BÜNDNIS 90 /DIE GRÜNEN – Annalena Baerbock

Datum: Freitag, 27. August 2021 14:36

Annalena Baerbock
40 Jahre, verheiratet, zwei Kinder
Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Welche Probleme bewegen nach Ihrer Meinung Lausitzer Familien?
Ähnlich wie in anderen ländlichen Regionen treibt viele der Ärztemangel und das fehlende Mobilitätsangebot, wenn man nicht gerade ein eigenes Auto hat, um. Auch die Klimakrise ist präsent. Aber natürlich wissen gerade in der Lausitz etliche, sehr konkret, was Strukturwandel heißt und was der notwendige Kohleausstieg mit sich bringt. Daraus erwächst eine politische Aufgabe.

Was werden Sie für Familien, was für die Lausitz tun, wenn Sie regieren dürfen?
Die Lausitz hat den Vorteil, dass hier viel Know-how im Bereich Energie und Industrie vorhanden ist. Wir setzen uns dafür ein, dass die Jobs fit für die Zukunft gemacht werden, etwa im Bereich von Windkraft oder Speichertechnologien, und zwar mit gutbezahlten, tarifgebundenen Arbeitsplätzen. Und gerade für Familien ist entscheidend: ausreichend Kita-Plätze, moderne Schulen und für die gesamte Familie eine wohnortnahe Versorgung mit Ärzt*innen.

Worin unterscheidet sich die Familienpolitik Ihrer Partei von der der anderen?
Wir wollen flächendeckende Ganztagsschulen, einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung und eine eigene Grundsicherung für Kinder – unabhängig vom Einkommen der Eltern.

In der Coronavirus-Pandemie litten vor allem die Gleichstellung von Frauen und das Wohl der Kinder – wie wollen Sie entstandene Defizite ausgleichen?
Ja, die Pandemie hat Schwächen offengelegt. Frauen haben in der Pandemie die Hauptlast an Betreuungs- und Haushaltsarbeit getragen. Besonders schwer war es auch für viele Kinder. Und es bedarf unser aller Anstrengungen, die Wunden zu heilen.
Wir wollen einen Corona-Rettungsschirm für Kinder und Jugendliche knüpfen. Mit Mentor*innen, Bildungslots*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Psycholog*innen an Kitas, Horten und Schulen wollen wir ihre psychische Gesundheit besser schützen.

Was werden Sie am Bildungssystem für unsere Kinder verändern?
Wir legen ein Programm für Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren auf, um dort die Schüler*innen und Familien mit Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Schulpsycholog*innen und weiteren in der Schule oder Region tätigen Fachkräften zu unterstützen. Es braucht eine Fachkräfteoffensive, damit wir ausreichend Erzieher*innen in Kitas haben.

Welche drei konkreten Veränderungen in der Familienpolitik wird es mit Ihrer Partei auf jeden Fall geben?
Erstens werden wir mit der Kindergrundsicherung jedem Kind einen festen Garantie-Betrag geben. Kinder in Familien mit geringem oder gar keinem Einkommen bekommen zusätzlich einen GarantiePlus-Betrag. Je niedriger das Familieneinkommen, desto höher der GarantiePlus-Betrag. Zweitens werden wir für mehr Kita-Qualität sorgen, indem sich ein*e Erzieher*in um höchstens vier unter Dreijährige oder neun über Dreijährige gleichzeitig kümmern muss. Außerdem setzen wir einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für jedes Grundschulkind um. Drittens werden wir mit unserem Konzept der KinderZeit Plus das Elterngeld auf 24 Monate ausweiten.

Wie steht es um Ihre persönliche Nähe zum Thema, sind Sie ein „Familienmensch“?
Ja. Absolut. Meine Familie ist mein Zuhause. Und auch, wenn es mal im Politikbetrieb rau zugeht: mit den Kindern kann ich lachen, rumtollen – sie erden mich.

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