Das kleine Corona-Update (Stand: 23. Januar 2022)

Datum: Freitag, 28. Januar 2022 11:23


Bild: selensorgen, istock

Stand 23. Januar 2022: Wie im Statement der vergangenen Ausgabe zum Jahreswechsel versprochen, wollen wir in unserem kleinen Corona Update weiterhin einmal monatlich die wichtigsten Informationen für Familien in einem kurzen Überblick zusammenfassen. Bitte beachten Sie das vorangestellte Datum. Die Informationen entsprechen diesem Zeitpunkt und können durch die Realität natürlich überholt werden. Nach wie vor lernen sowohl die Wissenschaft als auch wir Familien beständig dazu – und das hat in letzter Zeit doch wieder etwas an Dynamik gewonnen. Wir freuen uns immer wieder über Nachfragen und Anregungen zu dieser Serie, weisen aber gleichzeitig darauf hin, dass wir hier keine Meinungen und Haltungen von Lesern veröffentlichen. Genau diesen verwirrenden „Jahrmarkt der Meinungen“ – nicht nur in den sozialen Medien – haben wir ja in der vergangenen Ausgabe kritisiert. Wir bemühen uns mit Blick für die Bedürfnisse der Familie um eine neutrale Übersicht ohne all zu viel Zahlengewirr, sind dabei aber auch nicht vor Fehlern oder Missverständnissen gefeit. Natürlich müssen wir hier und da den Finger in die Wunde legen, wenn politische Entscheidungsträger offensichtlich versagen und Eltern wie Kinder unnötig belastet werden. Sachliche Klarstellungen und Hinweise können Sie uns gern senden an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Situation bei Kindern unverändert
Für Kinder gilt über alle bislang bekannten Varianten des SARS-CoV-2-Virus hinweg, dass sie von schweren Verläufen kaum betroffen sind. Todesfälle treten so gut wie gar nicht auf und stehen dann im Grunde immer in Zusammenhang mit Vorerkrankungen. Insgesamt ist die Zahl der im bisherigen Pandemieverlauf hospitalisierten Kinder mit einer SARS-CoV-2-Infektion bspw. im Alter von 0 bis 5 Jahren mit rund 4.250 Fällen (2,6%) im Vergleich zu anderen Altersgruppen klein. Wer sich über die Situation in Kitas aktuell informieren möchte, der findet hier die beständig aktualisierten Ergebnisse der Corona-Kita-Studie, die auch ein Dashboard mit Statistiken sowie ausführliche Wochenberichte enthält. Kinder können dennoch von schweren Krankheitsverläufen betroffen sein. Das in dieser Serie schon beschriebene PIMS, das meist einige Wochen nach der eigentlichen Infektion auftritt, ist aber gut therapierbar. Zu PIMS und Long Covid bei Kindern gibt es noch immer keine ausreichende Daten- und Studienlage, um Risiken und Häufigkeit genau zu beziffern. Fürsorgliche Eltern sollten sich zu beiden Krankheitsbildern informieren. Das geht einfach per Google nach „PIMS und Long Covid“, der erste Treffer führt zu Informationen auf der seriösen Webseite www.infektionsschutz.de. Sie sollten Ihre Kinder beobachten und bei Symptomen den Kinder- bzw. Hausarzt aufsuchen. Im Zusammenhang mit der kursierenden Omikron-Variante gab es Medienberichte, dass mit dieser Virusvariante mehr Kinder im Krankenhaus und auf Intensivstationen landen. Hierzu gibt es keinerlei wissenschaftliche Daten bzw. Hinweise. Vielmehr könnte es sein, dass die hochansteckende Variante, die nun auch in Deutschland die Infektionszahlen hochschnellen lässt, einfach enorm viele Menschen – und somit auch Kinder – infiziert. Da heute bei jeder Krankenhausaufnahme eine Diagnose auf Covid-19 erfolgt, ist es eine logische Folge, dass bei hohen Infektionszahlen viele Kinder mit Knochenbrüchen oder völlig anderen Symptomen in der Corona-Statistik landen, obwohl ihre Krankenhauseinweisung in keinem Zusammenhang mit der Infektion steht.

Infektionen und Tests in Kitas
Die Infektionsfälle in Kitas haben mit Omikron teils extrem zugenommen. Sie liegen etwa um den Faktor 3-7 über den durchschnittlichen Infektionen aller Altersgruppen, in Potsdam betrug die 7-Tage-Inzidenz der 5-9-Jährigen zum Redaktionsschluss über 4.000. Für Eltern ist es vor allem wichtig, das Eintragen von Infektionen in die eigene Familie zu unterbinden – denn nach wie vor sind vor allem Ältere und Vorerkrankte selbst bei zweifacher Impfung gefährdet. Die Information, dass nur eine dritte Auffrischungsimpfung gut vor bzw. bei Infektion schützt, sollte inzwischen jeden weltoffenen Menschen erreicht haben. Für Eltern zieht das Eintragen von Infektionen unter Umständen die Problematik der Quarantäne oder gar Isolation nach sich. Insofern ist es für brandenburger Eltern ein Trauerspiel, wie Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst ihrem Dauerversagen in der Pandemie treu bleibt und eine Kita-Testpflicht am 7. Februar nicht nur zu spät einführt, sondern die Umsetzung einmal mehr im Chaos zu enden scheint. Für Kleinkinder passende Lolli-Tests sind nicht beschafft, das Testen wird wohl wieder zur Elternsache.

Omikron – Fluch oder Segen?
Die seriöse Wissenschaft agiert in der Pandemie inzwischen sehr vorsichtig. Leider werden in Medien noch immer Informationen aus dem Zusammenhang gerissen oder verkürzt – Schlagzeilen über vermeintliche Katastrophen schaffen Quoten. Dennoch deutet sich an, dass Omikron gerade für unser Land mehr Segen als Fluch sein kann. Omikron bricht bei Infizierten schneller aus als bisherige Varianten und wird dadurch auch schneller weitergegeben. Gleichzeitig betrifft es vor allem die oberen Atemwege und schädigt Lunge und Organe offensichtlich weniger. Diese Kombination aus enormer Zunahme an Infektionen mit milden Verläufen könnte dabei helfen, die großen Impflücken in älteren Bevölkerungsgruppen Deutschlands zu schließen. Sicher werden auch hier Infizierte im Krankenhaus landen und sterben, der Anteil solcher Fälle an den Gesamtinfektionen scheint aber deutlich abzunehmen. Ein Blick nach Großbritannien schafft Hoffnung: Dort erreichte Omikron zum Jahreswechsel seinen Höhepunkt mit täglichen Infektionsfällen um die 200.000 und Inzidenzen über 2.000 (in Deutschland sind es zum Redaktionsschluss bis zu 140.000 Infektionsfälle am Tag bei einer Inzidenz von etwa 800), dennoch nahm die nachschleppende Einweisung Infizierter ins Krankenhaus nur leicht zu und die Einweisung auf Intensivstationen sogar ab. Auch hier waren es weit überwiegend Ungeimpfte, die intensiv behandelt werden mussten oder starben – und Großbritannien hat wie viele andere Länder gerade bei den älteren Bevölkerungsgruppen bessere Impfquoten als unser um etliche Querdenker und Skeptiker angereichertes Volk. Drei Wochen später hat sich die Inzidenz auf der Insel jedenfalls halbiert, das Gesundheitssystem geriet nicht an seine Grenzen. Insofern könnte Omikron ein gewaltiger Schritt aus der Pandemie heraus sein, da es bei relativ geringer Belastung des Gesundheitssystems enorme Menschenmengen mit dem Virus in Kontakt und die Gesellschaft so einer Herdenimmunität näherbringt. Denn auch wer sich mit Omikron infiziert, verfügt danach wenigstens über eine Grundimmunität. Die WHO veröffentlichte Ende Januar eine Schätzung, wonach binnen weniger Wochen jeder zweite Europäer von Omikron erreicht wird. Unser stetes Plädoyer für eine Impfung wird mit Blick auf den Herbst dadurch allerdings nicht entkräftet – wie nachfolgende Informationen zeigen.

Was kommt nach Omikron?
Wie sich das Virus weiter verändert, kann heute niemand sagen. Bei seiner Verbreitung treten beständig unzählige Mutationen sozusagen als „Schreibfehler“ bei seiner Vervielfältigung durch menschliche Zellen auf. Die enorme Verbreitung von Omikron ist logisch auch mit einer Zunahme dieser Schreibfehler und somit mit Mutationen verbunden. In Dänemark hat sich zum Redaktionsschluss eine neue Omikron-Variante durchgesetzt, über die noch wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Es kann sein, dass Omikron in Kombination mit Delta zu einer hochansteckenden und deutlicher krankmachenden Variante führt, es könnte ebenso eine Variante entstehen, die den Immunschutz noch stärker umgeht und dadurch eine große Zahl an Menschen erneut infiziert. Da die Bevölkerung durch Lücken und Verzögerungen bei der Impfung nicht „synchron“ immunisiert ist, können Varianten auch wieder aufflammen oder verändert zurückkehren. Es kann aber ebenso sein, dass sich eine kommende Variante durchsetzt, die noch milder verläuft und sich letztendlich zu einer Erkältungskrankheit wie andere Coronaviren oder die Grippe entwickelt. Sicher scheint aus den Erkenntnissen der vergangenen zwei Jahre, dass die Pandemie im Sommer weitgehend zur Ruhe kommt. Wissenschaftler sprechen von einem weitgehend „normalen“ Lebensgefühl im Sommer 2022. Die Situation im Herbst wird deutlich vorsichtiger bewertet. Viele Wissenschaftler haben im vergangenen Jahr zwar vor einer Herbst-Welle gewarnt, die Heftigkeit der Delta-Variante hat aber wirklich alle überrascht. Insofern bleibt das Ende der Pandemie im Unklaren. Omikron könnte zu einer weitgehenden Herdenimmunität führen und den Weg aus der Pandemie in eine Endemie ebnen – in der das Virus ähnlich der Grippe zwar weiter mutiert und evtl. periodische Auffrischungsimpfungen vor Infektionen schützen, aber die Gesellschaft über eine Grundimmunität und ausreichend Therapien und Medikamente verfügt.

Zu Varianten und Immunität
Fragen erreichen uns immer wieder zum Schutz einer Impfung vor neuen Virusvarianten – hier kursieren vor allem in den sozialen Medien noch immer viele Fake News. Da gerade Omikron den Impfschutz umgehen kann, wird die Impfung an sich umso mehr infrage gestellt. Eine vereinfachte Erklärung der Abwehrreaktion unseres Immunsystems kann evtl. Sicherheit und Aufklärung liefern. Im Grunde erfolgt die Immunabwehr in drei Verteidigungslinien:
1. Erkennt das Immunsystem ein Virus bereits beim Eindringen, wird es von den sogenannten „neutralisierenden Antikörpern“ abgeräumt. Im besten Fall kommt es erst gar nicht zur Infektion. Diese Verteidigung ist sozusagen hochspezialisiert und auf das Virus abgestimmt.
Die zweite Verteidigungslinie bilden dann die Fresszellen, die bei „erfolgreicher“ Landung des Virus etwas unkoordinierter und unspezifischer befallene Bereiche reinigen.
Die dritte Ebene der Verteidigung ist die sogenannte Zellimmunität – sie wirkt vor allem bei weitergehendem Befall und Krankheitsverläufen.
Wenn davon die Rede ist, dass eine Virusvariante (Mutation) den Immunschutz umgeht, betrifft das meist die erste Verteidigungslinie. Die tiefer liegende Grundimmunisierung kann dennoch vor schweren Verläufen schützen – sie wird vor allem durch Impfungen erreicht.

Impfung versus Omikron
Genau deshalb ist es ein Irrglaube, dass eine Ansteckung mit Omikron eine Impfung ersetzen kann. Während die Impfung eine gezielt dosierte Immunantwort hervorruft, kann eine natürliche Infektion völlig unterschiedlich wirken und beispielsweise bei mildem Verlauf nur sehr unspezifisch auf die jeweilige Variante und ohne starke Ausbildung der weiteren Verteidigungslinien verlaufen. Da neutralisierende Antikörper nur eine gewisse Zeit nach Infektion bzw. Impfung ausgeprägt sind, könnte der Immunschutz bei sehr milder Infektion nach wenigen Monaten und neu auftretender Variante fast dem Status eines Ungeimpften entsprechen.

Impfung für Kinder?
Hier bleibt es beim Statement der vergangenen Ausgabe: Die Impfung für Kinder (nun auch schon ab 5 Jahren) gilt als sicher, das bestätigen Studien und Beobachtungen vieler Mio. geimpfter Kinder weltweit. Es bleibt aber auch dabei, dass Kinder kaum von schweren Verläufen betroffen sind und Covid-19 abgesehen von seltenen PIMS und Long Covid-Fällen tatsächlich wie eine milde Grippe erleben. Insofern müssen Kinder auch nicht für die Versäumnisse ungeimpfter Erwachsener herhalten. Vorerkrankte Kinder und solche, die engen Kontakt zu älteren Familienmitgliedern und Risikogruppen haben (selbst wenn diese geboostert sind), sollten Eltern impfen lassen – ansonsten bleibt es eine Gewissensentscheidung, in der sich Eltern frei von gesellschaftlichem Druck machen sollten. Ein Fakt hilft evtl. bei der Entscheidung: Eine Impfung mit einem modernen mRNA-Impfstoff fügt dem Körper nur einen kleinen Teil des Bauplans des SARS-CoV-2-Virus mittels eines Boten zu – denn mRNA sind vereinfacht nichts weiter als Boten, die in unserem Körper Informationen übergeben und dann verschwinden. Sie hinterlassen keine Spuren. Die übergebene Information zeigt dem Immunsystem, worauf es sich vorbereiten muss. Eine natürliche Infektion schleust deutlich mehr Informationen und den kompletten Bauplan des Virus in den Körper ein. Da wir wissen, dass sich jedes Kind entweder per Impfung oder per Infektion einen Immunschutz erwirbt, kann man also selbst entscheiden, ob es per Impfung nur notwendige Informationen erhält oder per Infektion über diese Information hinaus, die das Virus ja auch übermittelt, den gesamten Bauplan und „Müll“, den das Virus mit sich bringt.

Weiterhin gilt: seriöse Information
Bitte nutzen Sie diese Quellen und prüfen Sie Schlagzeilen in Tages- und sozialen Medien:

  • Lagebericht des RKI: Als Tages- oder Wochenbericht verfügbar und mit übersichtlichem „Dashboard“ samt allen aktuellen Pandemiezahlen. Hier findet man viele Verweise zu weiteren seriösen Quellen.
  • Podcast: Das Coronavirus-Update von NDR-Info mit Einblicken in den Stand der Wissenschaft erscheint nun etwa wöchentlich. Virologe Christian Drosten wechselt sich mit seiner Kollegin Sandra Ciesek ab.
  • Videoblog von Dr. Mark Benecke: Garantiert verständlich und fremdwortfrei! Infos zu Studien, zur Pandemie, Antworten auf Fragen: www.virusonline.de
  • Aktuelle Zahlen: Einfach nach „Corona Statistik weltweit“ oder „Corona Statistik Deutschland“ googlen. Google bereitet zahlreiche Statistiken auf.
  • Maßnahmen und Beschränkungen: Für Brandenburg gut strukturiert bei rbb24, für Sachsen beim MDR. Detailliertere Einblicke direkt auf den Webseiten der Länder. Für lokale Infos bei Google einfach Stadt bzw. Landkreis plus Corona eingeben, inzwischen landet man allerorten auf der passenden Seite mit den aktuellen lokalen Bestimmungen.
  • Rund um Corona in Kitas: Die fortlaufende Corona-KiTa-Studie wird wöchentlich aktualisiert.
  • Rund um Impfstoffe: Impfraten tagesaktuell unter www.impfdashboard.de und Empfehlungen der STIKO auf dem RKI-Portal im Bereich Impfen, unter www.vfa.de, der Webseite forschender deutscher Pharma-Unternehmen im Bereich rund um Covid-19 alle Infos zu weltweiten Entwicklungen checken.
  • Rund um Hygiene: Viele Infos zur Vermeidung von Infektionen unter www.infektionsschutz.de