Das kleine Corona-Update (Stand: 25.11.2021)

Datum: Mittwoch, 01. Dezember 2021 16:51


Foto: kzenon, istock

Eine Argumentationshilfe für Familien

Eigentlich hatten wir nach 13 aufeinanderfolgenden Ausgaben mit vielen Informationen und Expertengesprächen rund um die Coronavirus-Pandemie unser „kleines Corona-Update“ mit der Juniausgabe dieses Jahres einstellen wollen. Nun hat uns die 4. Welle eingeholt. Eltern erleben gerade ein Déjà-vu: Kitagruppen schließen, in Schulen folgt eine Quarantäne der nächsten, die Großeltern haben kurz vor den Weihnachtstagen meist nur noch einen geringen Impfschutz, die Rufe nach einem Lockdown werden lauter. Auch wenn ringsum sämtliche Medien sofort auf Dauerbeschallung zur Pandemie umgestellt haben, so fällt uns doch einmal mehr auf: relevante und gut sortierte Information bleibt die Ausnahme. Die Politik ist andauernd überfordert und wird mut- und kraftlos von der Welle überrollt. Die Kommunikation ist insgesamt ein Desaster. Viele Familien suchen in diesem Chaos nach Orientierung. Gerade jetzt kommt es zudem in Familien vermehrt zu Konflikten bei unterschiedlichen Sichtweisen zu Pandemie und Impfung. Wir haben Ihnen für diesen Fall eine Argumentationshilfe zusammengestellt. Wahren Sie den Familienfrieden und geben Sie gern diese Seiten zur Kenntnis, sie sind frei von jeglicher staatlicher Steuerung und aus nachvollziehbaren Fakten zusammengestellt:

Zur Impfung für Kinder ab 5

Genau zum Redaktionsschluss wurde die Zulassung des Impfstoffs von Pfizer/Biontech für 5 bis 11-jährige Kinder durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) empfohlen. Die Zustimmung der EU-Kommission gilt als Formsache. Somit können Eltern ihre Kinder in dieser Altersgruppe ab Dezember auch bei uns impfen lassen. Zuerst wurde der Impfstoff für diese Altersgruppe in den USA zugelassen und dort bereits millionenfach verimpft. Die Ständige Impfkommission wird eine Empfehlung des Impfstoffs für Deutschland sicher erst nach gründlicher Prüfung im kommenden Jahr aussprechen. Eltern sollten sich bei der Frage, ob sie ihr 5- bis 11-jähriges Kind impfen lassen wollen, nicht unnötig unter Druck setzen. Wem die Impfung der Kinder wichtig ist, weil sie beispielsweise in der Familie engen Kontakt zu älteren Risikopatienten pflegen, der kann seine Kinder mit der Zulassung auch impfen lassen. Ein Blick in die USA zeigt wie zuvor bei allen anderen Altersgruppen keine Auffälligkeiten. Wer sein Kind nicht impfen lassen möchte, der muss das auch nicht. Kinder sind von Covid-19 nach wie vor kaum betroffen und Kinder sollten keine Verantwortung für jene Erwachsenen übernehmen müssen, die eine Impfung ablehnen. Es gibt zwar auch Hinweise auf eventuelle Fälle von Long Covid bei Kindern, hier reichen aber die Daten aktuell nicht aus und ein Zusammenhang ist nicht erwiesen. Auch ein Abwarten der Impfung bei kleinen Kindern ist also völlig in Ordnung.

Zum Virus

Das Virus gilt als erforscht. Die Wissenschaft hat bereits seit Monaten keine nennenswerten neuen Erkenntnisse ergänzt, wie das etwa im ersten Jahr nach Ausbruch der Pandemie der Fall war. Auch die aktuellen Entwicklungen der Neuinfektionen wurden im Sommer aus der Wissenschaft heraus skizziert, wenn auch der Anstieg nicht ganz so dynamisch vermutet wurde. Wer allerdings regelmäßig beim RKI in Berichte schaut oder dem Podcast von Christian Drosten lauscht, dem war bekannt, dass uns bei einer weiteren Mutlosigkeit und Entscheidungsunfreude der Politik eine erneute, hohe Welle ins Haus steht. Bis Ende November sind in Deutschland rund 3 Mio. Menschen über 60 Jahren und 11 Millionen Erwachsene unter 60 Jahren nicht geimpft, genau dort liegt das Risiko bei der aktuell dynamischen Durchseuchung unserer Gesellschaft. Vor allem die älteren Menschen sind nun selbst bei schneller Impfung noch gut zwei Monate ohne vollständigen Immunschutz – bei einer Sterblichkeit von knapp 5% der Neuinfektionen in der älteren Bevölkerung ist das mögliche Ergebnis einer ungebremsten vierten Winterwelle einfache Mathematik. Letztendlich stirbt in dieser Altersgruppe jeder Zwanzigste, der sich infiziert.

Die folgende Übersicht widmet sich üblichen Argumenten gegen eine Impfung:

Zum Impfstoff

Der Impfstoff wurde zu schnell entwickelt, er kann nicht sicher sein

Das stimmt nicht. Der Impfstoff wurde wie jeder andere Impfstoff in großangelegten Studien überprüft. Richtig ist, dass in die Technologien für die modernen und zuerst fertig entwickelten mRNA Impfstoffe rund 20 Jahre Forschung einflossen. Die Entwicklungszeiten für Impfstoffe haben sich schon zuvor deutlich verkürzt. Im Fall von Sars-CoV-2 standen nahezu unbegrenzte finanzielle Mittel für die Impfstoffentwicklung zur Verfügung und gleichzeitig wurden einzelne Phasen der Entwicklung parallel vollzogen. Die Impfstoffe mussten in einer 3-stufigen Testphase aber wie jeder andere Impfstoff Verträglichkeit und Wirksamkeit beweisen. Die Zulassung wurde als Notfallzulassung angesichts der laufenden Pandemie schneller vollzogen. Dadurch wird erstmals in einer laufenden Pandemie eine Immunität durch Impfung ermöglicht. Bei der letzten globalen Pandemie, der Spanischen Grippe nach Ende des ersten Weltkriegs, wurde die Immunität mit rund 50 Mio. Toten durch Infektion erreicht. Diesmal besteht die Chance, dass durch Schaffung eines Großteils der Immunität mittels Einsatz eines Impfstoffes die Sterbefälle deutlich geringer ausfallen.

Die Impfstoffe wurden nicht ausreichend getestet

Das Gegenteil ist der Fall. Noch nie wurden Impfstoffe so gründlich getestet. An der dritten Stufe, den klinischen Studien, nahmen bei Biontech/Pfizer weltweit über 44.000 Personen teil, bei Moderna etwa 30.000 Teilnehmer und bei AstraZeneca etwa 24.000 – wobei je eine Hälfte einen Placebo und die andere Hälfte den Impfstoff erhielt. Auch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen wurden berücksichtigt. Die Studienteilnehmer wurden über mehrere Monate hinweg überwacht. Die Impfstoffe gelten deshalb als sehr, sehr sicher.

mRNA-Impfstoffe können das Erbgut verändern

Das ist schlichtweg unmöglich. Die Bestandteile des mRNA-impfstoffs haben keinen physischen Kontakt zum Erbgut. Der biochemische Vorgang ist bekannt und nachvollziehbar dokumentiert. Ganz im Gegenteil sind sämtliche Bestandteile der bekannten mRNA-Impfstoffe innerhalb weniger Tage komplett aus dem Körper verschwunden.

mRNA-Impfstoffe sind neue und zu wenig erforsche Technologien, deren Risiken wir nicht kennen

Das Wirkkonzept der mRNA-Impfstoffe ist tatsächlich neu. Die mRNAs sind aber alltäglich im Körper tausendfach hergestellte Botenmoleküle, die Informationen transportieren. Im Fall des Impfstoffes transportieren sie den Bauplan für einen Teil des Virus zu den Zellen, die sich um dessen Abwehr kümmern. Dadurch wird eine Art Immunabwehr ausgelöst und später wird das Virus anhand der Information aus dem Bauplan erkannt und abgewehrt. Die mRNA-Moleküle lösen sich nach der Übergabe der Botschaft auf und werden abgebaut. Seit rund 20 Jahren wird an dieser Technologie geforscht und bereits seit zehn Jahren werden Impfstoffe und Medikamente, die auf diesen Molekülen beruhen, intensiv bis hin zu Tierstudien erforscht. In der Krebsforschung wurden bereits zuvor Studien mit Menschen durchgeführt. Wie in vielen technologischen Bereichen werden auch in der Medizin Entwicklungszyklen neuer Technologien deutlich kürzer – was wir beim Smartphone und Computer seit wenigen Jahren bzw. Jahrzehnten beobachten, passiert auch in der Medizintechnologie. Inzwischen forscht man bereits an Prinzipien und Impfstoffen, die mit einem Wirkstoffprinzip gegen fast alle bekannten Viren immunisieren sollen. Die mRNA-Technologie ist erforscht, bekannt und verstanden, unbekannte Risiken der aktuellen Impfstoffe können aufgrund der breit angelegten Studien und millionenfach verabreichten Dosen weitgehend ausgeschlossen werden.

Zur Impfung

Ich will noch abwarten, ich bin mir nicht sicher

Ein erster guter Impfschutz entsteht erst zwei Wochen nach der Zweitimpfung, die wiederum mit drei bis vier Wochen Abstand zur Erstimpfung erfolgt. Wer sich jetzt nicht impfen lässt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Frühjahr eine natürliche Infektion erleben. Die Datenlage für die Risikoverteilung ist sehr klar: die Ungeimpften machen unter den älteren Altersgruppen nur 13% bis 20% aus, auf den Intensivstationen aber selbst im November über 90%, von denen wiederum 45% sterben. Unter 60 Jahren sterben zwar nur recht wenig Infizierte, insgesamt zählt die Statistik im Alter von 40 bis 60 Jahren bislang rund 3.500 von insgesamt etwa 100.000 Todesfällen in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Deutschland. Dafür liegen infizierte Ungeimpfte mittleren Alters aber im Falle einer Intensivbehandlung deutlich länger an der Beatmungsmaschine und tragen auch ein deutlich höheres Risiko der Hospitalisierung.

Die Experten sind sich selbst nicht einig, der eine sagt so, der andere so

Das stimmt nicht (mehr). Es besteht ein breiter wissenschaftlicher Konsens, dass die Impfung bisher der einzige Weg ist, der vor einer schweren Erkrankung oder dem Tod schützt. Wer in sozialen Medien auf andere Äußerungen stößt, kann sicher sein, dass es sich dabei um keine seriöse Wissenschaft handelt.

Die Impfung wirkt nicht, Geimpfte stecken sich genauso mit dem Virus an!

Es gibt wenige Impfungen, die nach einmaliger Impfung ein Leben lang halten. Eine Impfung gegen Hepatitis A macht bis zu zwanzig Jahre, gegen Tetanus bis zu zehn Jahre und gegen Keuchhusten nur für fünf Jahre immun. Jeder Impfschutz lässt im Lauf der Zeit nach. Im Grunde ist der Impfschutz wie ein Pförtner, der anhand eines Musters eindringende Teilchen erkennt und bei Gefahr aussortiert. Verändert sich nun ein Virus bzw. bleicht das Muster mit der Zeit aus, wird es für den Pförtner schwerer, es zu erkennen. Wie lange der Impfschutz hält, hängt also von der Stabilität eines Virus ab. Gegen die 2020 kursierende Variante von Sars-CoV-2 wurden Zweifach-Impfungen für eine erste Immunität entwickelt. Erst nach der Impfstoffentwicklung veränderte sich das Virus recht sprunghaft und wechselte sozusagen das Muster – im Sommer 2021 setzte sich die um rund 50% stärker ansteckende Delta-Variante des Coronavirus weltweit durch. Diese Veränderung und der natürlich nachlassende Impfschutz führen dazu, dass der Pförtner bei zweifach geimpften Personen nach einigen Monaten die Teilchen nicht mehr so genau erkennt. Somit können Erreger eindringen – aber sobald sie Schaden anrichten, wird das Muster sichtbar und die Abwehr springt an. Deshalb sind bei Geimpften selbst bei den sogenannten Impfdurchbrüchen schwere Verläufe selten. Inzwischen weiß man aus der Auswertung vieler Millionen Impfungen, dass die Impfung gegen Sars-CoV-2 mit den meisten verwendeten Impfstoffen erst nach drei Impfungen vollständig ist. Es ist also richtig und gilt für jede Impfung, dass sich Geimpfte mit Abstand zur Impfung oder bei Veränderung des Virus mit diesem infizieren können. Sobald dies der Fall ist, greift aber die vorhandene Grundimmunität und verhindert Schlimmeres. Ungeimpfte verfügen quasi über keinen Pförtner, eindringende Erreger werden nicht erkannt und können unbeobachtet Schaden anrichten. Übrigens gibt es zu den aktuellen Impfstoffen aufgrund ihrer millionenfachen Anwendung sichere Daten. Ihre Wirkung bleibt hoch: So schützt die Impfung mit Pfizer/Biontech etwa 93 Prozent der doppelt Geimpften vor einer Infektion mit der Alpha- und 88 Prozent vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante. Es bleiben 7% bzw. 12% übrig und es ist einfache Logik, dass bei hohen Impfquoten auch die absolute Zahl jener zunimmt, die sich trotz Impfung mit der Delta-Variante anstecken. Entscheidend ist ein Fakt aus der sicheren Datenlage: So bietet der Impfstoff von Pfizer/Biontech einen 96-prozentigen Schutz vor einer Hospitalisation, das Sterberisiko sinkt laut Daten von Public Health England (für alle Virus-Varianten zusammen) für über 65-Jährige nach zwei Impfstoff-Dosen um 98 Prozent.

Inzwischen gibt es erste Studien zum Nachlassen der Impfwirkung. Je nach Alter, Geschlecht und Impfstoff ergeben sich Unterschiede. Bei AstraZeneca war bereits nach vier Monaten kaum noch ein nennenswerter Impfschutz vor einer Infektion mit der Delta-Variante messbar. Bei Biontech/Pfizer sank er nach sechs Monaten auf etwa 23 Prozent, bei Moderna betrug er nach einem halben Jahr hingegen noch knapp 60 Prozent. Beim Schutz vor Hospitalisierung und Tod zeigen sich jedoch klare Vorteile. Zwar lässt auch hier mit der Zeit die Wirksamkeit nach: von anfangs rund 90 Prozent auf gut 40 Prozent nach einem halben Jahr. Das trifft aber vor allem die Älteren ab 80 Jahren, bei den Jüngeren bleibt der Schutz vor schwerem Verlauf auch nach sechs Monaten mit etwa 80 Prozent recht sicher.

Übrigens: Bei einer Kreuzimpfung Vektor/mRNA (AstraZeneca + Biontech oder Moderna) stieg der Impfschutz nach vier Monaten sogar. Inzwischen gibt es erste Hinweise, dass auch bei Pfizer/Biontech eine dritte Booster-Impfung mit Moderna den Impfschutz sogar mehr steigern könnte als eine dritte Impfung mit Pfizer/Biontech.

Die Impfung macht keinen Sinn, weil sich das Virus sowieso wieder verändert

Prinzipiell verändert sich jedes Virus und eine Impfung kann unwirksam werden, wenn sich das Muster stark genug ändert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sowohl die Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 als auch eine durchgemachte Infektion auch bei späteren Varianten zumindest vor schweren Verläufen schützen. Das Coronavirus gilt zudem als deutlich stabiler als beispielsweise das Influenza-Virus. Wissenschaftler haben die bisherigen Veränderungen gründlich untersucht und dokumentiert, sie gehen davon aus, dass eine weitere sprunghafte Veränderung wie von der Alpha- zur hochansteckenden Delta-Variante unwahrscheinlich scheint. Sollte eine Anpassung der Impfstoffe dennoch einmal nötig werden, ist dies relativ schnell zu machen – das beweisen seit Jahren die jährlich angepassten Impfstoffe gegen die instabilere Influenza. Die Impfungen wirken nach aktuellen Erkenntnissen also auch gegen neue Varianten.

Die Risiken der Impfung übersteigen ihren Nutzen

Es ist genau umgekehrt. Die Impfung verursacht bei etwa einer von 20 Personen eine Rötung an der Impfstelle. Kurzzeitig können übliche Erkältungssymptome wie Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen auftreten. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen, die Ärzte bei Patienten mit bekannter Krankenakte aber weitgehend ausschließen können. Nach Bekanntwerden der seltenen Fälle der Sinusvenen-Thrombose im Zusammenhang mit dem Impfstoff von AstraZeneca und der Anpassung der Impfstoffvergabe ist im Zusammenhang mit den millionenfachen Impfungen gegen Sars-CoV-2 kein Todesfall mehr dokumentiert. Im Zusammenhang mit einer Infektion mit Sars-CoV-2 sind weltweit hingegen 5,15 Mio. Todesfälle bei rund 260 Mio. festgestellten Infektionen dokumentiert (Stand 24. November). In Deutschland beträgt die anhand ausreichend großer Datenmengen statistisch ermittelte Sterberate derzeit etwa 0,8% der Neuinfektionen, das heißt auf 76.000 Neuinfektionen an einem Tag (Meldetag 25.11.2021) folgen mit entsprechendem zeitlichen Verzug über 600 Todesfälle für eben diesen einen Tag – entweder ohne Krankenhausaufnahme oder nach vergeblicher Intensivbehandlung. Die Risikoverteilung zwischen Impfung und Infektion belegt das RKI inzwischen in jedem Tagesbericht eindeutig an Zahlen.

Impfungen sind unverhältnismäßig, ich befürchte Spätfolgen

Impfungen verursachen keine Spätfolgen, sondern Impfreaktionen oder Nebenwirkungen. Sehr seltene Nebenwirkungen können natürlich erst bei einer großen Anzahl von Impfungen erkannt werden – weshalb bei manchen Impfprogrammen erst Jahre später bestimmte Nebenwirkungen einer Impfung zugeordnet werden konnten. Ausgerechnet hier bieten die Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 eine historisch einzigartige Sicherheit, da noch nie so viele Impfstoffdosen in so kurzer Zeit unter so intensiver Beobachtung verimpft wurden. Der beste Beweis ist die extrem seltene Sinusvenen-Thrombose, die bei Frauen mittleren Alters beim Impfstoff von AstraZeneca sehr schnell dokumentiert wurde – und die Impfung wurde dann natürlich nicht mehr an Frauen mittleren Alters verabreicht. Ansonsten sind Impfstoffe keine Medikamente, sie reichern sich nicht im Körper an – im Fall von Pfizer/Biontech sind nach zwei Tagen keinerlei Spuren des Impfstoffs mehr im Körper vorhanden. Es bleibt allein die Information zum Virus, das Muster beim Pförtner – unserem Immunsystem. Natürlich besteht bei allen neuen Technologien, Konsumgütern, Tätigkeiten oder Krankheiten ein unvorhersehbares Risiko. Die vorhandene Datenlage zeigt, dass Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung (Long Covid) für jeden ungeimpft Infizierten um ein Vielfaches wahrscheinlicher sind. Vor allem sind es aber die „Kurzzeitfolgen“, um die sich jetzt Ungeimpfte sorgen sollten. Die immense Dynamik der vierten Welle macht für sie eine natürliche Infektion in diesem Winter immer wahrscheinlicher. Ende November wiesen die RKI-Statistiken aus, dass die Anzahl der Hospitalisierungen Ungeimpfter trotz ihres vergleichsweise deutlich kleinen Bevölkerungsanteils in den Altersgruppen ein Vielfaches der Geimpften betrug, so machten beispielsweise bei den über 60-jährigen trotz einer Quote von gerade einmal 13% Ungeimpfter in dieser Altersklasse jene das etwa 4-fache der Hospitalisierung im Vergleich zu den Geimpften aus. Auf den Intensivstationen steigt ihr Anteil noch einmal, dort sind nach wie vor 80 bis 90% der Patienten Ungeimpfte. Wer aktuelle Zahlen sucht, googelt nach Wochenbericht RKI – in dem mehr als 30-seitigen Dokument werden jede Woche viele Statistiken transparent und in Grafiken aufgeführt. Diese Zahlen lügen nicht.

Impfungen können generell zu Impfschäden führen

Da Impfungen im Gegensatz zu Medikamenten an gesunde Menschen und oft auch Kinder verabreicht werden, unterliegen sie auch den höchsten Anforderungen. Im Jahr 2009/2010 wurden im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie in Europa über 30 Millionen Menschen mit dem Impfstoff Pandemrix geimpft. In der Folge traten bei geimpften Kindern und Jugendlichen gehäuft Fälle von Narkolepsie auf, auch als Schlafkrankheit bekannt. Insgesamt wurden 1.300 Fälle bekannt, man geht von zwei bis sechs zusätzlichen Fällen je 100.000 Jugendlichen und Kindern im Vergleich zu einer normalen, ungeimpften Bevölkerung aus. Hier ist ein Zusammenhang mit der Impfung wahrscheinlich. Der Impfstoff wird nicht mehr eingesetzt. Bei allen anderen aktuell verwendeten Impfstoffen treten solche Wirkungen nicht auf. Die aktuellen Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 gelten aufgrund der millionenfach verabreichten Impfdosen als sicher. Manche Skeptiker verweisen auch auf die Historie zu „Contagan“ als Impfschaden – das ist falsch, denn diese Wirkung entstand durch ein Medikament, das sich im Körper angereichert hat.

Der Impfstoff kann unfruchtbar machen

Diese Information beruht in der aktuellen Pandemie vor allem auf Äußerungen des Arztes Wolfgang Wodarg, der Sars-CoV-2 grundsätzlich anzweifelt. Seine These gilt in der breiten wissenschaftlichen Community, die sich mit dem Virus beschäftigt, als unsinnig. Würde sie stimmen, dann würden Frauen auch durch eine normale Infektion mit Sars-CoV-2 unfruchtbar – da er eine Impfreaktion des Immunsystems auf die Information zum Virus als Ursache unterstellt, die bei der natürlichen Infektion natürlich genauso und umso stärker auftritt. Es gibt aber auch immer wieder Behauptungen zu Impfkampagnen in Afrika, die Frauen geschädigt haben sollen. Wie bei vielen Verschwörungen gibt es allerdings keinen einzigen Fakt, der diese Behauptungen bestätigt. Impfstoffe machen nicht unfruchtbar.

Ich warte lieber auf einen klassischen Totimpfstoff, das scheint mir sicherer

Totimpfstoff zu bevorzugen, ist aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Totimpfstoffe enthalten meist Wirkverstärker, die eher zu unerwünschten Impfreaktionen oder Nebenwirkungen neigen als die modernen mRNA-Impfstoffe. Zudem benötigen sie deutlich mehr Zeit in klinischen Studien – in Deutschland dürfte der erste Totimpfstoff erst am Ende der aktuellen Winterwelle zugelassen und empfohlen sein – hier muss jeder das inzwischen bekannte Risiko einer natürlichen Infektion inkl. Folgen für Familienmitglieder oder die berufliche Tätigkeit abwägen.

Die Impfung ist für Risikopatienten oder Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich

Genau für diese Risikogruppen ist das Risiko einer Impfung noch einmal deutlich geringer im Vergleich zum Risiko einer Infektion, bei der die Sterblichkeit in diesen Risikogruppen höher als in der Normalbevölkerung liegt. Auf den Intensivstationen sterben noch immer rund 45% der Patienten, die beatmet werden müssen. Je schwächer der Grundzustand des Immunsystems, desto schlechter die Überlebenschancen. Aus diesem Grund werden Impfungen für Risikogruppen auch zuerst empfohlen.

Impfungen können Autismus auslösen

Dieses Argument geht auf die 1980er-Jahre und den englischen Arzt Andrew Wakefield zurück, der bei mehreren Kindern nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) Anzeichen von Autismus vermutete. Mehrere Expertenkomitees untersuchten dies über mehrere Jahre und konnten keinen tatsächlichen Zusammenhang feststellen. Wakefields Studie wurde durch die fachliche Wissenschaft aufgrund gravierender Mängel abgelehnt.

Grundsätzlich

Bereits im zurückliegenden Spätsommer sind deutlich mehr Kinder an Grippe oder RSV erkrankt als in den zwei Vorjahren. Da aufgrund der Kontaktbeschränkungen im vergangenen Winter die üblichen Krankheitswellen mit RSV- und Influenza-Viren insbesondere im Kindesalter ausgesetzt haben, holen Kinder jetzt ihre Infektionen nach. Sie übertragen die Infektionen in den Familienbereich. In der Influenzawelle 2018 lagen 3.000 Patienten auf Deutschlands Intensivstationen, hier sind auch Kinder und Frauen stärker betroffen. Der bevorstehende Winter lässt unter Kindern und Eltern, soweit Kitas und Schulen offenbleiben, eine verstärkte Welle dieser üblichen Erkältungsviren erwarten. Auch daran ist zu erkennen, wie wichtig hohe Impfquoten – nicht nur gegen Sars-CoV-2, sondern auch gegen die Grippe – zur Entlastung des Gesundheitssystems sein werden.

Genau hier greift auch ein zentrales Argument vieler Menschen gegen eine Impfung nicht mehr. Sie sprechen vom Grundrecht auf Freiheit und die eigene körperliche Unversehrtheit. Wenn sie durch ihr Handeln oder Nichthandeln aber beträchtlich in die Freiheit und körperliche Unversehrtheit vieler anderer Mitmenschen eingreifen, wird in demokratischen und sozialen Gesellschaften abgewogen. Verfassungsrechtler äußern sich deshalb inzwischen recht klar, dass eine Impfpflicht sehr wohl mit dem Grundrecht vereinbar ist, um eine absehbare Überlastung des Gesundheitssystems zu Lasten einer Mehrheit der Bevölkerung durch das Nichtimpfen einer Minderheit abzuwenden. Freiheit ist eben immer auch die Freiheit der Anderen.

Weiterhin gilt: seriöse Information

Bitte nutzen Sie diese Quellen und prüfen Sie Schlagzeilen in Tages- und sozialen Medien:

Täglicher Lagebericht des RKI: Die beste, tagesaktuelle und umfassendste Informationsquelle zur Pandemie! Noch umfassender sind die Wochenberichte. Einfach nach „RKI Lagebericht“ oder „RKI Wochenbericht“ googeln.

Podcasts: Ein Muss für Informierte! Das Coronavirus-Update von NDR-Info mit Einblicken in den Stand der Wissenschaft erscheint immer dienstags. Virologe Christian Drosten wechselt sich mit seiner Kollegin Sandra Ciesek ab. Wer diesen Podcast hört, der ist immer auf dem Laufenden und über wissenschaftliche Fakten verständlich informiert. Der Mercedes im Angebot seriöser Wissensvermittlung zur Pandemie. Der Corona-Kompass mit Prof. Kekulé beim MDR erscheint dienstags, donnerstags und samstags, hier werden viele Hörerfragen behandelt.

Videoblog von Dr. Mark Benecke: Garantiert verständlich und fremdwortfrei! Infos zu Studien, zur Pandemie, Antworten auf Fragen: virusonline.de.

Aktuelle Zahlen: Einfach nach „Corona Statistik weltweit“ oder „Corona Statistik Deutschland“ googlen. Google bereitet zahlreiche Statistiken übersichtlich auf.

Maßnahmen und Beschränkungen: Für Brandenburg gut strukturiert bei rbb24, für Sachsen beim MDR. Detailliertere Einblicke direkt auf den Webseiten der Länder. Für lokale Infos bei Google einfach Stadt bzw. Landkreis plus Corona eingeben, inzwischen landet man dann allerorten auf der passenden Seite mit den aktuellen lokalen Bestimmungen.

Rund um Corona in Kitas: Die fortlaufende Corona-KiTa-Studie wird wöchentlich aktualisiert. Einfach bei Google nach „Corona-Kita-Studie“ suchen.

Rund um Impfstoffe: Impfraten tagesaktuell unter impfdashboard.de und Empfehlungen der STIKO auf dem RKI-Portal im Bereich Impfen, unter vfa.de, der Webseite forschender deutscher Pharma-Unternehmen im Bereich rund um Covid-19 alle Infos zu weltweiten Entwicklungen checken. Die internationale Plattform covidvax.org führt unter „Full List“ alle weltweiten Impfprojekte auf.

Rund um Hygiene: Verständliche Hinweise und viele Übersichten zur Vermeidung von Infektionen unter infektionsschutz.de.

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