Digitale Schule: Der Corona-Weckruf

Datum: Mittwoch, 26. August 2020 09:41

1. Technische Infrastruktur der Schule

Schul-Cloud & Mail-Adressen: schön für die Statistik, aber ...

In einer Pressemitteilung zum Schuljahresbeginn informierte das Brandenburgische Bildungsministerium über die Regeln des Schulbetriebs zu Coronavirus-Zeiten. In dem Schreiben vom 6. August wurde außerdem über aktuelle Zahlen rund um die Digitalisierung der Schulen berichtet. Bildungsministerin Britta Ernst stellte klar, dass die Verbindung von Unterrichtsqualität und dem Lernen mit digitalen Medien ein wichtiger Schwerpunkt des neuen Schuljahres sei. Konkrete Fortschritte können wir jedoch nur bei der Ausweitung der Schul-Cloud und der flächendeckenden Einrichtung von dienstlichen E-Mail-Adressen von Lehrkräften ausmachen.

Schul-Cloud Brandenburg: Inzwischen arbeiten über 400 Schulen in Brandenburg mit der Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (s. Grafik rechts) – im Laufe des aktuellen Schuljahres soll die Anzahl auf 500 Schulen wachsen. Die Schul-Cloud dient als digitale Lernumgebung, auf die Schüler/innen und Lehrer/innen jederzeit zugreifen können – sie bildet damit eine gute Grundlage für Distanzunterricht, sofern Lehrer/innen und Schüler/innen mit ihr umgehen können.

Das klingt nach einem guten Fortschritt – Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Gewerkschaft für Bildung und Erziehung Brandenburg, stellte uns gegenüber jedoch klar, dass das nicht ausreicht: „Es ist davon auszugehen, dass bei möglichen Schulschließungen durch ein Infektionsgeschehen diese Lernangebote eine wichtige Alternative darstellen. Aber dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir im Land Brandenburg über keine inhaltliche Konzeption zur Entwicklung digitalen Lernens verfügen.“ Welche Lernsoftware wann und wie eingesetzt werde? Dafür gebe es kein Konzept. Stattdessen reduziere die Landesregierung die Diskussion rund um die Digitalisierung unserer Schulen auf die Bereitstellung der technischen Voraussetzungen. Wie wir in diesem Spezial später feststellen werden, hapert es auch an dieser Stelle gewaltig – denn die Ausstattung unserer Schulen mit der nötigen technischen Infrastruktur ging innerhalb des vergangenen halben Jahres kaum voran.

Lehrer-Mail-Adressen: Was die Einrichtung von dienstlichen E-Mail-Adressen für Lehrkräfte betrifft, berichtet das Bildungsministerium Brandenburgs ebenfalls über Fortschritte. Zum Beginn des Schuljahres besaßen immerhin schon 88 % der Lehrkräfte eine dienstliche Mail-Adresse, innerhalb der ersten Schulwochen sollen auch die verbliebenen versorgt werden. Das ist hilfreich für die Kommunikation zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen im Distanzunterricht – auch wenn die Möglichkeiten hier auf Textnachrichten und den Austausch von PDF-Dateien und Bildern beschränkt sind.

Schul-Cloud & Lehrer-Mail-Adressen: auch in Sachsen sprunghafter Anstieg

Auch in Sachsen gibt es vergleichbare Angebote vonseiten des Kultusministeriums, deren Nutzung seit den flächendeckenden Schulschließungen im März 2020 sprunghaft angestiegen ist.

LernSax: Die sächsische Variante der Schul-Cloud unterstützt das internetbasierte Lernen mit Foren, Chats, digitalen Stundenplänen, Aufgabenplanern und einem Lerntagebuch. Eine Dateiablage, ein schwarzes Brett und eine Ressourcenverwaltung ergänzen den Funktionsumfang – genauso wie die Möglichkeit, Live-Unterricht über die Cloud zu übertragen. Im vergangenen Schuljahr wuchsen die Nutzerzahlen stark an – zuletzt nutzten 71 % der 34.000 Lehrer und insgesamt 500.000 Personen die Plattform.

Lehrer-Mail-Adressen: Auch in Sachsen gibt es einheitliche E-Mail-Adressen für Lehrer, die mittlerweile von rund 28.000 der 34.000 Lehrkräfte genutzt werden (82 %).