fällen holt man sich, wie bei Krankheiten beim Arzt, eine zweite Meinung ein – beim Klimaschutz hilft es der Meinungsbildung ebenso, einen zweiten Blick auf die jeweils andere Argumentation zu werfen.

2. Die Bedeutung von Emissionen und CO2

Das Thema Klimaschutz ist eng mit dem Begriff Emissionen verwoben. In diesem Abschnitt klären wir, was Emissionen sind und warum wir beim Klimaschutz vor allem über CO2-Emissionen sprechen.

Emissionen: Emission stammt vom lateinischen Wort emittere und bedeutet so viel wie herausschicken oder heraussenden. Im Deutschen bezeichnet es den Austrag oder Ausstoß von Teilchen, Stoffen, (Schall)Wellen oder Strahlung in die Umwelt. Das Spektrum an möglichen Emissionen ist also sehr breit. Dabei wird grundsätzlich zwischen natürlichen und menschlich verursachten Emissionen unterschieden.

  • Natürliche Emissionen: Pflanzen emittieren Pollen, Vulkane verschiedene Gase, Kühe und andere Pflanzenfresser Methan, manche Gesteine geben Radioaktivität ab. Dies sind nur einige Beispiele.
  • Menschlich verursachte Emissionen: Diese Emissionen werden auch als anthropogen (vom Menschen verursacht) bezeichnet. Seit Jahrzehnten kommt ihnen eine zunehmende Bedeutung beim Umweltschutz zu. Dabei kann es sich um vielfältige Emissionen handeln, wie sie zur Verschmutzung und Versauerung der Meere oder zum Plastikmüll in den Ozeanen führen. Es ist ein wesentliches Ziel des Umweltschutzes, schädliche Emissionen zu reduzieren oder gänzlich abzustellen.


Der Treibhauseffekt und CO2
: Beim Klimaschutz wird vor allem vom Treibhauseffekt und der notwendigen Reduktion des Spurengases CO2 in der Atmosphäre gesprochen. Wir schauen genauer, was CO2 ist und welche Rolle es beim Treibhauseffekt spielt.

  • CO2 ist ein sogenanntes Spurengas. Es ist unsichtbar, geruchlos und kommt in unserer Atmosphäre in sehr geringen Anteilen vor. Sein Anteil wird in „parts per million“ (ppm) gemessen. Das beschreibt also, wie viele Anteile CO2 auf eine Million Anteile aller Stoffe in der Atmosphäre kommen. Aktuell hat CO2 einen Anteil von 400 ppm, auf eine Million Teile in der Atmosphäre kommen also 400 Teile CO2. Anders geschrieben, beträgt der Anteil von CO2 in der Atmosphäre 0,04 %. Der Anteil an CO2 hat seit dem Jahr 1750 von 280 ppm auf heute 400 ppm zugenommen. Für diese Zunahme wird in vielen Darstellungen der Einfluss des Menschen als Ursache gesehen. Man geht davon aus, dass die menschlich verursachten CO2-Emissionen ca. 3 % betragen, die natürlichen ca. 97 %.
    CO2 ist ein Grundstoff der Photosynthese, bei der Pflanzen CO2 und Wasserstoff mit Hilfe der Energie aus dem Sonnenlicht in Sauerstoff und Stärke umwandeln. Das passiert sowohl bei Pflanzen und Bäumen auf dem Festland als auch bei Algen in den Weltmeeren und Binnengewässern. Die Photosynthese ist der grundlegende Prozess für alles Leben auf der Erde. CO2 zählt allerdings auch zu den Treibhausgasen, die sich in der Atmosphäre anreichern und für den Treibhauseffekt sorgen.
  • Der Treibhauseffekt soll an dieser Stelle sehr einfach und verständlich erklärt werden. Der natürliche Treibhauseffekt ist ebenso eine wichtige Grundlage für das Leben auf der Erde. Die durchschnittliche Temperatur auf der Erdoberfläche liegt heute bei +15°C, ohne den Treibhauseffekt würde sie bei -18°C liegen. Er funktioniert wie folgt: Die Sonnenstrahlen treffen als kurzwellige Strahlen auf die Erde und dringen fast ungehindert durch die Erdatmosphäre. Wenn die kurzwelligen Strahlen auf die Erde treffen, wird ein Teil aufgenommen (absorbiert) und ein Teil wieder an die Atmosphäre zurückgegeben (reflektiert). Die reflektierten Sonnenstrahlen werden dabei in langwellige Wärmestrahlen umgewandelt. Die Spurengase in der Erdatmosphäre lassen also die kurzwelligen Strahlen relativ ungehindert Richtung Erde passieren, binden aber einen Teil der Energie der von der Erdoberfläche reflektierten langwelligen Strahlung und setzen diese als Wärmeenergie wieder frei. Wasserstoff macht gut zwei Drittel der gesamten Erdatmosphäre aus und hat von allen Treibhausgasen die stärkste Wirkung. Da Wasserstoff rein natürlicher Ursache ist, lässt sich sein Gehalt kaum beeinflussen. Weitere Spurengase sind vergleichsweise wirksamer und deshalb auch bei geringerer Konzentration von Bedeutung für den Treibhauseffekt. Zu ihnen zählen CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan) und N2O (Stickstoffoxid), die allesamt durch technische Entwicklungen der Menschheit und die Zunahme der Weltbevölkerung vermehrt in die Atmosphäre abgegeben werden. Ein Großteil der Wissenschaft geht davon aus, dass eine stärkere Konzentration von Spurengasen wie CO2 eine Erwärmung der Erdoberfläche nach sich zieht. Seinen Namen hat der Effekt tatsächlich in Anlehnung an Treibhäuser erhalten, die kurzwelliges Licht durch die Glasscheiben hindurchlassen und das reflektierte langwellige Licht zum Teil durch das Glasgehäuse zurücklenken. Wer schon einmal im Sommer in einem Gewächshaus war, wird den resultierenden Temperaturanstieg bestätigen.
  • CO2-Emissionen: Die menschlich verursachten CO2-Emissionen machen etwa 3 % der gesamten CO2-Emissionen auf der Welt aus, 97 % sind also natürlichen Ursprungs. Sie werden durch die Weltmeere, Vulkane und diverse andere natürliche Vorgänge freigesetzt. Weltweite Statistiken findet man vor allem zu energiebedingten CO2-Emissionen. Eine aktuelle Statistik weist eine Zunahme dieser globalen, energiebedingten CO2-Emissionen von ca. 21 Milliarden Tonnen im Jahr 1990 auf knapp 34 Milliarden Tonnen im Jahr 2017 aus. Die CO2-Emissionen Deutschlands haben sich dagegen von ca. 1 Milliarde Tonnen im Jahr 1990 auf derzeit ca. 800 Millionen Tonnen verringert.