„Drei Tage Sonnenschein ohne Regen“

Datum: Montag, 09. Mai 2022 12:07

 
Tobias Schick (rechts) vor der Kulisse des Cottbuser Ostsees im Gespräch mit lausebande-Herausgeber Jens Taschenberger

Interview zu den OSTSEE Sportspielen mit Tobias Schick, Geschäftsführer Stadtsportbund Cottbus
Die OSTSEE Sportspiele 2022 haben sich zum Mega-Event entwickelt, das weit über Sport hinausreicht. Mit vielen Turnieren in klassischen und innovativen Sportarten und einem Programm für alle Generationen ist es vielmehr ein sportliches Volksfest, das gerade für Familien als knallbunte und actionreiche Überraschungstüte daherkommt. Wir sprachen mit dem Käpt`n der Spiele, der mit einer Vision die Segel für dieses Eventwochenende gesetzt hat, die ab diesem Jahr erst so richtig Fahrt aufnimmt. Leinen los für Tobias Schick, Geschäftsführer des Stadtsportbunds und gute Seele der Cottbuser Sportfamilie:

Die OSTSEE Sportspiele sind in der Lausitz wie DIE FINALS bundesweit Plattform für vielfältige Sportevents, folgt das einer Vision? Ja, der Plan war von Anbeginn, Synergien und neue Kraft aus vielen Cottbuser Sportevents zu schöpfen. Vor Jahren wurde oft beklagt, dass Sportereignisse zu wenig bekannt waren und sich gegenseitig Teilnehmer und Publikum nahmen. Wir haben in der Bündelung aber noch viel mehr Chancen erkannt. Vom Auf- und Abbau über Ordnungskräfte bis zur Infrastruktur für Sportevents wird es für alle günstiger, wenn man das zusammen macht. Wir merken, dass der Sportgedanke zu einem großen Miteinander führt. Alle Beteiligten arbeiten nicht gegeneinander, sondern ergänzen sich. So nutzen wir für Start- und Zielbereiche zu allen Läufen – vom Bambinilauf über den Halbmarathon bis zum Run&Bike und dem Triathlon – identische Bereiche. Auch Teilnehmer gehen gleich bei mehreren Events an den Start und nutzen Synergien des Sportwochenendes. Inzwischen kommen ganze Familien gezielt zu den Sportspielen und kombinieren Wettkämpfe mit einem sportlichen Ausflug oder Kurzurlaub für alle Generationen. Die Vision geht also nicht nur nach innen, sondern langfristig auch noch außen bis hin zu einem attraktiven Potenzial für den Sporttourismus.

Mit der Schonung von Ressourcen und auch sozialer Stärkung der Beteiligten sind die Sportspiele geradezu ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit, ist dir das wichtig? Tatsächlich kümmern wir uns sorgsam um Nachhaltigkeit, in der Sportfamilie haben wir sicher auch einen guten Blick für kommende Generationen. Wir versuchen, möglichst CO2-sparend zu arbeiten. Das reicht vom reduzierten Papierverbrauch über ein Konzept für weniger Müll bis zur Vermeidung individueller Anfahrten mit dem Auto. Gerade Sportler schonen sich vor Wettkämpfen gern und reisen per Auto an – wir werben deshalb intensiv für die perfekte Anbindung des Sport- und Festareals per Zug durch den Bahnhof Willmersdorf und die bestehende Buslinie. Man steigt aus dem Zug oder Bus aus – und ist unmittelbar auf dem Festgelände. Gerade für die Abendevents eröffnet das allen Besuchern neue Möglichkeiten. Zudem kann man über den Radweg am Ostsee entlang bestens individuell auf zwei Rädern anreisen – dieser gut ausgebaute Radweg ist gerade für Familien ein Supertipp. Für die besondere Nachhaltigkeit spricht auch die Zusammenarbeit mit der Cottbuser Umweltwoche, die sich beim Umwelt- & Familiensonntag zeigt.

Wie gelingt es, mit dem doch sehr kleinen Team des Stadtsportbunds trotz Tagesgeschäft solch ein Mega-Event zu organisieren? Wir haben frühzeitig angefangen, gleichermaßen „positiv Verrückte“ ins Boot zu holen. Sämtliche Turnierleiter einzelner Wettkämpfe durften dann Wunschzettel für ihr benötigtes Equipment aufschreiben, das haben wir gebündelt und uns um gemeinsame Lösungen gekümmert. Inzwischen haben wir drumherum über 300 freiwillige Unterstützer aufbauen können, einige ziehen alle drei Tage durch. Dabei hilft, dass wir uns über Vereine hinweg in der Sportfamilie gut kennen und vertrauen.

Siehst du dich bei den Sportspielen eher als Trainer oder als Mannschaftskapitän? Das eine schließt das andere nicht aus, auch wenn sich die Trainingsmaßnahmen in Form von Organisationstreffen in Grenzen halten. So ist am Ende doch eher der Käpt`n in mir gefordert, der alles zusammenhält und bei Problemen klare und schnelle Entscheidungen trifft. Bei einem so umfangreichen Event kann immer etwas schief gehen, Akteure können ausfallen, Verletzungen oder Probleme bei Wettkämpfen auftreten – dann muss man auch den Kopf hinhalten und einfach mal Machen. Statt andere anzurufen oder zu delegieren, gilt es, selbst Lösungen herbeizuführen.

Steht für dich das Publikumsevent oder der Sport im Vordergrund? Ich spüre in Cottbus eine große Sehnsucht und oft eine schmerzliche Erinnerung an eine Zeit, in der unsere Stadt Olympiamedaillen regelrecht produziert hat. Wir wollen dieses Gefühl in der Bevölkerung wieder beleben und gleichzeitig neue Impulse setzen. So wird es im Festzelt eine Boxveranstaltung geben. Das ist eine ehrliche Sportart mit Tradition in unserer Stadt. Passend zum wachsenden Ostsee gibt es in diesem Jahr gleich vier Strandsportarten – neben Beach Volley, Beach Tennis und Beach Hockey ganz neu Beach Soccer. Hier sind wir dabei, Austragungsort für die Landesmeisterschaften zu werden. Insgesamt wollen wir allen Generationen neuen, sportlichen Stolz auf unser aktionsgeladenes Cottbus geben – insofern ist mir trotz aller Sportverrücktheit das Publikumsevent in den Sportspielen tatsächlich noch wichtiger.

… und im Bangonton könnten wir bald die erste Weltmeisterschaft austragen? Das ist wirklich eine super Story. Der umtriebige Cottbuser Claudius Wecke, der viele Jahre als Parkdirektor für Pücklers Park Branitz verantwortlich war, hat seine Idee für eine neue Sportart für unsere Sportstadt umgesetzt. Er bringt mit Körpertreffern und schnellen Sätzen neue Dynamik ins Federball-Spiel. Sein „Bangonton“ funktioniert für jedermann, auch ohne Vereinsbindung und hat richtig Power. Wir haben die Herstellung der ersten Spiele unterstützt und werden am Sportspiel-Samstag das erste Bangonton-Turnier der Welt präsentieren, bei dem Neugierige und Einsteiger gern gesehen sind. Ich freue mich aber ebenso über Willi Koch, meinen ehemaligen Sportlehrer, der mit über 80 Jahren ein Freizeit-Tischtennisturnier für jedermann organisiert. Bei den Spielen kann wirklich jeder und jede mitmachen.

Können auch Kinder bei Sportarten live mitmachen, Talente entdecken oder einfach Spaß haben? Für die Schülerläufe und das Run&Bike am Samstag müssen sich Kids vorher über die Schulen anmelden. Aber beim Rahmenprogramm kann man einfach kommen und ausprobieren. Wir bauen einen großen Kletterfelsen, eine Quater Tramp, einen Fahrrad-Parcours – auch beim Minigolfturnier ist keine Voranmeldung erforderlich. Beach Soccer und Beach Hockey können ebenso alle ausprobieren – und es gibt viele weitere Mitmachangebote. Man kann also zuschauen oder selbst aktiv werden, Spaß haben kleine wie große Besucher auf jeden Fall.

Was wünscht du dir für dieses Jahr? Zuallererst: Drei Tage Sonnenschein ohne Regen. Und dass alle Teilnehmer und Besucher ihre Ziele erreichen, möglichst ohne Blessuren, dass wir eine tolle Stimmung haben und Menschen aller Generation ungezwungen zueinander finden. Letztendlich wünsche ich mir auch aus den Sportspielen heraus neuen Stolz auf unser lebenswertes Cottbus.

OSTSEE Sportspiele 2022
10-12.06.2022

www.stsb-cb.de