Bio? Logisch!

Datum: Donnerstag, 01. April 2021 11:06

Warum Bio kaufen?

Insgesamt gab es Ende 2019 in Deutschland rund 35.000 Ökolandhöfe. Bei insgesamt rund 270.000 heißt das: etwa 13 Prozent der Landwirte bauen nach Öko-Standards an. Ihr Anteil ist damit allein in den letzten fünf Jahren um etwa 5 Prozent gewachsen. Bio boomt auch in der Pandemie – im Jahr 2020 erreichte der Umsatz bei Bio-Lebensmitteln in Deutschland mit knapp 15 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erfragt in einer repräsentativen Umfrage regelmäßig die Vorlieben der Verbraucher für Biolebensmittel. Die Ergebnisse werden im Ökobarometer veröffentlicht. Die letzte Umfrage von 2019 ergab: Inzwischen greifen fast 60 % (rund 25 %) häufig oder ausschließlich zu Biolebensmitteln, mehr als ein Drittel (rund 50 %) gelegentlich und nur 7 % (26 %) kaufen nie Bio. In Klammern sind die Zahlen aus dem Ökobarometer 2013 aufgeführt und zeigen die äußerst dynamische Entwicklung hin zu Bio. Kauften 2013 Jüngere noch deutlich häufiger Bio als Ältere, so sind inzwischen alle Generationen gleichauf. Am häufigsten wird aufs Biosiegel geachtet bei Obst und Gemüse, bei Eiern und bei Kartoffeln.

Wer auf Bio wert legt, dem ist auch regionale Erzeugung wichtig. Die wichtigsten Gründe, warum Kunden überhaupt zu Bio greifen: artgerechte Tierhaltung (95 %), regionale Herkunft (93 %), faires Einkommen für Erzeuger (92 %), geringere Schadstoffbelastung (90 %), Beitrag zum Umweltschutz und gesunde Ernährung (je 89 %).

Im Breischälchen und auf Kindertellern landet häufiger bio als bei den Großen. Spätestens wenn aus Paaren Eltern werden, befassen sie sich das erste Mal mit dem Thema. Viele achten darauf, in der Schwangerschaft und für ihre Kinder Biolebensmittel zu kaufen. Ihnen sind die gesundheitlichen Aspekte wichtig. Zudem haben Biomöhren und Bioäpfel einen natürlicheren Geschmack. Da bei Bio nur wenige natürliche Aromen erlaubt sind, schmecken die Lebensmittel ursprünglicher. Kinder entwickeln einen besseren Geruchs- und Geschmackssinn, wenn sie von klein auf hochwertige, wenig verarbeitete Lebensmittel essen und trinken. Ein hoher Nitratgehalt kann gerade für Babys kritisch sein. Da der Organismus von Babys und Kleinkindern unter drei Jahren sehr empfindlich ist, gelten für diese Lebensmittel in Deutschland strenge Richtlinien. In der Diätverordnung ist festgelegt, dass spezielle Lebensmittel für Kinder unter 36 Monaten frei von Pestiziden und sonstigen Schadstoffen sein müssen und dass künstliche Farb-, Konservierungs- und Aromastoffe und Süßstoffe verboten sind. Aus diesem Grund stehen auch viele Babyprodukte vom Brei bis zur Reiswaffel in Bioqualität im Regal.

Damit lässt sich eine wichtige Frage beantworten: Warum sollten Kunden zu den meist teureren Bioprodukten greifen, wo doch Lebensmittel in Deutschland ohnehin streng kontrolliert sind? Ein wichtiges Argument der Biobranche: Sie sind gesünder. Da Biobauern beim Anbau von Obst und Gemüse komplett auf chemisch-synthetische Pestizide verzichten, deutlich weniger Zusatzstoffe verwenden und in der Tierhaltung soweit wie möglich auf Antibiotika verzichten, gelten biologisch erzeugte Lebensmittel als gemeinhin gesünder. Sie enthalten weniger Schadstoffe, dafür mehr gesundheitsfördernde Stoffe wie Omega-3-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Inwiefern sich der Konsum von Biolebensmitteln im Vergleich zu konventionell erzeugten tatsächlich positiv auf die Gesundheit auswirkt, wurde wiederholt in Studien untersucht. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Risiko für Hautausschläge und Allergien sinkt, wenn man sich hauptsächlich bio ernährt. In Untersuchungen von Ökotest oder Greenpeace schneiden Bio-Lebensmittel durchweg besser ab als jene ohne Biosiegel. Völlig frei von Schadstoffen sind auch sie nicht, aber sie enthalten deutlich weniger der mehr als 300 nachweisbaren Pestizide.

Diese Sorten sind häufig mit Pestiziden belastet, hier sollte man besser immer bio kaufen:
Johannisbeeren, Stachelbeeren, Weintrauben, Himbeeren, Melone, Aprikosen, Kirschen, Pflaumen, Erdbeeren, Petersilie, Paprika, Zucchini, Grünkohl, Auberginen, Radieschen, Salat, Bohnen

Bei diesen Sorten ist auch konventioneller Anbau denkbar, hier ist die Pestizidbelastung geringer:
Bananen, Kiwis, Zitronen, Orangen, Ananas, Äpfel, Mandarinen, Pfirsiche, Brokkoli, Chicorée, Fenchel, Spargel, Zwiebeln, Kartoffeln, Eisbergsalat, Spinat, Blumenkohl, Möhren

Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt von Bio. Ökobauern bemühen sich um eine Kreislaufwirtschaft, bei der möglichst wenig Futter, Nährstoffe und andere Hilfsmittel wie Dünger von außen zugeführt werden müssen. Durch den Verzicht auf Chemie schützen sie Natur und Umwelt, Tier und Mensch, schonen Böden und Wasser. Durch den Verzicht auf Mineraldünger ist das Grundwasser weniger stark mit Nitrat belastet. Im Boden von Ökohöfen findet sich ein höherer Anteil an Humus, er ist also fruchtbarer. Im Schnitt verbrauchen Biohöfe 30 bis 50 Prozent weniger Energie als konventionelle Betriebe. Sie schaffen Lebensräume für seltene Arten. Biolandbau schont das Klima, da er CO2 stärker bindet und weniger Treibhausgase erzeugt, z.B. durch weniger stark überdüngte Böden.

Leben Bio-Schweine artgerecht?

Wem artgerechte Tierhaltung wichtig ist, der hat es schwer beim Kauf von Fleisch und Wurst. Die Tierhaltung auf vielen Biohöfen ist ausbaufähig. Massentierhaltung, das Töten männlicher Küken, Kastrieren von Ferkeln ohne Narkose – all dies gibt es hier ebenso. Teilweise ist auch die ganzjährige Haltung im Stall und die Gabe von Antibiotika erlaubt. Einige Bio-Anbauverbände haben für ihre Betriebe strengere Richtlinien erlassen. Insofern gilt für den Kunden: Biofleisch ist besser als nicht Biofleisch. Noch besser aber ist es, einen Fleischer oder Bauern des Vertrauens zu finden, bei dem man weiß, wie die Tiere vorher gelebt haben. Je kleiner der Hof, desto glücklicher vermutlich die Tiere. Hier lohnt der Fleisch- und Wurstkauf in Naturkost- oder Bioläden besonders, wo das Fachpersonal die Herkunft und den Landhof genau kennt. Fragen Sie einfach danach.

Wo gibt es Bio-Lebensmittel?

Biolebensmittel gibt es mittlerweile fast überall: im Supermarkt, in der Drogerie, im Naturkostladen, auf dem Wochenmarkt, im Internet. Wem das Standard-Bio genügt, der findet im Supermarkt und Discounter ein vielfältiges und relativ preiswertes Bio-Sortiment. Im Naturkostladen, Reformhaus, auf dem Bio-Landhof oder im Bioladen bezahlt man mehr, bekommt aber auch fachkundige Beratung und Produkte von Bioanbauverbänden, die über den Mindeststandards liegen. Auf Wochenmärkten erhält man frische Saisonware direkt vom Biobauern. Wer einen Biobauernhof in der Nähe hat, kann sich auch dort nach dem Hofverkauf erkundigen. Im Internet gibt es immer mehr Händler, die Bioprodukte verkaufen. Ein beliebter Trend sind sogenannte Abo-kisten, die auch in der Lausitz von Landhöfen angeboten werden. Wöchentlich oder seltener bekommen Kunden Kisten mit Obst und Gemüse der Saison zu einem Festpreis geliefert. Meistens stehen verschiedene „Menüs“ zur Auswahl, man kann aber auch selbst zusammenstellen. Auf Wunsch gibt’s auch Brot, Eier oder Milch dazu. Der Vorteil: Man spart sich die Zeit zum Einkauf und hat immer regionales, saisonales Gemüse aus der Region. In der Lausitz hat aber auch der Handel der Biobranche kräftig zugelegt. Allen voran ist Cottbus mit dem Bioladen Schömmel samt Bistro und Biobäckerei zum Lausitzer Zentrum für Bioprodukte gewachsen. Aber auch im Ländlichen gibt es immer mehr Angebote. Eine Auswahl stellen wir auf der Folgeseite dar: