Das kleine Corona Update (Stand: 24. März 2021)

Datum: Donnerstag, 01. April 2021 11:18

Wie zuletzt halten wir das Update kurz. Tatsächlich gibt es aus der Wissenschaft kaum wesentliche neue Erkenntnisse zum Coronavirus, die man verständlich übermitteln sollte. An der allgemeinen Debatte um Einschränkungen und Maßnahmen wollen wir uns nach wie vor nicht beteiligen. Dafür schauen wir auf den anschließenden Seiten einmal genauer auf die Situation der Kinder und Eltern – und das ganz bewusst auch mit Betonung bildungsstarker Familienhaushalte. Erkenntnisse daraus verbinden wir mit einem dringenden Hinweis, wie Wissenschaft und Politik jetzt tatsächlich Vorsorge für unsere Kinder und Familien treffen können und warum es jetzt an der Zeit ist, schnellstens eine Strategie für jene Zeit zu entwickeln, in der eine ausreichend hohe Impfquote den Weg aus der Pandemie bahnt und die sogenannte „neue Normalität“ beginnen soll.

Impfungen & Wirrungen

Wie katastrophal sich die hier wiederholt kritisierte Erregungskultur der deutschen Tagesmedien auf die Pandemie auswirkt, hat erneut das mediale Dilemma um den Impfstoff AstraZeneca bewiesen. Bereits bei dessen Zulassung, die aufgrund fehlender Studienergebnisse mit älteren Testpersonen in Deutschland für über 65-Jährige nicht empfohlen wurde, überschlug sich die mediale Debatte. Inzwischen ist nach etlichen Millionen Impfungen älterer Zielgruppen u.a. in England klar, dass der Impfstoff gerade bei Älteren viel besser als erwartet funktioniert. Parallel wurde über Auswirkungen aufs Erbgut diskutiert, die rein theoretischer Natur sind. Und dann folgte im März die nächste vermeintliche Katastrophe rund um die Hirnvenenthrombose. Natürlich kann es richtig sein, Untersuchungen abzuwarten und die Impfung auszusetzen – und natürlich kann man solche äußerst seltenen Nebenwirkungen erst im Fall einer Massenimpfung ermitteln, all das hat aber nichts mit einer „übereilten“ Zulassung zu tun. Die sogenannte „Phase 4“-Überprüfung von Impfstoffen zur Feststellung sehr seltener Nebenwirkungen kann nur in der Massenanwendung nach der Zulassung erfolgen. Nun dominieren Schlagzeilen und Angstmache aber leider einmal mehr die sachliche Information: Dabei bleibt das Risiko extrem selten und ist selbst in der betroffenen Risikogruppe um ein Vielfaches geringer, als es die laufende Coronavirus-Pandemie und eine Erkrankung bedeuten kann. Die Ursachen der seltenen Thrombose wurden umgehend von einem Forscherteam in Greifswald ermittelt, es bestätigt die extreme Seltenheit. Da bei Frauen im Alter von 20-55 Jahren, vor allem wenn sie die Anti-Baby-Pille nehmen, dieses extrem seltene Risiko eher gegeben ist, empfiehlt sich hier eine Risikoabwägung. In Frankreich erhalten Frauen mittleren Alters deshalb einen anderen Impfstoff. Aber man kann die Hirnvenenthrombose auch rechtzeitig diagnostizieren und therapieren. Frauen sollten Acht geben, wenn sie über den dritten Tag nach der Impfung hinaus Kopfschmerzen haben und insbesondere der Augenwinkel, die Sicht beeinträchtigt sind. Frauen, die es genauer wissen wollen, sei Folge 81 des NDR Coronavirus Update vom 23. März mit Prof. Sandra Ciesek empfohlen, der das Thema ausführlich behandelt. Wer mit Risikogruppen verkehrt, in weniger kontaktarmen Tätigkeiten arbeiten muss, der leidet einfach an einer falschen Risikowahrnehmung, wenn er sich gegen eine Impfung entscheidet – übrigens egal mit welchem Impfstoff. AstraZeneca bleibt ein hochwirksamer, guter Impfstoff und wird mit Blick auf aktuell zugelassene Impfstoffe und avisierte Liefermengen rund ein Drittel (!) der Impfungen ausmachen, die uns schnellstmöglich den Weg aus der Pandemie bereiten. Ohne AstraZeneca wird es in diesem Jahr kaum einen Weg aus der Pandemie geben.

Schaut man sich Fakten zum Impfen an, kann man auch die dauerhaften Negativschlagzeilen zur Impfstrategie in Deutschland nicht verstehen. Natürlich machen es andere Länder hier und da besser. Insgesamt gehört Deutschland bei der Anzahl verimpfter Dosen aber nach wie vor zu den Top 10 weltweit, mit über 11 Mio. verimpften Dosen war es zum Redaktionsschluss am 23. März der 6. Platz – auch wenn die Impfquote im internationalen Vergleich weniger berauschend ist und man hier Mitte März zwischen Platz 30 und 40 rangierte. Dabei finden sich allerdings viele kaum vergleichbare, kleine Volkswirtschaften auf den Plätzen davor. Und sicher sind wir in Deutschland etwas verkopft und wollen immer perfekt sein – im zweiten Quartal 2021 wird sich das aber auch mit einer immensen Zunahme der Impfungen bemerkbar machen, allein im April sollen 15 Mio. Dosen verimpft werden. Vor einem Jahr wurden Impfstoffe von Experten frühestens für den Sommer 2021 erwartet, nun haben wir die Chance, bereits im Sommer eine Herdenimmunität zu erreichen. Man kann auch motivieren und das Positive berichten.

Das Ausbleiben saisonaler Effekte

Vor allem mit Blick auf die ansteckendere, britische Virusmutante wird die Impfbereitschaft umso wichtiger. Ende März war bereits ein Dreiviertel der diagnostizierten Ansteckungen in Deutschland auf die sogenannte B.1.1.7.-Variante zurückzuführen, die nach aktuellen Studien um etwas 30-40% ansteckender ist und leider auch die Wahrscheinlichkeit schwerer Krankheitsverläufe erhöht. Vor allem die erhöhte Verbreitung dürfte den erwarteten saisonalen Effekt zum Beginn der warmen Jahreszeit zunichte machen. Zum einen ist – völlig anders als im vergangenen Frühjahr – das Virus inzwischen diffus verbreitet, zum anderen ist es nun ansteckender. Modellierungen, die bereits den Anstieg der Inzidenzen im März gezeigt haben, bestätigen das Ausbleiben des saisonalen Effekts. Das sind keine negativen Schlagzeilen, sondern sachliche Informationen, an denen wir unser Verhalten ausrichten können. Und das bedeutet, bis zum Sommer weiterhin Mobilität und Kontakte einzuschränken, sich nach Möglichkeit als Familie mit befreundeten Familien und Kids in einer sozialen Blase zu bewegen.

Von Treibern und Getriebenen

Mit dieser Entwicklung ist natürlich ein Rückschlag für verschiedene gesellschaftliche Bereiche verbunden – und schon jetzt sind Debatten absehbar, in denen sich niemand als Treiber der Pandemie sieht. Das Wort „Treiber“ sollte zum Unwort des Jahres erklärt werden. Längst belegen Wissenschaft und Studien, dass Mobilität in jedweder Form die Pandemie treibt. Ob Reisen, Kita- und Schulöffnungen, Veranstaltungen – sobald sich Menschen mehr bewegen und Kontakte zunehmen, erhöht sich auch das Ansteckungsrisiko. Insofern ist es eine Frage der Prioritäten, wo die Gesellschaft etwas zulässt und wo nicht. Eine Öffnung von Kitas und Schulen ist nur mit Einschränkungen der Mobilität an anderer Stelle zu erkaufen. In diesem Sinne ist (Massenveranstaltungen als klare Treiber einmal ausgenommen) je nach Sichtweise kein Bereich Treiber der Pandemie oder alle sind es zugleich. Leider rutscht die Diskussion darum ebenso wie um Impfungen immer stärker ins Politische und den Wahlkampf ab. Brandenburg lieferte das beste Beispiel, indem das CDU-geführte Innenministerium dem von Grünen geführten Gesundheitsministerium die Verantwortung für die Impfkampagne abnahm.

Auf Kinder Acht geben

Kinder sind nach wie vor nicht von schweren Krankheitsverläufen an Covid-19 betroffen. In seltenen Fällen können jedoch nach aktuellen Erkenntnissen vier bis sechs Wochen nach einer Infektion, auch wenn diese unbemerkt und symptomlos verlief, bleibendes hohes Fieber und dauerhafte Bauchschmerzen auftreten. Dabei kann es sich um das sehr seltene „PIMS“-Syndrom handeln und eine schnelle Therapie im Krankenhaus ist sehr wichtig. Hier sollten Eltern einfach Acht geben und bei den genannten Symptomen rechtzeitig eine Klinik aufsuchen. Ausführliche Infos dazu bietet ebenso die Folge 81 des NDR Coronavirus Update vom 23. März.

Eine Richtigstellung

Auf einen Leserhinweis müssen wir abschließend noch eine Darstellung aus dem Update unserer Februarausgabe richtigstellen. Wie oft geschrieben, sind wir keine Fachleute und bemühen uns lediglich, Familien verständliche Hinweise und im medialen Gewirr etwas Orientierung zu geben. In diesem Zusammenhang hatten wir auch rund um Virusmutationen vereinfacht. Richtig ist nach wie vor, dass diese Mutationen erwartbar waren und nach wie vor beständig passieren. Beim „Abschreiben“ der vom Virus in die menschliche Zelle eingeschleusten Baupläne passieren unentwegt Fehler – man spricht bei den entstehenden Varianten von Mutationen. Verschafft eine solche Veränderung dem Virus Vorteile und kann es sich durch (aus Sicht des Virus) günstige Umstände wie seinerzeit in England schneller verbreiten, wird der ursprüngliche „Wildtyp“ verdrängt. Nichts anderes passiert nun auch bei uns. Diese Variante kann wiederum später von einer anderen Variante abgelöst werden. Klarheit besteht bereits, dass SARS-CoV-2 über die aktuelle Pandemie hinaus als endemisches Virus bei uns bleibt. Im Unterschied zur Pandemie, der aktuell laufenden, zeitlich beschränkten, rasanten Verbreitung eines Krankheitserregers ohne mögliche Immunabwehr, beschreibt eine Endemie das fortwährende, gehäufte Auftreten einer Krankheitserregers wie bei der jährlichen Grippesaison. Bis hierhin war unsere Beschreibung zum Coronavirus richtig. Falsch war allerdings unsere Schlussfolgerung, dass das Virus infolge der Mutationen auch harmloser wird und weniger krank macht – und deshalb langfristig als Schnupfen bzw. Erkältung in ein endemisches Virus übergeht. Das Virus behält tatsächlich seine krankmachenden Eigenschaften, allerdings bauen wir als Bevölkerung durch Impfen oder Infekte einen Immunschutz auf – und genau der sorgt dafür, dass ein Virus schließlich nur noch ein bisschen krankmacht und kaum noch schwere Verläufe auftreten. Insofern wird SARS.CoV-2 in Zukunft (hoffentlich) genauso wie die vier bereits kursierenden Coronaviren lediglich bei kleineren Kindern und dem ein oder anderen Erwachsenen für laufende Nasen und Erkältungssymptome sorgen. Hier schenkt uns die Wissenschaft übrigens mal wieder etwas Hoffnung: So zeigen aktuelle Studien, dass sich das Virus nur in sehr beschränktem Maß verändert. Und je stabiler ein Virus ist, desto besser kann man es mit den bestehenden Impfstoffen zur Ruhe bringen und muss nicht – anders als bei der Influenza – sprunghafte Veränderungen fürchten, die wiederum zu einer Pandemie führen könnten.

Weiterhin gilt: seriöse Information

Bitte nutzen Sie diese Quellen und prüfen Sie Schlagzeilen in Tages- und sozialen Medien:

Täglicher Lagebericht des RKI: Die beste, tagesaktuelle und umfassendste Informationsquelle zur Pandemie! Besonders interessant ist die Dienstagsausgabe mit Fakten zu verschiedenen Altersgruppen. Einfach nach „RKI Lagebericht“ googeln.

Podcasts: Das Coronavirus-Update von NDR-Info mit Einblicken in den Stand der Wissenschaft erscheint immer am Dienstag. Virologe Christian Drosten wechselt sich mit seiner Kollegin Sandra Ciesek ab. Der Corona-Kompass mit Prof. Kekulé beim MDR erscheint dienstags, donnerstags und samstags, hier werden auch viele Hörerfragen behandelt.

Videoblog von Dr. Mark Benecke: Garantiert verständlich und fremdwortfrei! Infos zu Studien, zur Pandemie, Antworten auf Fragen: virusonline.de.

Aktuelle Zahlen: Einfach nach „Corona Statistik weltweit“ oder „Corona Statistik Deutschland“ googeln. Google bereitet zahlreiche Statistiken übersichtlich auf.

Maßnahmen und Beschränkungen: Für Brandenburg gut strukturiert bei rbb24, für Sachsen beim MDR. Detailliertere Einblicke direkt auf den Webseiten der Länder. Für lokale Infos bei Google einfach Stadt bzw. Landkreis plus Corona eingeben, inzwischen landet man dann allerorten auf der passenden Seite mit den aktuellen lokalen Bestimmungen.

Rund um Corona in Kitas: Die fortlaufende Corona-KiTa-Studie wird wöchentlich aktualisiert. Einfach bei Google nach „Corona-Kita-Studie“ suchen.

Rund um Impfstoffe: Impfraten tagesaktuell unterimpfdashboard.de und Empfehlungen der STIKO auf dem RKI-Portal im Bereich Impfen einsehen, unter vfa.de, der Webseite forschender deutscher Pharma-Unternehmen im Bereich rund um Covid-19 alle Infos zu weltweiten Entwicklungen checken. Die internationale Plattform covidvax.org führt unter „Full List“ alle weltweiten Impfprojekte auf.

Rund um Hygiene: Verständliche Hinweise und viele Übersichten zur Vermeidung von Infektionen auch über Coronaviren hinaus unter infektionsschutz.de.