Notfall Homeschooling? Kinderklinik hilft Eltern

Datum: Donnerstag, 01. April 2021 11:57

Ein Videotutorial des Klinikums Niederlausitz für das Lernen zu Hause

Homeschooling bleibt brandaktuell: Jetzt erhalten Eltern Hilfe von unerwarteter Seite. Die Fachtherapeutin Babett Kauschmann von der Kinderklinik in Lauchhammer gibt in einem Video Tipps, wie kleine Hausaufgabenmuffel Freude am Lernen gewinnen. Sie hat selbst Erfahrungen mit dem Homeschooling gesammelt, die sie gern weitergibt.

Als Kitas und Schulen im Dezember 2020 schlossen, hat das Klinikum Niederlausitz eine eigene Betreuungsmöglichkeit für Mitarbeiterkinder geschaffen. Insgesamt wurden sechs Wochen lang 21 Kinder vom Fachtherapeutenteam der Kinderklinik betreut, denn auch die Familienzentrierte Interaktionstherapie (FAZIT) konnte coronabedingt in dieser Zeit nicht angeboten werden. In der Mitarbeiterkinderbetreuung erlebte das FAZIT-Team bei einigen Kindern eine Verweigerungshaltung gegenüber ihren Hausaufgaben.

Babett Kauschmann, Leiterin der FAZIT-Station der Kinderklinik in Lauchhammer, erinnert sich: „Viele Kinder, die in der Pandemie gerade erst zur Schule gekommen sind, konnten noch keine grundlegenden Fähigkeiten entwickeln, wie Lernen eigentlich geht. Wenn wir gerade nicht Kinder-Notbetreuung machen, bearbeiten wir gemeinsam mit Eltern und ihren Kindern schwierige Themen des Alltags, die sich auch auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken. Dazu gehört meist auch die Hausaufgabensituation. Dieser Erfahrungshintergrund hat uns bei der Herausforderung Homeschooling sehr geholfen“.

Dabei erkannte das Team schnell, dass es nicht vorrangig um Wissensvermittlung geht: Bei häufigem Schulausfall und Homeschooling ist es vielmehr wichtig, Grundfähigkeiten zu erhalten und zu festigen, damit die Lehrer bei Schulbeginn nicht wieder von vorn beginnen müssen. Teamleiterin Babett Kauschmann erkannte zudem, dass viele Eltern mit der Schule daheim überfordert sind. Kurzerhand bereitete sie ihre Homeschooling-Tipps in einem Video auf und schuf so eine gute Grundlage für Spaß beim Lernen. Im Video beschreibt sie mit Motivation, Aufmerksamkeit und Struktur die wichtigsten Voraussetzungen fürs Homeschooling. Eine Checkliste mit acht Tipps zum Lernen gibt Familien einen Rahmen für eine gute Lernatmosphäre und Lernerfolge der Kinder. Bei Grundschülern rät Babett Kauschmann, die effektive Lernzeit pro Lerneinheit je nach Klassenstufe auf 25 bis 35 Minuten zu begrenzen.
„Besonders Grundschulkinder sind in der Corona-Pandemie mit vielen Unsicherheiten konfrontiert, wie unklare Strukturen oder Überforderungsmomente von Eltern und Lehrern, und konnten dadurch gar keine Kompetenz zum Bewältigen von Aufgaben entwickeln. Wenn Kinder spüren, dass sich bei den Eltern oder im Umfeld beim Gedanken an Schule das Gesicht verfinstert, dann bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen“, berichtet Babett Kauschmann aus der Perspektive der Kinder, und beschreibt ihr Vorgehen beim Homeschooling: „Wir haben mit den Kindern an der Lernmotivation gearbeitet, ihre Aufgaben strukturiert und ihnen über einen Kurzzeitwecker, auf dem die Zeitspanne auch optisch dargestellt wird, die Lern- und Pausenzeit nachvollziehbar gemacht. Diese Uhr hat uns in der Betreuung den Tag gerettet: Sie konnten sich auf die Lernzeit vorbereiten und konnten einschätzen, wie lang die Lerneinheit noch geht. Verweigern geschieht oft aus Unsicherheit: Weil sie die Aufgabe nicht verstehen oder weil sie das Gefühl haben, jetzt scheitere ich, ich bekomme etwas nicht hin. Wenn Kinder ein positives Gegenüber haben und einen sicheren Rahmen spüren, dann ist das Verweigern oft gar nicht gegeben.“

Gute Noten sind das eine, Gesundheit das andere: Lernstörungen verursachen gar nicht selten auch körperliche Beschwerden. Auf der FAZIT-Station in Lauchhammer bietet ein Fachtherapeutenteam der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin gemeinsam mit den Ärzten die Familienzentrierte Interaktionstherapie an. Während eines fünftägigen stationären Aufenthalts wird mit Videoarbeit zum Beispiel an Verhaltensauffälligkeiten, großen Problemen im Sozialkontakt, Beschwerden wie Einnässen, Bauch- und Kopfschmerzen gearbeitet. Oft finden die Ärzte bei der Suche nach körperlichen Ursachen in diesen Fällen eine Mischung aus vielfältigen Ursachen.

„Die Nachfrage nach diesem Angebot ist in der Pandemie deutlich gewachsen. Wir sehen, dass allgemein psychische Probleme und Erkrankungen bei Kindern zunehmen. Wenn die psychosoziale Belastung von Familien steigt und die Reserven weniger werden, hat das natürlich auch negative Einflüsse auf körperliche Symptome wie Schmerzen. Wir sind sehr froh, Familien dieses intensive therapeutische Setting wieder anbieten zu können“, so Dipl.-Med. Hendrik Karpinski, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Krankenhaus Lauchhammer.

Möglich wird die Wiedereröffnung der Station durch ein strenges, mit dem Institut für Krankenhaushygiene abgestimmtes Hygienekonzept.
Anfragen zu FAZIT können telefonisch unter (03573) 75-2760 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gestellt werden.

www.klinikum-niederlausitz.de/fazit