Ein Paradox im Osten?

Datum: Montag, 25. Januar 2021 15:08

Warum auch in der Lausitz Tarife so wichtig für Familien sind. 

Hätten Sie das gedacht? Frauen verdienen übrigens nicht nur in Cottbus, sondern im gesamten Ostdeutschland durchschnittlich mehr als Männer. Die Gründe dafür sind vielschichtig, sie beruhen nicht nur auf unterschiedlichen Wertevorstellungen im Vergleich zum Westen und dem Frauenbild in der DDR. Bis heute sorgt dieses „Erbe“ zwar nach wie vor für ein anderes Selbstverständnis der Ostfrauen, Karriere und Familie zu einen oder Berufe zu ergreifen, die auch stärker technisch ausgerichtet sein dürfen. So gibt es in Ostdeutschland auch signifikant mehr Frauen in Führungspositionen.

Dass Frauen in strukturschwachen Regionen wie der Lausitz mehr Geld verdienen, liegt jedoch vor allem an den beruflichen Auswahlmöglichkeiten vor Ort, die Männern und Frauen zur Verfügung stehen. In vielen Teilen der Lausitz spielt das verarbeitende Gewerbe eher eine untergeordnete Rolle, während der öffentliche Dienst und Behörden gut bezahlte Jobs bereitstellen. Diese regulär tarifgebundenen Stellen sind deutlich stärker durch Frauen besetzt. In Cottbus arbeitet beispielsweise ein Fünftel der Frauen im öffentlichen Dienst. Hinzu kommt eine Vielzahl Mitarbeiterinnen im Gesundheitssektor, so ist das Carl-Thiem-Klinikum der größte Arbeitgeber der Stadt Cottbus. Auch hier sorgt gut bezahlte Arbeit in Tarifbindung für faire Einkommen. Grundsätzlich führen solche Tarifverträge auch immer dazu, dass große Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen vermieden werden. Männer arbeiten im Cottbuser Raum aber deutlich öfter in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die selbst im Industriebereich viel zu oft über keine Tarifbindung verfügen. Die Einkommen liegen deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Betriebe im Westen, in denen der gewerkschaftliche Organisationsgrad traditionell höher ist. Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein, zahlt sich langfristig eben aus.

Die Pandemie macht trotz bestehender Unterschiede strukturelle Probleme in der Gleichstellung in ganz Deutschland sichtbar. Frauen sind insgesamt eher im Homeoffice, kümmern sich um die Kinder und treten im Job eher kürzer als Männer. Das führt dazu, dass Frauen im Arbeitsleben Nachteile erfahren. Es fehlen soziale Kontakte, die Sichtbarkeit bei Vorgesetzten und damit auch die Chance für Aufstiegsmöglichkeiten. Auch deshalb hat der DGB der Politik einen klaren Auftrag gegeben: Homeoffice muss freiwillig bleiben, es ist kein Betreuungsersatz. Bildung und Betreuung haben Vorrang. Diese Grundsätze müssen gelten, wenn über Lockerungen der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie entschieden wird.

Weitere Informationen unter:

https://suedbrandenburg-lausitz.dgb.de/