Viren: Die Supermacht des Lebens?

Datum: Dienstag, 24. März 2020 13:26

Vireninfektion: Was passiert im Körper?

Der sogenannte lytische Vermehrungszyklus von Viren. (Grafik: Christoph Leberecht, wikimedia)

Sind Viren in den Körper eingedrungen, machen sie sich auf die Suche nach Wirtszellen. Ihr einziges Ziel besteht darin, sich zu vermehren – die Krankheitssymptome sind dabei „nur“ ein Nebeneffekt. Wie eine kleine Raumsonde docken Viren zuallererst auf ihrer Wirtszelle an (1) und geben ihr Erbmaterial ab (2). Die Wirtszelle mutiert nun zu einer Produktionsfabrik und beginnt, neue Virus-partikel herzustellen und sie zu neuen Viren zusammenzubauen (3). Das macht sie so lange, bis sie platzt oder abstirbt. Dabei setzt sie tausende neue Viren frei, die sich wiederum selbst auf die Suche nach Wirtszellen machen (4).
Sind die Virusattacken einmal gestartet, gerät der Körper in Alarmbereitschaft. Das Immunsystem setzt beispielsweise Fresszellen frei, die sich auf befallene Wirtszellen stürzen und diese auffressen. Wenn die Gefahr überwunden ist, merkt sich der Körper die äußerliche Beschaffenheit der Erreger und bildet Gedächtniszellen – so ist das Immunsystem fortan in der Lage, einen Befall mit demselben Erreger gleich im Keim zu ersticken.
Meist arbeitet dieses körpereigene Abwehrsystem so effektiv, dass Infektionen unbemerkt ablaufen. Gegen den allergrößten Teil der zahllosen Bakterien und Viren, die täglich in Menschen eindringen wollen, kann unmittelbar reagiert werden. Bei einigen Erregern braucht das Immunsystem allerdings etwas länger, um die Eindringlinge auszuschalten. In solchen Fällen bilden sich Symptome wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Fieber oder auch Entzündungen heraus. Sie sind Teil des Abwehrsystems: Mit der Produktion von Sekret erschwert es der Körper Viren, in die Nase vorzudringen. Husten und Niesen befördert Schleim, Erreger und andere Fremdkörper explosionsartig aus dem Körper. Fieber gilt als Kampfansage des Körpers schlechthin, denn damit wird das Wachstum neuer Erreger eingedämmt und wiederum die Produktion von Immunzellen stimuliert.

Die Übertragung von SARS-COV-2, Erkältungen und Influenza

Die Übertragung von SARS-COV-2 erfolgt genau wie bei Influenza und herkömmlichen Erkältungsviren und -bakterien auf zwei Wegen: per Tröpfchen und per Kontakt. Beide Übertragungswege können durch gewisse Hygienemaßnahmen eingedämmt werden, die wir ab Seite 66 vorstellen.
Die Übertragung mittels Erregertröpfchen in der Luft – kurz: Tröpfcheninfektion – kommt vor allem zum Tragen, wenn ein Infizierter hustet oder niest. Sie können aber bereits beim Gespräch mit einem in unmittelbarer Nähe befindlichen Gegenüber übertragen werden. Viren und Bakterien bleiben in Form von ausgestoßenen, kaum bis gar nicht sichtbaren Tröpfchen für kurze Zeit in der Luft stehen. Der Radius dieser „Wolke“ beträgt beim Husten und Niesen in der Regel ca. 2 Meter im Umfeld des Infizierten. Befindet sich unmittelbar danach oder dabei eine weitere Person in diesem Bereich und atmet die Tröpfchen ein, dann infiziert sich diese Person mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls mit dem Erreger.
Die Kontaktübertragung – auch Schmierinfektion genannt – ist der zweite Übertragungsmechanismus, auch im Falle von SARS-COV-2, Influenza und gängigen Erkältungskrankheiten. Wenn eine erkrankte Person Speichel und/oder Nasensekret an der Hand hat, einer anderen Person die Hand schüttelt und diese dann ihre Hand zum Mund oder zur Nase führt, kann auch sie sich infizieren. Ebenso können Erreger den Umweg über eine Oberfläche wie eine Türklinke oder den Griff eines Einkaufswagens nehmen, wenn diese unmittelbar danach von einer zweiten Person angefasst werden. Sowohl auf der Hand, als auch auf Oberflächen sind Bakterien und Viren allerdings nicht lange überlebensfähig – weshalb Virologen zwar deutlich auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen hinweisen, aber deutlich stärker eine Vermeidung der relevanteren Tröpfcheninfektion durch Vermeidung sozialer Kontakte und Abstand zu anderen Personen einfordern.

Abbildung: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, infektionsschutz.de, http://www.infektionsschutz.de/mediathek/infografiken/atemwegsinfektionen 19.03.2020, CC BY-NC-ND