Das kleine Corona-Update (Stand: 22. Mai 2020)

Datum: Mittwoch, 27. Mai 2020 07:01


Wochenlange Isolation verursacht soziale Probleme für Kinder. Darauf machten Mitte Mai auch Lausitzer Eltern aufmerksam, indem sie hunderte Paar Kinderschuhe vor den Rathäusern in Cottbus, Guben, Peitz, Drebkau und Spremberg platzieren.

Zu Kindern

Zum Monatswechsel April/Mai erschienen erste stichhaltige Studien zu Kindern. Über Kinder liegen allerdings nach wie vor nicht viele Daten vor. Das hat zwei Gründe: Zum einen wurde durch die Kita- und Schulschließungen in fast allen Ländern das Infektionsgeschehen aus Kindergruppen ferngehalten. Der komplett fehlende Kontakt unterbricht auch übliche Infektionswege. Insofern kann es global kaum Daten über den normalen Verlauf eines Infektionsgeschehens bei Kindern geben. Zum anderen werden Eltern eher Abstand davon nehmen, bei Verdacht auf eine Ansteckung im Haushalt ihre Kinder mit zu Testzentren zu nehmen, in denen sie ja auch eine Ansteckungsgefahr vermuten können. Zudem erkranken Kinder nach wie vor kaum an dem Virus und wenn, dann mit deutlich weniger Symptomen – und Tests erfolgen meist symptombezogen. Lediglich Schweden, das seine Schulen und Kitas nie geschlossen hat, könnte hier interessante Erkenntnisse liefern – hier scheinen aber noch keine Studien mit Kindern veröffentlicht zu sein. Insofern ist es nach wie vor noch unklar, warum Kinder so wenig betroffen sind. Zwei Dinge lassen erste Studien aber vermuten: Zum einen wurden Kinder auf ihre Viruslast, also die Menge an Virus nach einer Infektion im Rachen, getestet – hier wurde im Vergleich zu infizierten Erwachsenen kein signifikanter Unterschied festgestellt. Es könnte also gut sein, dass Kinder im Falle einer Ansteckung genauso infektiös wie Erwachsene sind. Eine weitere Studie untersuchte, ob sie für das Virus genauso empfänglich wie Erwachsene sind, sich also genauso schnell anstecken können. Hier wurde festgestellt, dass Kinder von 0 bis 14 Jahren nur ein Drittel so stark empfänglich für das aktuelle Coronavirus sind wie Erwachsene. Das ist eine gute Nachricht, die natürlich abhängig vom Lebensumfeld der Kinder zu betrachten ist. Wenn Kinder in ihrem Umfeld drei Mal so viele intensive Kontakte zu anderen Personen, z.B. in der Kitagruppe, Schule, im Verein etc. haben, dann könnte dieser Minderungseffekt durch eine höhere Kontakthäufigkeit im Vergleich zu Erwachsenen aufgehoben werden. In Haushalten, also zu Hause in der Familie, hat eine weitere Studie wiederum keinen Unterschied beim Infektionsgeschehen zwischen Erwachsenen und Kindern gezeigt. Hier liegt die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung nach wie vor bei 12 bis 15 %. Warum genau sie relativ gering ist, scheint derzeit noch unklar.

Wissenschaftler haben auf diesen Grundlagen den Nutzen von Kita- und Schulschließungen zum Beginn einer Pandemie mit dem neuen Coronavirus berechnet. Wenn man Schulen sowie Kitas schließt und nachmittägliche Kontakte von Kindern und Jugendlichen (AG, Verein) unterbindet, aber alles andere in der Gesellschaft im üblichen Zustand belässt, wäre die Belastung insgesamt um rund ein Drittel geringer – das allein würde einen Ausbruch also nicht stoppen.

Eine weitere Nachricht zu Kindern wurde im Mai von Medien unnötig aufgebauscht. Bei der klinischen Behandlung mit dem Coronavirus infizierter bzw. erkrankter Kinder wurde in Italien vermehrt das sogenannte „Kawasaki-Syndrom“ festgestellt. Dabei handelt es sich um eine Gefäßentzündung der kleinen und mittleren Arterien. Das mag schlimm klingen, ist es aber in der Regel nicht. Das Syndrom ist bestens therapierbar und fast ausnahmslos ohne Schädigungen heilbar. Vor allem konnte aber nie ein Zusammenhang mit dem Coronavirus bestätigt werden – hier zählte in den Medien einmal mehr die Aufregung und Quote. Für Schwangere gibt es nach wie vor keinerlei Grund zur Sorge: Im Gegensatz zur Influenza (landläufig Grippe), bei der Schwangere zur besonderen Risikogruppe zählen, ist das beim Coronavirus nicht der Fall.

Wer sich ausführlich zu Kindern und dem Virus informieren möchte, dem seien einige Folgen des Corona-Update Podcasts mit Prof. Drosten empfohlen, die z.B. folgende Fragen beantworten:

Welche Rolle spielen Kinder bei Infektionen und Ansteckungen? Folgen 19, 33, 36
Sind Kinder womöglich weniger empfänglich für das Virus? Folgen 1, 37
Kinder mit Coronavirus-Infektion haben ein ähnliches Krankheitsbild wie das Kawasaki-Syndrom? Folge 41
Sind Schwangere und Neugeborene betroffen und gefährdet? Folge 1, 6, 37

Kindsein und Elternsein in Corona-Zeiten

Inzwischen widmen sich diverse Studien den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Familien, Eltern und auch die Wirtschaft. Auch an unserer Lausitzer Hochschule beschäftigten sich Wissenschaftler z.B. mit der häuslichen Gewalt und der Wirtschaft im Lockdown. Einen blinden Fleck stellten bei all diesen Betrachtungen bislang Kinder dar, die durch eine komplette Veränderung ihres sozialen Umfelds und den Entzug sowohl von Freunden als auch von Bezugspersonen in Kita, Schule und Verein vom Lockdown im Grunde mit am stärksten betroffen waren und von den Einschränkungen noch immer betroffen sind. Eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts nimmt sich nun der Sicht der Kinder an und sie hat bereits erste Ergebnisse veröffentlicht. Dazu haben wir im Anschluss ein ausführliches Interview mit der Studienleiterin, Dr. Alexandra Langmeyer, geführt.

In der kommenden Ausgabe der lausebande werden wir im Coronavirus-Update einen Blick auf die Vermutungen zu einer zweiten Pandemie-Welle im Herbst oder Winter werfen und einmal gründlich das kursierende Verschwörungskauderwelsch unter die Lupe nehmen, dass von einer Weltregierung bis zur Zwangsimpfung mit Chips reicht. Natürlich schauen wir auch dann, was es an aktuellen Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem im Familienkontext Neues zu sagen gibt. Interessierten sei das Corona-Spezial unter www.lausebande.de empfohlen, das mittlerweile einige interessante Beiträge versammelt – ebenso wie Speziale zum Thema Homeschooling und Familienurlaub in Corona-Zeiten, die nach wie vor aktuell sind und viel Rat und gute Ideen beinhalten.


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