Das kleine Corona-Update (Stand: 22. Mai 2020)

Datum: Mittwoch, 27. Mai 2020 07:01


Es gibt bereits verschiedene Antikörpertests – BTU-Wissenschaftler entwickelten in der Lausitz gemeinsam mit GA General Assays ein besonders zuverlässiges Testkit.

In den beiden vergangenen Ausgaben der lausebande haben wir sehr ausführlich zuerst zu Viren und der aktuellen Coronavirus-Pandemie, dann auch rund ums Homeschooling informiert. In einem kleinen Update wollen wir fortlaufend Informationen zu aktuellen Entwicklungen und begleitenden Themen geben. Wir haben uns dabei immer an Sachlichkeit und Relevanz für Familien orientiert, weshalb es hier auch diesmal nicht um Spekulationen und Effekthascherei und den in vielen Medien üblichen Corona-Hype geht. In dieser Ausgabe schauen wir kurz auf aktuelle Ergebnisse der Wissenschaft – hier gibt es tatsächlich wenig Neues – und belichten eine gerade in der zweiten Maihälfte erschienene Wissenschafts-Studie zum „Kindsein in Corona-Zeiten“ in einem Interview mit der Leiterin dieser Studie genauer. Auf Inhalte sogenannter „Hygiene-Demos“ und vieler bewusst platzierter Unwahrheiten wollen wir hier nicht eingehen. Gern können Sie sich mit Hinweisen und Fragen (siehe Ende des Beitrags) beteiligen. Der Wissensstand entspricht dem Redaktionsschluss zum 22. Mai 2020.

Aktuelle Entwicklungen

Trotz der anhaltenden Informationsflut und unzähligen Schlagzeilen ist eines in Sachen SARS-CoV-2 (Virus) und Covid-19 (Erkrankung) nach wie vor wichtig: Wir wissen noch recht wenig über das Virus und die von ihm verursachte Krankheit. Nach wie vor erscheint eine Flut an wissenschaftlichen Arbeiten, die selbst Experten kaum überblicken können. Wer sich auf dem Laufenden halten möchte, dem seien zwei Informationsquellen empfohlen:

Täglicher Lagebericht des RKI: Wer nach „Täglicher Lagebericht RKI“ googelt, landet im ersten Treffer direkt auf der Seite des Robert-Koch-Instituts, auf der jeden Tag ein aktualisierter Bericht mit rund 15 Seiten zur Verfügung steht. Er enthält neben aktuellen Zahlen und Grafiken viele Informationen und Verweise zu nationalen und internationalen Quellen. Infografiken veranschaulichen beispielsweise den zeitlichen Verlauf und die demografische Verteilung der Infektion und Sterbefälle in unserem Land. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen lag Ende Mai bei 81 Jahren.

NDR-Info-Podcast: Wer nach dem „Podcast Coronavirus-Update“ sucht, landet auf der entsprechenden Webseite von NDR Info. Zum Redaktionsschluss waren 42 Folgen online, derzeit folgen je Woche zwei weitere Podcasts (immer Di. und Do.). Der Virologe Christian Drosten gibt sehr anschauliche Einblicke in den Stand der Wissenschaft zu SARS-CoV-2 und erklärt viele Zusammenhänge sehr verständlich. Wer regelmäßig zuhört, erhält einen Erkenntnisgewinn weit über die aktuelle Pandemie hinaus.

Zur Übertragung

Eine Tendenz bei der Übertragung hat sich durch veröffentlichte Arbeiten im Mai weiter bestätigt. In zwei amerikanischen Studien wurden Fälle zu Superspreadern untersucht. Als Superspreader bezeichnet man in der Epidemiologie infizierte Personen, die mehrere Dutzend andere Menschen in einem Zusammenhang anstecken. Das ist im März in den USA innerhalb einer Chorgruppe geschehen, dort steckte ein Teilnehmer gleich 53 der 61 anwesenden Chorteilnehmer an. Die Chorgruppe hielt sich strikt an die schon damals geltenden, Corona-bedingten Sicherheitsvorkehrungen wie Sicherheitsabstand, Desinfektion und Verzicht auf herzliche Begrüßung. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in der Berliner Domkantonei: Hier wurden mehr als 30 der 80 Chorteilnehmer trotz Einhaltung der wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen von einer Person infiziert.

Viele wissenschaftliche Institute sehen für das aktuelle Coronavirus als sicher an, dass es neben ausgestoßenen Lufttröpfchen wie beim Niesen und Husten auch durch sogenannte Aerosole übertragen wird. Sie entstehen schon beim einfachen Sprechen oder Ausatmen. Die Partikel in dieser unsichtbaren Gaswolke sind besonders klein – ihr Durchmesser beträgt unter 5 Tausendstel Millimeter. Sie sind sehr leicht und stehen so längere Zeit in der Luft, bis zu 2 bis 3 Stunden. An frischer Luft werden sie verweht und verdünnt, in geschlossenen Räumen können sie bei längerem gemeinsamem Aufenthalt hingegen andere Personen infizieren. Verbunden mit der Ansteckung bereits vor Symptombeginn ist die mögliche Infektion über diese ausgeatmeten Aerosole eine weitere Besonderheit des Virus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Kontaktinfektionen (alt: Schmierinfektionen) nicht einmal 10 % des Infektionsgeschehens bei SARS-CoV-2 ausmachen, dies auch nur bei intensiven und andauernden gemeinsamen Kontakten auf engem Raum etwa im Arbeits- oder Haushaltsumfeld – und die 90 % bzw. mehr zu gleichen Teilen auf Tröpfcheninfektion oder Aerosole zurückzuführen sind. Eine Erkenntnis, die weiterhin mit Konsequenzen für Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen verbunden sein kann.

Zur Selbstdiagnose

Antikörpertests gewannen in letzter Zeit eine zunehmende Bedeutung – sie können Aufschluss darüber geben, wie groß der Anteil in der Bevölkerung ist, der die Erkrankung bereits durchlaufen und überstanden hat. Wer eine Infektion durchgemacht hat, dessen Immunsystem entwickelt eine Abwehr zum einen durch Antikörper, zum anderen auf Ebene der Zelle. Antikörper schützen bei einem erneuten Viruskontakt vor einer weiteren Erkrankung und sorgen dadurch für eine vorübergehende Immunität. Dabei gibt es verschiedene Arten von Antikörpern, die geraume Zeit nach einer Infektion einfach nachgewiesen werden können. Viele Apotheken bieten mittlerweile Antikörpertests an, die ähnlich wie Schwangerschaftstests funktionieren. Nutzer können ihr Blut so selbst auf Antikörper testen. Ein Großteil der Wissenschaftler rät von solchen einfachen, selbst durchführbaren Schnelltests jedoch ab. Statt einer vorhergegangen SARS-Cov-2-Infektion detektieren diese teilweise lediglich eine Erkrankung an einem von vielen möglichen Coronavirus-Stämmen wie den vier Corona-Erkältungsviren. Diese sind bei uns schon seit Jahren verbreitet und haben grundsätzlich wenig mit dem aktuellen SARS-CoV-2 zu tun.

Übrigens: Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg haben in Zusammenarbeit mit dem Biotechnikunternehmen GA Generic Assays einen zuverlässigen Antikörpertest für Labore entwickelt, der auf alle drei Antikörperklassen testet und somit eine hohe Zuverlässigkeit bietet. In Krankenhäusern und Laboren ist das Testsystem bereits zugelassen. Wer begründeten Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus hat, muss nach wie vor seinen Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktieren.

Zur Behandlung

Kurz vor dem Redaktionsschluss dieser Ausgabe stand das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelte Medikament „Remdesivir“ vor der Zulassung in Europa. Studien in China und den USA hatten gezeigt, dass das Medikament vor allem die schweren Krankheitsverläufe abmildern und den Krankenhausaufenthalt von Covid-19-Patienten verkürzen kann. In den USA ist das Medikament bereits im Einsatz. Es handelt sich dennoch nicht um ein Medikament mit heilender Wirkung und es hilft nicht in jedem Fall, nach wie vor gibt es keine verlässliche medikamentöse Therapie gegen das neue Coronavirus.
Ein Impfstoff ist nach wie vor in weiter Ferne. In den USA hat ein Impfstoff bereits die erste klinische Erprobung an einer kleinen Patientengruppe (rund 50 Personen) erfolgreich überstanden und geht nun bereits in die zweite Stufe. Dennoch rechnen Experten aufgrund des aufwändigen Zulassungsverfahrens und der folgenden Produktion weiterhin mit einem Impfstoff frühestens im kommenden Frühjahr. Der Leiter der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) spricht davon, dass eine Impfstoffzulassung „bestenfalls in diesem Jahr“ möglich sei. Nach Zulassung muss dann aber auch die Massenproduktion erfolgen.