Als "idiote du village" in Paris

Datum: Freitag, 30. November 2018 10:03


In diesem Jahr haben wir Städtereisen für unsere Familie entdeckt. Tagelang am Strand herumliegen und sich in All Inclusive-Destinationen durchs Buffet futtern, ist eindeutig nicht unser Ding. Nach London erhielt Paris im Familienrat den Vorzug, knapp vor Rom. Für Letzteres setzte mein Junior zwar all seine Punkte ein. Er liebt Pizza und epische Schlachten. Meine Kleine hingegen wollte shoppen und in die Stadt der Mode. Paris siegte, im Herbst ging es für fünf  Tage in die Stadt der Liebe. Sie ahnen schon, dass der Superdaddy in mir keine 0815-Touristentour durchgehen ließ. Am Flughafen mieteten wir ein Auto und auf der Einfahrt nach Paris begann mein Kulturprogramm mit einer Sammlung von Songs über Paris. Morrissey umarmte die Stadt, Gary Moore spazierte durch Paris und Mireille Mathieu besang die Spatzen in Paris, während sich Rammstein durch den Pariser Frühling blutete. Bei Bläck Föös grölten wir alle mit: Fronkraisch, Fronkraisch. Ich hatte uns schon zum Start auf die Überholspur der Städtereisenden gebracht. Für die kommenden Tage sollte es genauso weitergehen. Meine gründliche Recherche im Vorfeld hatte mich auf die Seite eines deutschen „Paris-Insiders“ geführt. Hier stand, wie man Paris erleben sollte – und so legten wir am ersten Tag los. Den Eiffelturm müsse man unbedingt per Fuß besteigen. Unseres Ladys wollten aber lieber den Aufzug nehmen. Meinen Junior schwor ich auf die Männerrunde ein, für die so ein Türmchen ja wohl ein Klacks sei – und so bestiegen wir die zweite Plattform. Mit Marschliedern und der archaischen Körperspannung einstiger Gladiatoren. Es waren über 700 Stufen und es zog durchs Stahlgerüst wie Hechtsuppe. In einem Mix aus Schwitzen und Frieren kamen wir eine Stunde später in 115 Metern Höhe an. Von hier sollte ein Aufzug bis zur Spitze weiterfahren, aber vor dem Fahrstuhl stand eine Riesenschlange. Als wir uns hinten einreihten, entstiegen unsere Ladys mit einem Lächeln dem von unten kommenden Fahrstuhl, zückten ihre Vorzugstickets, spazierten an der Schlage vorbei uns schwebten zur Spitze. Mit meinem Junior gab ich eine Stunde später das Warten auf und schweigend ging es 700 Stufen wieder hinunter, die Männerfreundschaft bröckelte. Bei der zweiten Station dieses Tages war ich mir aber siegessicher: es ging zum Shoppen ins Lafayette. Ich redete meiner Kleinen den Mund wässrig von Paris schönstem Kaufhaus mit unendlich viel Mode in einem wunderschönen Ambiente. Als wir ankamen, war auch noch Rabatt-Wochenende. Alles passte. Meine Kleine entdeckte auch gleich ein Paar Schuhe. Abzüglich Rabatt für 625 Euro. So ging es bei den Klamotten weiter. Hier gab es nur Goldstaub. Und es war rammelvoll, halb Asien wälzte sich unter Unkenntnis eines Intimabstands durch den Luxustempel. „Mit Papa reisen, ist echt zum schei...“ reimte meine Kleine. Ich ahnte schon nichts Gutes, als es danach ins Restaurant ging. Laut meinem Insider hatte ich über eine App vorab einen Tisch reserviert, wodurch man das Essen 20% günstiger erhielt. Die Kids wollten zum Italiener, aber der Pariser in mir entschied natürlich für französische Küche. So starrten wir in eine Karte und bereuten, dass keiner von uns Französisch konnte. Lediglich Baguette war zu entziffern, was meine bessere Hälfte und die Kids dann auch orderten. Ich fand, „cuisses de grenouilles“ klang interessant und ging auf Risiko. Kurze Zeit später schwebte ein Teller ein, aus dem mich kleine Froschärsche mit daran baumelnden Beinchen ansahen. Ich würgte. Die ganze Familie applaudierte und heuchelte Anerkennung für den Auskenner-Superdaddy. Durch drei Froschärsche kämpfte ich mich noch um die Reiseleitung, während die Kids rührselige Geschichten von Kermit, Günther Kastenfrosch und Sancho & Pancho erzählten. Dann gab ich auf. Meine Familie freute sich auf die Befreiung von meiner Reiseplanung. Der Koch war beleidigt. Ich weiß jetzt, dass „idiote du village“ Dorftrottel heißt, was nach einstimmiger Meinung der Familie auch zutreffend ist.

Euer lausitzDADDY