Das kleine Corona Update (Stand: 23. Februar 2022)

Datum: Montag, 07. März 2022 13:15


Bild: selensorgen, istock

Stand 23. Februar 2022: Wer sich rund um das Coronavirus SARS-CoV-2 seriös und gut informiert, muss nicht viel Zeit investieren. Es reicht ab und zu ein Blick in den Wochenbericht des RKI und alle zwei Wochen das Einschalten des Podcasts NDR Corona Update. Das sind auch die Grundlagen für unser regelmäßiges Corona Update, mit dem wir inzwischen selbst in unserer Vorausschau sehr gut liegen. Eltern von Kita-Kindern sollten noch regelmäßig einen Blick in die Corona-Kita-Studie werfen. Die Dauerbeschallung in sozialen Medien und TV kann man dann wirklich ausblenden. Die politischen Maßnahmen sind ein anderes Thema und auch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnisse, deshalb blenden wir diese Debatte hier nach wie vor aus. Zur Impfung geben wir weiterhin Hinweise, die insbesondere Familien mit kleineren Kindern betreffen. Da uns diesmal vor allem zu zwei Themen Nachfragen erreichten, gehen wir noch einmal auf die mRNA-Impfstoffe und die Impfung für Kinder ab 5 Jahren ein.

Übrigens finden Sie viele Informationen rund um Corona speziell für Familien aufbereitet in unserem fortlaufenden Spezial unter www.lausebande.de. Fragen, sachliche Klarstellungen und Hinweise können Sie uns gern senden an:
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Situation der Kinder

Zur Situation der Kinder verweisen wir auf das Corona Update der letzten Ausgabe. Hier gibt es durchweg keine neuen Erkenntnisse. Nach wie vor zählen in der Omikron-Welle die 5 bis 14-Jährigen zur am stärksten von Infektionen betroffenen Zielgruppe. Kitas und Schulen sind dauerhaft Infektionsherde. Eltern sollten hierzu die Hinweise zur Impfung beachten. Für Berichte, wonach Kleinkinder unter Omikron öfter im Krankenhaus landen, gibt es nach wie vor keine belastbaren Daten. Es bleibt bei der Annahme, dass durch die enorme Verbreitung von Omikron bei vielen Kindern mit einer notwendigen Krankenhausaufnahme aufgrund anderer Beschwerden Covid-19 quasi zufällig mit diagnostiziert wird. Eine weitere Vermutung der Wissenschaft sieht allerdings eine mögliche Beeinträchtigung gerade bei Kleinkindern aufgrund der veränderten Eigenschaften des Virus. Omikron betrifft vor allem die oberen Atemwege und breitet sich hier schneller aus – was durch geringeren Befall von tieferen Atemwegen, Lunge und Organen auch die milderen Verläufe erklärt. Gerade bei Kleinkindern sind die oberen Atemwege noch sehr feingliedrig und können schnell verstopfen, sodass Omikron zu Symptomen wie Pseudokrupp führen kann – das bei Kleinkindern oft stationär therapiert wird.

Die Entwicklung der Pandemie

Zur Entwicklung der Pandemie schauen wir in jedem Update mit der Wissenschaft ein bisschen in die Glaskugel. Aktuell gehen Prognosen davon aus, dass uns SARS-CoV-2 noch zwei bis zehn Jahre mit Veränderungen und evtl. Infektionswellen in der kalten Jahreszeit begleiten wird, bevor es dann tatsächlich als harmlose, saisonale Erkältung wie die vier weiteren bereits endemischen Coronaviren bewertet wird. Die Dauer hängt vor allem an der ungleichen Immunisierung der Bevölkerung. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern die globale Situation. In vielen Ländern z.B. Afrikas sind Menschen kaum geimpft, dort wird das Virus weiter kursieren und sich in veränderten Varianten global verbreiten. Niemand kann vorhersagen, ob dann Varianten mit einer stärkeren Immunflucht oder zunehmenden Krankheitsschwere auftreten können. Für Großbritannien, das mit Deutschland vergleichbar und uns Deutschen im Pandemiegeschehen immer einige Wochen voraus ist, hat das Scientific Advisory Group for Emergencies (SAGE) eine Studie mit vier Szenarien für die nächsten 12 bis 18 Monate vorgelegt. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass weitere Coronawellen zu erwarten sind. Nur das Best Case Szenario klingt nach Entwarnung, bereits Szenario 2 gleicht der aktuellen Omikronwelle, die weiteren Szenarien beschreiben größere Infektionswellen mit erneuter Zunahme von Krankheiten und Sterbefällen. Auf Deutschland bezogen wird mit dem bevorstehenden Frühjahr wie im Jahr 2021 ein normales Leben erwartet. Spätestens im Herbst wird allerdings die nächste Welle prognostiziert, da unsere Bevölkerung nach wie vor unzureichend geimpft ist. Aktuell sind 21% der Bevölkerung in der Altersgruppe 18-59 Jahre und 11% in der Altersgruppe ab 60 Jahre ungeimpft – das sind allein bei den besonders gefährdeten Älteren noch 2,5 Mio. Menschen! Bei den Erwachsenen von 18 bis 59 Jahren sind es rund 10 Mio. Ungeimpfte. Genau diese Ungleichverteilung der Immunität sorgt auch in Deutschland dafür, dass das Virus weiter kursieren und sich asynchron verändern kann. Seit Mitte Februar erreicht Omikron, das nach wie vor aufgrund seiner milderen Krankheitsschwere zu einer verringerten Krankenhausaufnahme führt, wieder stärker ältere Menschen. Die anteiligen Infizierten mit schweren Verläufen landen zeitverzögert um die drei Wochen nach der Infektion auf der Intensivstation – insofern wird es im März hier keine Entwarnung geben können. Seit Mitte Februar nimmt die Intensivbelegung aufgrund einer Coronainfektion bereits wieder leicht zu. Nach wie vor stirbt fast jeder zweite Patient, bei dem eine Beatmung erforderlich wird. Mit der aktuellen Zunahme der Infektionen in den älteren Bevölkerungsgruppen ist zu erwarten, dass die Intensivbelegung zumindest in den kommenden Wochen auf einem Plateau bleibt oder weiter leicht zunimmt. Die Situation in vielen Kliniken wird vor allem durch die dauerhafte Überlastung des Personals angespannt bleiben. Nach wie vor machen Ungeimpfte vergleichsweise ein Vielfaches an schweren Verläufen und Todesfällen aus.

Zur Immunität

Die Erkenntnisse zur Immunität sind aufgrund von über 10 Milliarden weltweit verabreichter Impfungen und rund 500 Mio. bekannter Infektionen umfassend. Eine gute Immunität ist nur auf der Basis einer vollständigen Impfung (2 Dosen) und einem mit ausreichend Abstand erfolgten Booster (3. Dose bzw. natürliche Infektion) erreichbar. Dabei sind sowohl die Impfdosis als auch die Abstände zwischen Impfungen wichtig, um die Immunität auszubilden und reifen zu lassen. Zu kurz aufeinander verabreichte Impfungen sorgen für eine schlechtere Immunität. Eine Infektion mit kurzem Abstand zu einer Impfung kann ebenso die Immunantwort mindern. Für Ungeimpfte ersetzt eine einzelne Infektion mit Omikron die Impfung nicht, da hier die Ausbildung der Immunität ungewiss, eine abgestimmte Dosierung und Reifung nicht erfolgt und der Schutz vor neuen Virusvarianten fraglich ist. Nach ersten Daten scheint eine 4. Impfung nur für besonders gefährdete Ältere und Vorerkrankte sinnvoll. Mit einem Booster dreifach Geimpfte werden sich künftig wie alle Menschen noch mehrfach mit dem Virus infizieren und dann eine dauerhafte Schleimhautimmunität aufbauen. Es bleibt also dabei, dass niemand dem Virus aus dem Weg gehen kann – und ein Schutz vor schweren Verläufen oder Folgeschäden nicht an einer Impfung vorbeiführt.


Beeindruckend: Eine aktuelle Grafik aus den USA zeigt das Risiko, an Covid-19 zu sterben in Abhängigkeit vom Impfstatus für Ungeimpfte (grauer Balken), 2-fach-Geimpfte (brauner Balken) und Menschen mit dritter Bosster-Impfung
(grüner Balken). Quelle: CDC Covid-19 Response, Epidemiology Task Force / Seuchenschutzbehörde der USA

Zu mRNA-Impfstoffen

Trotz weltweit rund 10 Mrd. verabreichter Dosen mit mRNA-Impfstoffen scheint es zu dieser Technologie noch immer Befürchtungen zu geben. Deshalb liefern wir nochmals eine einfache Erklärung: mRNA ist lediglich eine Art Bote, der Informationen transportiert. In unserem Körper kommt mRNA natürlich vor – sie wird quasi von der DNA im Zellkern gebildet und beauftragt, Informationen in die Zelle zu liefern, die aus diesen Informationen kleinste Bausteine für viele Abläufe im Körper herstellt – sogenannte Proteine. mRNA ist flüchtig und zerfällt nach Übergabe der Information. Seit 30 Jahren wird daran geforscht, wie man mRNA haltbarer machen und mit ihrer Hilfe Informationen in die Zelle schleusen kann, um Bausteine gegen bestimmte Erkrankungen oder Fehlfunktionen des Körpers herzustellen. Die immensen Investitionen in die Impfstoffentwicklung infolge der Pandemie haben diese Forschung intensiviert und zum Erfolg geführt. Es ist gelungen, die mRNA durch Umhüllung mit Fetten, wie sie auch im menschlichen Körper vorkommen, haltbarer zu machen und in eine Zelle einzuschleusen. Die mRNA übergibt dort den Bauplan für ein bestimmtes Protein des Virus, das in der Zelle hergestellt, auf die Außenhülle der Zelle transportiert und dort dem Immunsystem präsentiert wird. Das Immunsystem erkennt das fremde Protein und bildet eine Immunabwehr aus, zudem speichert es das Protein in seinem Immungedächtnis. Bei Infektion mit SARS-CoV-2 erkennt das Immunsystem nun das Protein auf der Virusoberfläche und aktiviert die Abwehr. Übrigens: Sowohl die mRNA als auch die Fetthülle zerfällt und verschwindet, nichts bleibt dauerhaft zurück und erreicht schon gar nicht die menschliche DNA im Zellkern. Bei einer natürlichen Infektion mit dem Virus erhält die Zelle übrigens genauso den Bauplan für das Protein des Virus – zusätzlich aber auch all das, was dem Körper schadet und zu schweren Verläufen und zum Tod führen kann. mRNA ist also weder ein Fremdkörper, noch kann es die DNA verändern. Wer sich natürlich infiziert, erhält demnach sowieso den Inhalt einer mRNA-Impfung und zusätzlich all das, was krankmacht. mRNA wird inzwischen in ersten Versuchen zur Minderung von Krebserkrankungen angewandt. Das Prinzip ist wie bei der Impfung: Die Zelle erhält Infos zur Herstellung gewisser Proteine, um den Krebs durch die eigene Körperabwehr zu bekämpfen. mRNA gilt in der Medizin als Hoffnungsträger für viele neue Therapien bis hin zur Therapie oder gar Heilung von Krebserkrankungen. Die Vorbehalte gegen mRNA-Impfstoffe insbesondere in Deutschland zeugen zum einen von der Technologiefeindlichkeit in unserem Land, andererseits von einer mangelnden Aufklärung durch Politik und Medien. 

Die Entwicklung der Pandemie

Die Impfung für Kinder von 5 bis 11 Jahren ist in Deutschland seit 26.11.2021 zugelassen, wird aber sehr zurückhaltend genutzt. In den USA waren damals schon mehr als 5 Millionen Kinder in diesem Alter geimpft, heute dürften es mindestens doppelt so viele sein, ohne dass bedeutende Nebenwirkungen bekannt sind. Klar ist, dass die Impf-Dosis bei 10 Mikrogramm liegt und damit einem Drittel der Impfdosis von Erwachsenen entspricht. Impfungen für Kinder ab 5 Jahren werden bei bestimmten Vorerkrankungen angeraten und wenn Kinder in der Familie Kontakt mit gefährdeten Personen (Großeltern) haben. Eine Impfung schützt auch vor PIMS, das allerdings gut therapierbar ist, und vor Long-Covid, das bei Kindern ebenso beobachtet wird, über das aber noch solide, belastbare Daten fehlen – der Anteil von Long Covid bei Kindern wird unter einem Prozent der Infizierten angenommen. Die Impfung von Kindern ab 5 ist insgesamt ungefährlich, bleibt aber aufgrund der weitgehend ausbleibenden schweren Verläufe bei Kindern im Ermessen der Eltern.