Das kleine Corona-Update (Stand: 20. Mai 2021)

Datum: Donnerstag, 27. Mai 2021 13:44

Stand 20. Mai 2021: Endlich ist Licht am Horizont! Die Inzidenzen sind im Sinkflug und der Sommer scheint für unsere Kinder gerettet. Sicher wird die Pandemie im Herbst nicht vorbei sein und uns noch eine gewisse Zeit begleiten. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese Rubrik mit dieser Ausgabe zu beenden. Die Geschwindigkeit neuer und für Familien relevanter Erkenntnisse rund um SARS-CoV-2 nimmt ab, für Familien und Kinder wird es nun vor allem um die Bewältigung der Folgen in Sachen Bildungsrückstand, Bewegungsmangel und sozialer Distanz gehen. Dazu haben wir uns das sogenannte 2-Milliarden-Aufholpaket einmal genauer angeschaut. Zudem erfolgt in einem Gastbeitrag eine Einordnung zur Sterblichkeit von Kindern in der Pandemie, die Eltern Sorgen nehmen kann – hier geht unser Dank an Birgit Franchy, engagierte Herausgeberin des befreundeten Familienmagazins KingKalli aus Aaachen.

Ein Ausblick

Der Sinkflug der Inzidenzwerte im Mai hat selbst Experten überrascht. Ursprünglich wurde ein saisonaler Effekt als nur geringfügig eingeschätzt, insgesamt scheinen auch viele Faktoren einen Beitrag zu leisten. So steht Deutschland beim Impfen viel besser da, als es viele Medienberichte anmuten lassen und gehört weiterhin weltweit zu den Ländern mit den meisten verabreichten Impfdosen. Hier wird vor allem der Sommer darüber entscheiden, ob ab Herbst auch Impfungen für Kinder unter 12 Jahren notwendig sein könnten. Lassen sich ausreichend Menschen im Alter darüber impfen, sodass mit etwa 70 bis 80 % Geimpfter bzw. Genesener eine Herdenimmunität erreicht wird, könnte nach Expertenmeinungen auf eine Impfung kleiner Kinder verzichtet werden – zumal sie an Covid-19 nach wie vor nicht schwer zu erkranken scheinen. Wir schauen deshalb abschließend noch einmal auf die Situation der Kinder und aufs Impfen.

PIMS und Long Covid bei Kindern

In unseren Hinweisen zu PIMS und Long Covid als mögliche Folgeerscheinungen einer Infektion mit SARS-CoV-2 bei Kindern in den vergangenen Ausgaben ging es nicht um Alarmismus, sondern um Information. Beides tritt sehr selten auf, dennoch ist es für Eltern wichtig, die Symptome einordnen und ihren Kindern im Fall des Falles rechtzeitig helfen zu können. Beides scheint gut therapierbar. Stets aktualisierte Daten zu diesen Folgen sind auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie unter dgpi.de/aktuelles/covid-19/ zu finden, zum Redaktionsschluss wurden insgesamt 314 registrierte PIMS-Fälle ausgewiesen, die meisten traten im Frühjahr 2021 auf. Insgesamt zeigt auch die zurückliegende dritte Welle, dass Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren keine schweren Krankheitsverläufe aufweisen und nicht von tödlichen Verläufen betroffen sind. Bis zum Redaktionsschluss waren von insgesamt rund 86.000 Todesfällen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 in Deutschland nur 18 unter 20 Jahren – für 13 dieser Fälle existieren genauere Angaben, die allesamt auf Vorerkrankungen hinweisen. Insofern bleibt die aktuelle Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche in der Gefährdung deutlich hinter Influenza und vielen anderen „etablierten“ Krankheiten zurück.

Ein Plädoyer fürs Impfen

Viel Impfen hilft viel. Eltern sollten hier vor allem manch störrische Großeltern überzeugen. Insbesondere das medial geschürte Schreckgespenst Astrazeneca sollten gerade Menschen jenseits der 60 nutzen. Die Risikoabwägung kann schon ein Erstklässler vornehmen: die Daten zeigen inzwischen, dass auf 1 Mio. Geimpfte in dieser Altersgruppe rund 2 bis 3 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Impfung kommen können, bei einer natürlichen Infektion sind es hingegen über 1.000. Und wer sich nicht für eine Impfung entscheidet, der entscheidet sich in den kommenden zwei Jahren zu 100% für eine natürliche Infektion. Das Virus wird bleiben und die gesamte Gesellschaft erreichen. Insofern ist die Abwägung tatsächlich bei 3: 1.000 ein Fakt, bei dem Impfgegnern im Alter über 60 Hirnbefreiung attestiert werden darf. Zudem gibt es gerade für Eltern zwei wesentliche Argumente, die Grannys von einer schnellen Impfung zu überzeugen:

  • Mit Blick auf besser übertragbare bzw. ansteckendere Virus-Varianten gehen Experten davon aus, dass 70 bis 80 % der Bevölkerung zum Erreichen einer Herdenimmunität und somit für einem Schutz der Bevölkerung vor SARS-CoV-2 geimpft sein müssen. Die Alten entscheiden somit auch über die Freiheiten der Kinder. Lassen sie sich ausreichend impfen, könnte bei kleineren Kindern auf eine Impfung verzichtet werden und es wäre für Kinder deutlich schneller ein Leben mit sozialen Kontakten und ohne Masken möglich. Wir haben über ein Jahr die Älteren geschützt, die Impfung sollte nun die einfachste Form einer Revanche sein.
  • Gerade die Missverständnisse um Astrazeneca und das Beharren vieler Älterer auf andere Impfstoffe verlangsamen die Impfung jüngerer Generationen. So ist für Erwachsene unter 60 Astrazeneca nicht zugelassen – deshalb nehmen in Zeiten knapper Impfstoffe jene über 60, die auf Biontech beharren, ihren eigenen Kindern und den Jüngeren quasi die Impfdosis weg. Das ist im wahrsten Wortsinn asozial.
  • Astrazeneca wurde allein in Großbrittanien bis Ende April 22,6 Mio. als Erstimpfung verabreicht. Dort sind in Zusammenhang mit der Impfung 49 Menschen an den seltenen Blutgerinnseln gestorben, auch hier handelt es sich fast ausschließlich um Jüngere. Für über 60-jährige bestätigen sich dort sowohl die klare Risikoabwägung als auch die Wirksamkeit – so schützt Astrazeneca zu rund 90 % vor schweren Krankheitsverläufen und zu rund 100 % vor dem Tod. Auch dort wird Menschen unter 40 eine Alternative zu Astrazeneca empfohlen, die Jüngeren sind also darauf angewiesen, dass die Älteren den verfügbaren und für sie geeigneten Impfstoff nutzen.


Damit sollte auch für Erwachsene unter 60 klar sein, dass sie mit einer schnellen Impfung nicht nur sich selbst schützen, sondern auch den Kindern wieder zu einem normalen Leben verhelfen. Im Juni sollte Biontech auch in Europa für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen sein – in den USA wurden nach der Zulassung innerhalb der dritten Maiwoche bereits 600.000 Impfdosen an Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren verabreicht. Für Nörgler und Skeptiker gibt es also bald ausreichend Daten. Der Sommer wird darüber entscheiden, wie schnell wir und unsere Kinder eine neue Normalität erhalten. Es hängt nun vor allem an der Impfbereitschaft.

Zum Nachdenken

Die Pandemie wird uns weiter begleiten. In über 100 Ländern ist noch nicht einmal 1 % der Bevölkerung geimpft. Die Pandemie ist global und wird auch nur global enden. Die Folgekosten der Pandemie werden von der WHO auf 10 Bio. $ bis Ende 2021 und 22 Bio. $ bis Ende 2025 beziffert. Weltweit sorgt die Pandemie für die größte Depression seit 1930. Und sie hätte laut WHO mit Mut und klaren Entscheidungen verhindert werden können. Das Wissen lag und liegt vor. Insofern bleibt die Hoffnung, dass wir aus dem Nukleus von Pandemie, Klimawandel und Artensterben die richtigen Rückschlüsse ziehen – denn genau diese Entwicklungen machen Pandemien auch künftig wahrscheinlicher. Wir werden ab Herbst vor allem die Folgen für Kinder und Familien begleiten und kritisch abwägen, ob unsere Gesellschaft sich endlich stärker Kindern, Bildung und Familien zuwendet.