Das kleine Corona-Update (Stand: 21. Januar 2021)

Datum: Dienstag, 26. Januar 2021 15:31


Grafik: designed by wirestock / freepik

Eingangs wie schon in der Vorausgabe der grundsätzliche Hinweis, dass wir uns in unserem kleinen Corona-Update nicht dem Informationschaos mit allerlei Vermutungen und Bewertungen im bundesweiten Mediengeschehen anschließen und auch nicht mit alarmierenden Nachrichten Aufmerksamkeit heischen wollen. Ebenso handelt es sich in der Serie nicht um wissenschaftliche Beiträge – vielmehr erhalten Eltern hier einen hoffentlich relevanten, in jedem Fall aber wertfreien und möglichst fundierten Überblick zu den unseres Erachtens wichtigsten aktuellen Entwicklungen. Mit der Auslese aus dem Meer an Informationen lagen wir bislang immer sehr gut, sicher auch, weil wir uns von der nach wie vor tosenden Medienflut nicht ablenken lassen und weiter auf die gleichen seriösen Quellen vertrauen, die wir seit einem dreiviertel Jahr immer wieder empfehlen und die am Ende des Beitrags noch einmal aufgeführt sind. Diesmal widmen wir uns den Themen:

  • Einfach mal locker machen!
  • Mutanten und Mutationen
  • Impfen samt Reihenfolge, Struktur und Impfraten
  • Regelungen zur Kontaktbeschränkung
  • Kinder und die Pandemie
  • Regionale Vernunft: von anderen lernen


Alle Informationen haben den Stand unseres Redaktionsschlusses (21. Januar 2021).

Einfach mal locker machen!

Die Pandemie mag uns extrem fordern und erschöpfen – aber es ist echt an der Zeit, einmal das Medienwirrwarr stummzuschalten, einen Schritt zurückzutreten und sich den Gesamtverlauf mit etwas Abstand anzuschauen. Wow, ist das beeindruckend! In nicht einmal einem Jahr hat die Menschheit Impfstoffe entwickelt, für die es zuvor mindestens sieben, meist 15 und mehr Jahre brauchte. Fast 250 Projekte zur Entwicklung von Impfstoffen laufen weltweit, der dritte Impfstoff könnte zum Erscheinen dieses Magazins Ende Januar in der EU schon zugelassen sein. Drei Wochen nach Jahresstart haben schon 1,3 Mio. Menschen in Deutschland die erste Impfdosis erhalten. Die Weltgemeinschaft der Wissenschaftler hat im beeindruckenden Miteinander einen Erkenntnisgewinn erzeugt, an dem wir Laien erstmals unmittelbar teilhaben konnten. Nie war Wissenschaft so verflochten mit unserem Lebensalltag nachvollziehbar und so spannend – und es beruhigt zu sehen, wozu die Menschheit insgesamt in der Lage ist, wie in einem gemeinsamen Kraftakt einer Pandemie begegnet wird und es nirgends zu Chaos und Aufständen wie in jenen Hollywood-Blockbustern zu Virenpandemien kommt. Von ein paar querdenkenden Idioten einmal abgesehen. Unsere Wirtschaft ist nicht zusammengebrochen, unsere Kinder zählen nicht zu den Sterbefällen – und wir wissen jetzt recht sicher, dass wir die Pandemie in vielen Ländern bis zum Jahresende im Griff haben werden. Wir wissen ebenso, dass wir uns auf einen Sommer mit einer leicht gebremsten, aber schon neuen Normalität freuen dürfen. Wir haben im höher, schneller, weiter unserer Leistungs- und Wachstumsgesellschaft einmal etwas Demut vor dem Leben und unserer Umwelt erfahren. Wir sollten uns endlich mal locker machen und bei allen persönlichen Befindlichkeiten und Problemen anerkennen, dass wir Zeugen einer erstaunlichen Phase sind, aus der wir insgesamt auch viel Zuversicht gewinnen können. Das ist kein plattes „Wir schaffen das“ oder „Alles wird gut“. Es ist vielmehr Stolz auf ein großes Ganzes, das wir nach unseren Möglichkeiten ja auch mittragen können.

Mutanten und Mutationen

Es ist in der Pandemie das Thema schlechthin seit dem Jahreswechsel: Medien überschlagen sich zur Gefahr von Mutationen des pandemischen Coronavirus – die andauernden Schlagzeilen über Mutanten machen Angst und damit auch Quote. Dabei handelt es sich um einen völlig normalen Prozess, der Experten in keiner Weise überrascht. Um zu verstehen, was da eigentlich passiert, eignet sich ein stark vereinfachtes Bild zur Vermehrung der Viren. Viren haben selbst keinen Stoffwechsel und können sich deshalb nicht selbst vermehren, sie benötigen einen Wirt bzw. die Zelle eines Wirts, die die Baustoffe für das Virus enthält. An diese Zellen – im Falle der aktuellen Pandemie sind es die menschlichen Zellen zuerst im Rachentrakt und später in der Lunge – docken die Viren und schleusen in die Zelle ihre Erbinformation ein. Man kann sich das wie einen Bauplan, besser noch wie eine Beschreibung des Virus in einem Buch vorstellen. Diese wird nun fleißig abgeschrieben und damit das Virus vermehrt. Dabei passieren beständig Fehler: Mal wird ein Punkt oder Komma vergessen, mal ein Buchstabe oder Wort, mal ein ganzer Absatz, mal werden Buchstaben vertauscht. Unterschiedliche Viren haben am Ende unterschiedliche Kontrollfunktionen, die das Abgeschriebene noch einmal auf Fehler überprüfen. Bei der Influenza sind diese sehr schwach ausgeprägt, weshalb diese von Jahr zu Jahr stärker mutiert. Bei SARS-CoV-2 verhält sich das anders. Hier ist die abschließende Kontrollfunktion stärker ausgeprägt. Natürlich entgehen auch dieser viele Fehler, aber insgesamt schleichen sich weniger Fehler ein und das Virus bleibt somit stabiler.

Ob Influenza oder Corona: Diese Mutationen passieren bei Viren ständig, sie sind quasi ein natürlicher Prozess und bei einem relativ stabilen Virus kurzfristig meist ohne große Bedeutung. Sie werden in der Wissenschaft durch die Bestimmung der Viren in Laboren, der sogenannten Sequenzierung, bei der man quasi den Bauplan des jeweils in einer Region oder einem Land zirkulierenden Virus ausliest, beobachtet. Mutationen wie in den aktuell diskutierten Fällen sind dann von Bedeutung, wenn sie über einen Vorteil gegenüber dem ursprünglichen Typ verfügen, der meist auch als „Wildtyp“ bezeichnet wird. Bei den „erfolgreichen“ Veränderungen handelt es sich meist um zwei Ausprägungen, die sich auch in unterschiedlichen Anteilen mischen können:

Anpassung an den Wirt: Hier erlangt das Virus durch eine oder mehrere Mutationen Fähigkeiten, den Wirt besser zur Vermehrung nutzen zu können. Es wird also ansteckender, z.B. wie bei der englischen Mutation (in vielen Medien ist von Corona-Mutante B 1.1.7. die Rede, das klingt technisch und gefährlich), bei der das veränderte Virus besser an die menschlichen Zellen andocken kann.

Ausweichen vor der Immunabwehr: Hier verändert sich das Virus unter dem Druck einer zunehmenden Immunität, wie sie z.B. in Slums und Ghettos asiatischer, afrikanischer oder lateinamerikanischer Metropolen mit hoher Bevölkerungsdichte und schlechten Hygienebedingungen vorliegt, die das Virus bereits fast ungebremst durchzogen hat. So haben die Veränderungen im Virus einen Vorteil, die der zunehmenden Immunität besser ausweichen können. Ein Beispiel dafür ist die aktuell diskutierte Variante aus Südafrika.

Sämtliche Veränderungen bzw. Mutationen entstehen zufällig und andauernd. Das Virus kann auch auf Tiere überspringen, sich in den Tieren verändern und dann mit diesen Veränderungen wieder zum Menschen zurückkehren. Hat eine Veränderung einen enormen Vorteil, kann sie sich gegenüber dem ursprünglichen Typ besser vermehren und gewinnt so nach und nach die Oberhand. Auch das ist ein Prozess, der lokal begrenzt oder an vielen Orten in ähnlicher Weise ablaufen kann. Unterm Strich machen sich Experten immer mehr Sorgen um jene Mutationen, die der Immunabwehr stärker ausweichen, weil dies auf lange Sicht auch eine Anpassung der Impfstoffe erfordern kann – aber auch das ist heute binnen weniger Wochen möglich.

Mitte Januar wurde das Spiel mit Ängsten rund um Mutationen besonders deutlich, als sich durch alle Medien die Meldung zog, in einem Krankenhaus in Garmisch-Partenkirchen sei eine unbekannte Virusmutation entdeckt worden. Selbst ARD und ZDF, die gesamte Tagespresse brachte die Schlagzeile. In der Realität war das eine Luftnummer, eine belanglose Veränderung im Virus, wie sie jederzeit stattfindet. Auch bei der englischen Mutation titelten die Medien von einer bis zu 70 % ansteckenderen Variante – dabei wurde natürlich die Obergrenze einer ersten vorsichtigen Einschätzung propagiert. Inzwischen ordnet eine erste belastbare Studie die verstärkte Ansteckung bei 25 % oder etwas darüber ein. Für die Pandemie insgesamt ist das trotzdem bedeutend, da Infektionen hier potenziell zunehmen. Insofern sind die Mutationen zwar alles andere als harmlos, man kann ihnen aber mit Vernunft und Strategie entweder durch vernünftige Maßnahmen oder Anpassung der Impfstoffe begegnen. Langfristig sind die Mutationen sogar wünschenswert, da sie das Virus zu seiner bestmöglichen Verbreitung in der Regel stärker an den Wirt anpassen und es insgesamt für uns harmloser machen. Experten sind sich bereits sicher, dass SARS-CoV-2 nach der Pandemie als sogenanntes endemisches Virus bleiben und langfristig wie die bereits kursierenden Coronaviren für Erkältungen, Schnupfen & Co. sorgen wird. Ansonsten wird spannend bleiben, welchen Aufreger die Medien als nächsten vermeintlichen Katastrophenanker für sich ausmachen.

Ärmel hoch – die Schutzimpfung

Auch zu diesem Thema reißt die Debatte in den Medien nicht ab und nicht selten wird das Gefühl vermittelt, vieles laufe schief. Die Realität zeigt einmal mehr, dass wir uns auch hier mal etwas locker machen sollten. Eine Pandemie ist ein Ausnahmezustand, den es ein ganzes Jahrhundert so nicht gab, da kann nicht jedes Land perfekt sein und wir müssen lernen, dass Deutschland aufgrund einiger Defizite nicht in jedem Bereich zur Weltspitze zählen kann. Zudem ist gerade die viel gescholtene Bestellung des Impfstoffs im Grunde eine seltene Sternstunde Europas. Dass hier nicht jedes Land egozentrisch zugeschlagen hat, sondern gemeinsam agiert und bestellt wurde, macht bei der Bekämpfung der Pandemie auch Sinn. Deutschlands Wirtschaft braucht die Nachbarn und eine neue Normalität wird es auch nur geben, wenn die Pandemie grenzüberschreitend im Griff ist. Insgesamt sieht es aber auch hier viel besser aus, als es die öffentliche Diskussion vermittelt:

Impfraten: Zum Redaktionsschluss (Daten vom 20. Januar soweit vorliegend) waren weltweit in etwa 55 Mio. Dosen verimpft. Deutschland lag mit rund 1,3 Mio. Dosen weltweit hinter den USA, China, Großbritannien, Israel, den Arabischen Emiraten und Russland auf Platz sieben und in der EU an erster Stelle. Einen recht guten globalen Überblick liefert der US-Mediendienst Bloomberg im Anschluss an den Überblick zu Impfungen in den USA (siehe QR-Code). In Deutschland hatten somit zum 20. Januar 1,25 Mio. Menschen eine Erstimpfung erhalten, etwas über 40.000 bereits die Zweitimpfung. Täglich lag die Kapazität in unserem Land bei über 70.000 Impfungen – und die Struktur der Impfzentren befindet sich erst im Aufbau, bislang wird nur mobil und in wenigen Zentren geimpft, Liefermengen der Impfstoffe werden im Frühjahr deutlich zunehmen. Auch wenn der Impfstart etwas holpern mag, stehen wir insgesamt gut da. Das Impfdashboard gibt hier einen tagesaktuellen Überblick.

Impfreihenfolge: Die Reihenfolge, in der Menschen in Deutschland eine Impfung erhalten, wurde von Experten in der Ständigen Impfkommission (STIKO) erarbeitet. Das hat sich kein Politiker ausgedacht. Geimpft wird nach Sterblichkeitsrisiko abnehmend, also jene mit dem höchsten Risiko zuerst. Insgesamt wurden fünf Risikoklassen eingestuft, die vorrangig geimpft werden, bevor alle übrigen Menschen unter 60 Jahren an die Reihe kommen. Aufsummiert umfassen diese fünf Risikogruppen 36,6 Mio. Menschen. Unterstellt man eine Impfbereitschaft von etwa 70 %, die sich abzeichnet, sind das immer noch rund 25 Mio. Menschen, die je zwei Impfdosen erhalten – also werden die ersten 50 Mio. Impfdosen in Deutschland allein diesen Risikogruppen zustehen. Das macht sicher klar, warum sich Familien bzw. Eltern freuen dürfen, wenn im Spätsommer oder Frühherbst tatsächlich ein Impfangebot erfolgen kann. Auch wenn bei den Bundesländern zum Start nicht alles rund läuft, so gibt es langfristig doch einen verlässlichen Rahmen.


Hinweis: Im Bild ist als Quelle das RKI angegeben. Das ist ein Fehler. Die korrekte Quelle ist die STIKO.

Impfreaktionen: Zum Redaktionsschluss lagen bereits erste belastbare Ergebnisse zu Impfreaktionen aus den USA vor. Bei knapp 1,9 Mio. Impfungen gab es insgesamt 21 Fälle mit Nebenwirkungen, die über erwartbare Impfreaktionen hinausgingen, allesamt aber behandelbar waren. Niemand starb. Berichte über Todesfälle infolge der Impfung sind bei Betrachtung der Impfreihenfolge völlig logisch: Wenn zuerst Millionen Menschen der höchsten Risikogruppe jenseits der 80 Jahre in vielen Ländern der Welt eine Impfung erhalten, sterben natürlich auch Menschen dieser Risikogruppe aufgrund ihres Alters oder anderer Erkrankungen. Im Zusammenhang mit Impf-skepsis werden oft unbekannte „Langzeitfolgen“ angeführt. Die Wissenschaft negiert das. Impfreaktionen, insbesondere schwere Impfreaktionen, treten in der Regel unmittelbar nach der Impfung auf. Bei den 21 in den USA beobachteten Fällen waren es im Durchschnitt 13 Minuten nach der Impfung. Meist handelt es sich um allergische Reaktionen. Inzwischen kommen z.B. im Falle Biontech zu den 40.000 Testpersonen der klinischen Studie bei der Impfstoffentwicklung Millionen weltweit geimpfte Personen hinzu – gäbe es tatsächlich ein erhöhtes Risiko, wäre das längst bekannt. Wie bei jeder medizinischen Indikation bleibt natürlich auch bei der Impfung immer ein Restrisiko einer stärkeren Impfreaktion oder eines extrem seltenen Impfschadens. Gerade in den Risikozielgruppen muss aber an Rechenschwäche oder Denkvermögen leiden, wer eine Impfung aus Risikogründen ablehnt: Dem aktuellen Sterberisiko von teils um oder über 10 % für Teile der Risikogruppen steht ein Risiko einer stärkeren Impfreaktion von etwa 0,002 % gegenüber, das Risiko eines Sterbefalls infolge der Impfung ist quasi Null.

Impfungen für Kinder und Jugendliche: Die Zulassung der aktuell verfügbaren Impfstoffe ermöglicht grundsätzlich eine Impfung aller Menschen ab 16 Jahren. Aktuell laufen erste Studien, in denen die richtige Impfdosis für Kinder ab 12 Jahren ermittelt werden soll. Im Laufe des Jahres dürften also auch Impfstoffe für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren verfügbar sein. Ob später für noch kleinere Kinder Impfstoffe überhaupt notwendig sind, ist fraglich. Sind etwa 60 bis 70 % der Bevölkerung geimpft, wird die Ausprägung der sogenannten Herdenimmunität erwartet. Zudem sind bei Kindern und Jugendlichen keine schweren Krankheitsverläufe mit Covid-19 zu befürchten, von einigen extrem seltenen Ausnahmen bei Kindern mit Vorerkrankungen oder sehr ungewöhnlichen Dispositionen abgesehen.

Entwicklung von Impfstoffen: Aktuell sind weltweit mindestens 248 Impfstoffprojekte angelaufen. Die Entwicklung erfolgt dabei immer in klaren Schritten: Einem Design eines möglichen Impfstoffs folgen zuerst Tierversuche und dann drei klinische Phasen, wobei sich die erste vor allem der Verträglichkeit und die zweite und dritte der Wirksamkeit widmen. Zuletzt kommt die Zulassung, die oft Ländersache ist, in der EU aber gemeinsam für alle EU-Staaten geregelt wird. Zwei Impfstoffe sind in der EU zugelassen, ein dritter steht kurz vor der Zulassung. Weltweit sind in bestimmten Ländern weitere Impfstoffe zugelassen. Zehn Impfstoffprojekte befinden sich in der letzten klinischen Studienphase und dürften sich demnächst auch um eine Zulassung bemühen, 18 weitere Projekte befinden sich bereits in der zweiten klinischen Phase, 29 in Phase eins. Im Laufe des Jahres könnten also durchaus ein paar Dutzend verschiedene Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 verfügbar sein. Die Skepsis zur Schnelligkeit der Entwicklung ist verständlich, brauchten Impfstoffe doch zuvor mindestens rund sieben Jahre bis zur Zulassung. Wer sich die Entwicklung anschaut, wird aber sehen, dass keine Abstriche gemacht wurden – teils ganz im Gegenteil. Bis zu 40.000 Menschen in der letzten klinischen Phase bei Biontech und zwei Monate Abstand von dieser bis zur Zulassung geben Sicherheit. Die Gründe für das Tempo liegen zum einen in immensen finanziellen Ressourcen, zum anderen im Rückgriff auf bereits vorliegende Ergebnisse und Projekte aus über 15 Jahren Forschung nach Ausbruch des nahen „Verwandten“ SARS-CoV-1 aus dem Jahr 2003, dem völlig neuen Ansatz der mRNA-Impfstoffe und der immensen Anzahl Infizierter in der laufenden Pandemie. Sie ermöglichten die schnelle Verfügbarkeit von Testpersonen und einen Abgleich der Wirksamkeit in den klinischen Phasen. Zudem wurden erstmals viele Prozesse parallel geplant, gingen Phasen teils überlappend ineinander über und wurden Berichte zu den Ergebnissen der Studien in einem rollenden Verfahren fortwährend mit den Zulassungsbehörden besprochen. Wo sonst ein Schritt mit geraumer Pause nach dem anderen erfolgt, lief es diesmal quasi wie im Zeitraffer. Beeindruckend!

Impfstoffe: Auch hier reißen Fake News in den sozialen Medien nicht ab, die meist Angst vor Genmanipulation machen. Ein kurzer und wiederum stark vereinfachter Einblick kann hier Sicherheit geben. Zuerst sollte man wissen, dass es grundsätzlich zwei Arten von Impfstoffen gibt:

Ein Lebend- oder Totimpfstoff schleust direkt Krankheitserreger oder Teile davon in den Körper ein, entweder als stark abgeschwächte oder inaktive bzw. abgetötete Erreger – samt einer für das Virus charakteristischen Fremdsubstanz, dem sogenannten Antigen. Das Immunsystem erkennt das Antigen, bildet Antikörper und speichert es in seinem Immungedächtnis ab.
Genbasierte Impfstoffe schleusen hingegen einen Bauplan bzw. eine Beschreibung des Antigens in den Körper ein, es wird dort quasi selbst hergestellt, dem Immunsystem gezeigt – das dann äquivalent zu den erstgenanten Impfstoffen wirkt. Zu den genbasierten Impfstoffen zählen die mRNA- und vektorbasierten Impfstoffe, die nun als erste die Zulassung erhalten haben oder kurz davor stehen. Sie sind sozusagen Wunderwerke der Technik. Man kann sich das so vorstellen, das man aus dem Buch, das die Beschreibung des Virus enthält, eine Seite herausgeschnitten hat, die man in den menschlichen Körper schleust und die dort den Bauplan bzw. die Beschreibung eines bestimmten Virusteils präsentiert. Im aktuellen Fall handelt es sich um den Greifarm, mit dem das Virus an die Zellen andockt, das Spike-Protein (auf den Bildern meist rot). Die Beschreibung dieses Virusteils wird dem Immunsystem präsentiert, das eine entsprechende Abwehr entwickelt.

Zwei Fakten können Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen: zum einen wird viel über das Eindringen der mRNA in unsere Gene und das Erbgut propagiert. Das menschliche Erbgut besteht ohnehin aus zahllosen Hinterlassenschaften von Viren, deren Funktion bis heute nicht völlig geklärt ist. Jede Pandemie und Endemie scheint Spuren zu hinterlassen, die uns vielleicht auch im Leben als Teil einer von Viren mitbestimmten Umwelt helfen. Auch wer ein Rindersteak medium rare genießt, nimmt mRNA zu sich, ohne sich in ein genmutiertes Rind zu verwandeln.

Ein weiteres Argument betrifft die fragliche Impfwirkung gegen das Spike-Protein, das bei aktuellen Veränderungen meist der von Mutation betroffene Bestandteil ist. Allein dieses Protein hat vereinfacht dargestellt eine Beschreibung von 1.200 Buchstaben, die dem Immunsystem weitgehend durch den Impfstoff bekannt ist. Man kann sich leicht vorstellen, dass Veränderungen an ganz wenigen Stellen, wie im Falle der üblichen Mutation, im Gesamttext kaum auffallen und die Immunität so das Große und Ganze klar erkennt. Insofern erwarten Experten, dass die Impfstoffe auch gut gegen bevorstehende Mutationen wirken. Eine starke Veränderung würde eher dann provoziert, wenn schon ein starker Impfschutz in der Bevölkerung vorliegt. Ein dann verändertes Virus würden die Wissenschaftler entsprechend auslesen und die neue Beschreibung des Greifarms quasi als neue mRNA in den Impfstoff implementieren. Bis Familien an der Reihe sind, wird es übrigens ganz sicher die Auswahl zwischen beiden Impfstoffformen geben.

Durchblick in der Kontaktbeschränkung

Ein Durchblick in den aktuellen Kontaktbeschränkungen wird nicht nur durch die unterschiedlichen Eindämmungsregeln der Länder erschwert, sondern vor allem durch Interpretationen und Berichte in den Medien rund um diese Entscheidungen. Inzwischen sind die Regeln in vielen Bereichen ausdefiniert. Da sich beständig Änderungen ergeben, verweisen wir hier auf aktuell gehaltene Quellen. Für Brandenburg findet man einen immer wieder aktualisierten, recht gut strukturierten Überblick bei rbb24, für Sachsen ein äquivalentes Angebot beim MDR. Detaillierter gibt es Einblicke auf den Seiten der Länder. Leider rettet das nicht vor Sonderfällen, die einzelne kreisfreie Städte oder Landkreise immer wieder gehen. Hier ist ratsam, bei hohem Infektionsgeschehen die Seiten der jeweiligen kreisfreien Stadt bzw. des Landkreises mit dem Zusatz „Corona“ zu googeln, inzwischen landet man dann allerorten auf der passenden Seite mit den aktuellen lokalen Bestimmungen.

Kinder und Pandemie

Die zuletzt auch in unserem Corona-Update dargestellten Erkenntnisse zur Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie bestätigen sich. Vor allem Jugendliche und Schulen tragen zur Verbreitung des Virus bei. Sowohl Kinder als auch Jugendliche infizieren sich und können das Virus weitergeben. Allerdings sind sie nicht von schweren Krankheitsverläufen betroffen. Von bislang rund 50.000 Sterbefällen an oder mit dem pandemischen Coronavirus in Deutschland sind nur 13 im Alter bis 19 Jahre, und hier ist in der Regel von anderen Ursachen auszugehen. Die Sterbefälle nach Altersgruppen sind übrigens immer dienstags im Lagebericht des RKI (einfach googeln) ausgewiesen.

Regionale Vernunft: von Anderen lernen

Es ist manchmal erstaunlich, wie wenig die Berichterstattung zur Pandemie die gelebte Realität im Blick hat. Es wird über Maßnahmen und Lockerungen diskutiert und über zu wenig Bewegung in den Infektionszahlen gestaunt, dabei kann man überall beobachten, warum das so ist. In Supermärkten trägt jeder Vierte seine Maske unter der Nase und signalisiert hirnbefreites Rebellentum. Menschen gänzlich ohne Maske sind in den Malls keine Seltenheit, in manchen Ladengeschäften gilt es sogar als schick. Schulen handhaben den Infektionsschutz teils extrem lax. Es gibt Beispiele, das in Sporthallen verbotener Sportunterricht von „pfiffigen“ Lehrern kurzerhand in den Flur der Schule verlagert wird, wo er ja nicht explizit untersagt wurde. Insgesamt ist die Mobilität der Deutschen mehr als doppelt so hoch wie im ersten Lockdown und der Anteil der Arbeitnehmer im Homeoffice nur halb so hoch. Inmitten des Winters und eines deutlich präsenteren Virus sind es also nicht die Maßnahmen, die zu wenig Wirkung entfalten, sondern die Vernunft. Sicher gibt es Defizite beim Schutz der Altenheime, aber getrieben werden die Zahlen bei den zu vielen Kontakten unterwegs und im Privaten. Insgesamt steht Deutschland mit seinem Schlängelkurs zwischen Wirtschaftsfreundlichkeit und Einschränkungen europaweit trotzdem nicht schlecht da, auch das sollten wir einmal anerkennen.
Ein gutes Beispiel, wie es evtl. besser geht, liefert Australien. Dort wurde den Regionen viel Eigenverantwortung übertragen, es entstand ein regelrechter Wettbewerb. Hier wäre eine andere, motivierende Form des Umgangs mit Zahlen vielleicht auch bei uns hilfreich. Wenn sich in einer Region mit den aktuell bestehenden Maßnahmen alle am Riemen reißen, lassen sich Infektionen in einer Generation des Virus laut Experten halbieren. Eine Generation entspricht bei der Inkubationszeit des Virus mit 5-7 Tagen nicht einmal einer Woche. So gerechnet, wäre man bei einer aktuellen Inzidenz um die 200 binnen zwei Wochen bei 50 und könnte binnen drei Wochen Werte erreichen, die fast schon einen Normalbetrieb zulassen. So könnten grüne Regionen entstehen, in denen die Bevölkerung aus Eigenverantwortung agiert – und so Vorbildwirkung für Nachbarn entwickelt, die ja auch Lockerungen wollen. Sicher ist das im dicht besiedelten und auch mit Nachbarländern stark vernetzten Deutschland nicht so einfach, aber eine Überlegung scheint es wert. Auf diesem Weg kann sich ja der ein oder andere die Karte auf der Nebenseite ausschneiden und laminieren – und beim nächsten Besuch im Supermarkt den Freiluftnasen auf charmante Weise die rote Karte zeigen.

Noch immer gilt: seriöse Information

Bei unseren Hinweisen zur richtigen Information bleiben wir bei den Empfehlungen der letzten Ausgaben, die wir hier und da allerdings mit nützlichen Hinweisen ergänzen:

  • Täglicher Lagebericht des RKI: Die beste, immer tagesaktuelle und umfangreichste Informationsquelle zur Pandemie! An bestimmten Tagen enthält der Lagebericht Zusatzinfos. Für Eltern besonders spannend ist immer die Dienstagsausgabe mit Fakten zu verschiedenen Altersgruppen.
  • Corona-KiTa-Studie: Die fortlaufende Studie wird etwa monatlich ausgewertet und gibt Einblicke ins Infektionsgeschehen und Maßnahmen bei Kitas. Einfach nach „Corona-Kita-Studie“ googeln.
  • Podcasts: Das „Coronavirus-Update“ von NDR-Info erscheint einmal pro Woche, immer am Dienstag. Dabei wechselt sich Virologe Christian Drosten mit seiner Kollegin Sandra Ciesek ab. Hier gibt es sehr ausführliche Einblicke in den aktuellen Stand der Wissenschaft. Der „Corona-Kompass“ mit Prof. Kekule beim MDR erscheint drei Mal je Woche am Dienstag, Donnerstag und Samstag.
  • Impfstoff: Das Impfgeschehen in Deutschland kann man unter www.impfdashboard.de tagesaktuell verfolgen. Die Empfehlungen der STIKO werden ausführlich auf dem RKI-Portal im Bereich Impfen erläutert. Unter www.vfa.de, der Webseite der forschenden deutschen Pharma-Unternehmen, gibt es einen Extra-Bereich rund um Covid-19, samt Podcast und Infos zu weltweiten Entwicklungen. Auf der internationalen Plattform www.covidvax.org sind unter „Full List“ alle weltweit durchgeführten Impfprojekte zu sehen.