Weil Helfen glücklich macht!

Datum: Donnerstag, 30. April 2020 10:39


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Alles rund um Nachbarschaftshilfe in der Lausitz

Ob aus Angst vor einer Grippewelle, bei einem Kita-Streik oder einem längeren Urlaub – es gab schon immer Zeiten, in denen Nachbarn untereinander auf Hilfe angewiesen sind. Gerade angesichts der Ausbreitung der Corona-Pandemie spielt das gegenseitige Helfen unter Nachbarn heutzutage eine besondere Rolle. Kleinere Gefallen wie das Abholen von Paketen oder auch Erledigungen wie das Einkaufen helfen vor allem Risikogruppen, also älteren Menschen und solchen mit Vorerkrankungen, ihre Kontakte nach außen so gut es geht einzuschränken. In den vergangenen Wochen entstanden neben etablierten, deutschlandweiten Plattformen deshalb zahlreiche regionale Portale, in denen Hilfe gesucht und angeboten werden kann.
Zu denen, die seitdem gern Hilfe anbieten, gehören vor allem jüngere Menschen, die sich keine größeren Sorgen wegen eines schwerwiegenden Corona-Krankheitsverlaufs machen. Zu ihnen zählt Maria Meschkat aus Senftenberg. Die Interaktion mit den Nachbarn in der Umgebung ist für sie ein wichtiger Aspekt menschlichen Zusammenlebens, der in ihren Augen Gefahr lief, in Vergessenheit zu geraten: „Das führt dann dazu, dass man seine direkten Nachbarn nicht einmal mehr beim Namen kennt, was sehr traurig ist“. Mit Bedauern beobachtete die Senftenbergerin auch überflüssigen Konsum und Verschwendung. Viel zu schnell neige man dazu, Dinge zu kaufen, die man nur einmal benötigt.
Ein längeres Gespräch mit ihrem Sohn über das Wegwerfen und Neukaufen brachte sie schließlich zu einem Entschluss, den seit der Ausbreitung der Corona-Pandemie viele Menschen aus den verschiedensten Orten der Lausitz fassten: Sie initiierte eine Nachbarschaftshilfe. Als erste Plattform nutzte sie dafür die Gruppen-Funktion von Facebook, dem sozialen Netzwerk, das vor allem unter älteren Mitmenschen zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Das war noch vor der Corona-Zeit. Da mit den Kontaktbeschränkungen die Anzahl der Mithelfer immer größer wurde und längst nicht alle Facebook nutzen, wuchs daraus schließlich die Plattform #brandenburghilft. Sie bündelt die Hilfeangebote und -gesuche mehrerer Orte und ist unter www.brandenburghilft.de zu finden. Auf Seite 2 dieses Beitrags zeigen wir, welche kommunalen und privaten Hilfeplattformen auf #brandenburghilft bereits zusammenlaufen – und welche es sonst noch in der Lausitz gibt.

Welche Hilfen kann man leisten?
Nachbarschaftshilfe kann in vielerlei Situationen eine große Hilfe sein. Der „Klassiker“ infolge der Corona-Pandemie ist sicher das Einkaufen-Gehen für Personen, die zur Risikogruppe gehören. Aber auch das Abholen der Post, Gassi-Gehen, kleinere handwerkliche Tätigkeiten, ein gemeinsamer Spaziergang oder die Pflege des Gartens kann die Nachbarschaft enger zusammenschweißen. Auch ein Gespräch von Balkon zu Balkon kann Balsam für die Seele sein, manch ein älterer Nachbar mag sich über Gedächtnistraining freuen. Man darf ruhig kreativ sein – am Ende profitiert die ganze Nachbarschaft davon und man fühlt sich in den eigenen vier Wänden viel wohler, egal ob man hilft oder einem geholfen wird. Je nach Tätigkeit sollte man aber darauf achten, die Abstandsregelung einzuhalten und ggf. einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Spendensammeln für die Tafel
Maria Meschkat verfolgt mit ihrer Initiative #brandenburghilft noch ein weiteres Anliegen: „Ich kann nicht mit ansehen, wie viele Nahrungsmittel tagtäglich weggeworfen werden, weil man sie falsch gekauft hat, sie bald ablaufen oder man sie einfach nicht verwerten kann“. Stolz blickt sie deshalb auf das Spendensammeln für die Cottbuser Tafel, das sich seit dem Entstehen ihrer Facebook-Gruppe etabliert hat. Dafür zeigt sich die Cottbuserin Lisa Müller (siehe Bild) verantwortlich. Sie nimmt einmal in der Woche auf dem Postparkplatz Lebensmittelspenden entgegen, um sie der Tafel zu übergeben. „Das wird sehr gut angenommen, die Leute zeigen großes Interesse“, so Lisa Müller. Zu den Spenden gehören neben Lebensmitteln auch Reinigungsmittel oder auch mal kleine Glücklich-Macher wie Schokolade oder Gummibärchen. Wer mithelfen will, schaut einfach in der Facebook-Gruppe „Nachbarschaftshilfe in CB & SPN“ vorbei, dort werden die Sammeltermine rechtzeitig bekanntgeben. In Senftenberg entsteht derzeit eine ähnliche Aktion. Nach dem Motto #hilfdenhelfern_sfb sollen auch hier Spenden für die Tafeln gesammelt werden. Für alle, die mitwirken wollen, sind zu gegebener Zeit unter www.brandenburghilft.de alle Infos zu finden.

Nachbarschaftshilfe: ALLE sind gefragt
Am Ende funktioniert das Prinzip der Nachbarschaftshilfe am besten, wenn jeder mitwirkt, der etwas beitragen kann. Daher legen wir allen Lausebanden ans Herz, einmal zu überlegen: Wo kann ich helfen? Das können auch ganz kleine Gefallen sein, wie der Gang zur Apotheke oder zur Post. Natürlich kann man sich auch Maria Meschkat oder Lisa Müller zum Vorbild nehmen und dabei mitwirken, die Hilfen zu koordinieren. Welche Schritte man dazu unternehmen sollte, erklärt die #brandenburghilft-Initiatorin im Interview auf der Folgeseite – ganz „analog“ ist es schon eine super Idee, einen Ausdruck im Hausflur zu platzieren, auf dem man seine Hilfe anbietet. So ist der Kontakt zu bedürftigen Nachbarn unkompliziert möglich.
Das Team lausebande stellt auch in der Printausgabe 05/2020 wieder auf der Doppelseite in der Heftmitte einen Aushang zum Herausnehmen bereit. Nun ist es an Ihnen: Ihre Nachbarschaftshilfe zählt!