Wenn der zweite Strich fehlt

Datum: Montag, 07. März 2022 13:21


Schnelltests gehören immer mehr zum Alltag für Kinder im Kita- und Schulalter. Foto: ChiccoDodiFC, istock

Hürden beim Testmarathon in Kitas und Schulen

Seit Februar gelten in Brandenburgs Kitas und Schulen neue Antigenschnelltest-Bestimmungen. Schulkinder müssen nun täglich ein negatives Testergebnis vorweisen, um das Schulgebäude betreten zu dürfen. Für Kitakinder gibt es wiederum zwei Lollitests pro Woche mit nach Hause, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Wochentagen durchgeführt werden sollen. Auf beide Teststrategien wirken sich jedoch die Probleme aus, die es in Deutschland allgemein mit Antigenschnelltests gibt: mangelnde Zuverlässigkeit und geringe Studienlage in aktuellen Testfragen.

Zuverlässigkeit von Schnelltests bei Omikron unklar

So kritisierte der Landeskitaelternbeirat gegenüber anderen Medien, dass viele der angebotenen Lollitests bei einer Infektion nicht oder viel zu spät anschlagen. Tatsächlich ergab eine Untersuchung des Paul-Ehrlich-Instituts schon im November, dass im Schnitt jeder fünfte im Handel erhältliche Schnelltest nicht verlässlich genug war. Die Ende Januar aktualisierten Testergebnisse können Familien über den obenstehenden QR-Code abrufen.
Wie sich die Omikronvariante auf die Zuverlässigkeit von Schnelltests auswirkt, ist aktuell der Gegenstand mehrerer Studien. Eine Untersuchung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ergab unter anderem, dass acht von neun handelsüblichen Antigen-Schnelltests eine Omikron-Infektion deutlich schlechter erkennen als das Delta-Pendant. Die Wissenschaftler fordern seitdem eine Liste mit für Omikron geeigneten Schnelltests.

Hersteller können ihre Tests selbst zertifizieren

Selbst, wenn die Omikronproblematik einmal ausgeblendet wird, die immerhin sämtliche Teststrategien deutschlandweit betrifft, bleibt eine weitere Krux: Schnelltesthersteller können ihre Produkte selbst zertifizieren. Ihre Angaben zur Verlässlichkeit der Tests werden zugunsten einer schnellen Verfügbarkeit nicht offiziell überprüft. Bald soll sich das aber ändern: Ab Mai 2022 müssen Schnelltests laut dem Paul-Ehrlich-Institut in einer Untersuchung eines EU-Referenzlabors und durch eine unabhängige Überprüfung der Daten zertifiziert werden.

Insgesamt dürfen negative Schnelltestergebnisse grundsätzlich nicht als Freifahrtschein gesehen werden. Stattdessen gibt es sogar blinde unter den einäugigen Tests, die eine Infektion erst dann erkennen, wenn Betroffene bereits das gesamte Umfeld angesteckt haben.

Der Schulschnelltest Brandenburgs ist nicht evaluiert

Das Land Brandenburg gab in einer Pressemitteilung am 11. Februar an, dass für die Anschaffung von Schnelltests für Schulen die CE-Kennzeichnung maßgeblich sei. Diese sagt jedoch leider nichts über die Zuverlässigkeit von Schnelltests aus. Mit dem Anbringen der CE-Kennzeichnung bestätigen die Hersteller lediglich, dass das Produkt gewissen EU-Vorschriften entspricht.

Beschafft wurde für Schulen der Antigen-Schnelltest „Antigen Rapid Test Kit (Swab) For Self-testing“ der Firma Safecare Biotech (Hangzhou). Neben dem Paul-Ehrlich-Institut führt auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Liste mit Schnelltests – aufgeführt sind hier alle, die für den Eigengebrauch in Deutschland gestattet sind. Laut der Liste des BfArM erreicht Brandenburgs Schulschnelltest eine Sensitivität von 96,36 Prozent und eine Spezifität von 100 Prozent.

Jedoch sind beim BfArM nur die Herstellerangaben aufgeführt. Durch das PEI evaluiert wurde der Test noch nicht. Daher ist unklar, wie gut der Schnelltest in der Praxis ist. So gut wie alle Hersteller geben derartig hohe Sensitivitätswerte an. Mit abnehmender Virenlast schwankt die Effektivität jedoch extrem – und oftmals reichen schon geringe Virenmengen aus, um Familie, Mitschüler und Co. anzustecken.

Verfügbare Lollitests mit wechselhafter Qualität

Welche Schnelltests in Kitas zum Einsatz kommen, obliegt wiederum den Kitaträgern selbst. Diese sollen sie selbst beschaffen und erhalten dafür pro Woche zwei Pauschalen von je 3,50 Euro erstattet. Wichtig für Kitas ist, dass keine Nasenabstrich-, sondern Lollitests zum Einsatz kommen sollen. Das schränkt das Angebot schon mal erheblich ein. Ein aktueller Preisvergleich auf dem Portal „idealo“ zeigt zum einen: Allzu üppig ist das aktuelle Marktangebot nicht. Zum anderen: 3,50 Euro pro Test reichen in aller Regel aus, um Tests zu finanzieren. Die Preise bewegen sich zwischen 1,79 und 3,45 Euro (Stand: 21. Februar 2022). Zur Auswahl stehen fünf Tests von vier Herstellern:

Allein an dieser Auswahl bemerkt man, wie stark die Zuverlässigkeit von Schnelltests unterschiedlicher Hersteller schwankt. Doch wie verhält es sich eigentlich mit Lollitests im Vergleich zu den vom PEI evaluierten Nasenabstrichtests? Auch das ist eine Frage, die noch nicht durch eine ausreichende Studienlage beantwortet werden kann. Kitaträgern kann an dieser Stelle nur empfohlen werden, die ausgewählten Schnelltests vorher anhand der PEI-Liste zu checken – und von noch nicht evaluierten Tests vorsorglich Abstand zu nehmen. 

Welcher Test kommt bei Ihnen zum Einsatz?

Senden Sie uns ein Foto der Verpackung (Vorder- und Rückseite) und wir gleichen den Schnelltest mit der Liste des Paul-Ehrlich-Instituts ab: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!