Eine Wahl für die ganze Lausitz

Datum: Dienstag, 30. August 2022 08:12


Foto: Andreas Franke Fotografie

Ein Plädoyer an alle Familien mit Wahlberechtigten zur Cottbuser Oberbürgermeisterwahl, der Tragweite dieser Entscheidung für den Lausitzer Aufbruch und damit für die Zukunft unserer Kinder gerecht zu werden.

von Jens Taschenberger (Herausgeber lausebande)

Die Bedeutung der Cottbuser OB-Wahl

Am 11. September 2022 wählt Cottbus eine neue Stadtspitze. Sieben Kandidaten stehen auf dem Wahlzettel. Wir stellen sie in diesem Spezial in ganzseitigen Interviews vor. Die Cottbus-Wahl erhält aus gutem Grund viel Platz in unserem Familienmagazin. Oft wird leichtfertig von einer Schicksalswahl gesprochen, auf diese Wahl trifft das Etikett aber zu. Sie kann enormen Einfluss darauf haben, wie und ob die heutigen jungen Generationen ihre Zukunft in der Lausitz gestalten.

Cottbus ist als Oberzentrum und Motor der Lausitz der Taktgeber unseres noch immer fossil geprägten Braunkohlereviers, das sich als Europas Modellregion für Klimaschutz, Wachstum und Strukturwandel zu neuen Ufern aufmacht. Hier bei uns soll eine Blaupause entstehen, um auch in den weiteren rund 40 Kohleregionen Europas künftig ein nachhaltiges, klimafreundliches Wirtschaften und Leben zu ermöglichen. Nirgends in Europa sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wandel besser. Vielen ist nicht bewusst, wie sehr Europa auf uns schaut. Allein in Cottbus werden mit Megaprojekten wie Europas modernstem Bahnwerk, einer Universitätsmedizin und einem neuen Forschungscampus über 4 Milliarden Euro investiert, über 15.000 neue Arbeitsplätze sollen im kommenden Jahrzehnt in der Stadt entstehen. Parallel wächst der Cottbuser Ostsee als größter von Menschenhand geschaffener See Mitteleuropas an die Stadt heran. Cottbus wird im kommenden Jahrzehnt zur Seestadt. Die Umsetzung all dieser Vorhaben liegt in der Amtszeit des neuen Stadtoberhaupts.

Verbunden sind die Vorhaben mit völlig neuen Chancen für die jungen Generationen. Es entstehen tausende attraktive Jobs in Zukunftsbranchen, neue Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten. Ganz anders als beim Strukturbruch in den 1990er-Jahren können dieses Mal gerade Lausitzer Familien profitieren und zusammengehalten werden. Die neue Zeit in der Lausitz kann künftig nicht nur gutes Leben und Arbeiten bieten, sondern auch Karrieren mit Sinn. Junge Menschen können hier beispielhaft den immer drängenderen gesellschaftlichen und ökologischen Wandel mitgestalten. Leben und Arbeiten mit Sinn – auch das hängt für Europas Modellregion am Erfolg von Cottbus und damit am Management der Stadt.

Cottbus wirbt derzeit schon bundesweit als Boomtown (www.boomtown.de) um Mitgestalter dieses Wandels. Zuzug wird dringend benötigt. Man ist sich der Verantwortung bewusst. Europas Green Deal und die Energiewende Deutschlands – über den Erfolg beider Zukunftsvorhaben könnte maßgeblich in Cottbus und der Lausitz mit entschieden werden. 

Das große ABER

Mit 4 Milliarden Zukunftsinvestitionen und 15.000 neuen Jobs muss Cottbus zur Plattform für den Aufbruch der gesamten Lausitz werden. Gelingt hier der Aufbruch, wird die Lausitz zur lebenswerten Zukunftsregion, in der ältere Generationen in bester Infrastruktur altern und folgende Generationen gute Arbeit mit einem guten Leben verknüpfen können. Die Lausitz hatte in über 500 Jahren stetem Wandel noch nie derart gute Chancen.

Aber: Sowohl die Realisierung der Strukturvorhaben als auch der Zuzug von Fachkräften werden sich nur mit einer demokratischen und weltoffenen Stadt sowie Stadtspitze erfolgreich gestalten. In allen Entscheidungsstrukturen der Landes- und Bundespolitik sowie in allen relevanten Entscheidungsstrukturen anderer gesellschaftlicher Bereiche wird eine Zusammenarbeit mit der AfD, die in Brandenburg nach wie vor als rechtsextremer Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz beobachtet wird, hingegen kategorisch abgelehnt. Man muss für die Cottbuser Wahl nicht einmal die politische Gesinnung bedienen. Die ist ohnehin klar: Wer sich in eine Partei mit einem wie Björn Höcke einreiht, den man in Thüringen per gerichtlicher Bestätigung einen Faschisten nennen durfte, bekennt sich. Schließlich definiert sich eine Partei als politische Organisation mit einem bestimmten Programm, in der sich Menschen mit gleichen politischen Überzeugungen zusammenschließen. Mit Blick auf das „rechtsextreme Netzwerk in der AfD-Landtagsfraktion“ im Landtag Brandenburg (rbb 24 vom 02.09.2021) zeigt sich die Gesinnung für jeden Brandenburger Lokalpolitiker dieser neuen Rechten noch direkter. Wer nicht versteht, dass man diese neue Rechte auch nicht aus Protest wählt, dem kann man im Fall der Cottbuser OB-Wahlen die persönliche Tragweite auf einem anderen Weg verdeutlichen. Wir haben jetzt die Chance auf Milliardenprojekte, auf gute und gut bezahlte Arbeit, auf eine gute Zukunft für unsere Familien und Kinder, auf den – laut der Cottbuser Unipräsidentin Prof. Gesine Grande – deutschlandweit am dynamischsten wachsenden Unicampus. All das wird zerstört, wenn Cottbus zur AfD-Stadt wird. Man wählt also nicht Protest, sondern den eigenen Abstieg, vernichtet Chancen für Familie, Freunde und kommende Generationen. Man entscheidet sich gegen Heimat, gegen eine Zukunft daheim für Kinder und Enkel.

Die Kandidaten

Sieben Kandidaten treten um die Cottbuser Stadtspitze an. Ihre Positionen insbesondere zur Familienpolitik der Stadt stellen wir auf den kommenden Seiten vor.

  • Sven Benken (Unser Cottbus, parteilos)
  • Thomas Bergner (CDU)
  • Lysann Kobbe (Die Basis)
  • Tobias Schick (SPD)
  • Lars Schieske (AfD)
  • Felix Sicker (FDP)
  • Johann Staudinger (Einzelbewerber)

Es dürfen alle Cottbuserinnen und Cottbuser mit deutschem Ausweis und Unionsbürger mit Hauptwohnsitz in der Stadt wählen. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Die offizielle Wahl findet am 11. September 2022 statt. Sollte es kein eindeutiges Ergebnis geben, findet am 9. Oktober 2022 die Stichwahl zwischen den beiden Kandidierenden mit den meisten Stimmen statt. Die Wahlzeit am Tag der Hauptwahl und am Tag der etwa notwendigen Stichwahl dauert jeweils von 8 bis 18 Uhr.

Wer zwischen 11 und 15 Jahren alt ist, kann an der U16 Wahl am 9. September 2022 teilnehmen. Die Infos dazu stehen auf einer Wahlbenachrichtigung, die per Post zugestellt wird. Die Ergebnisse der U16 Wahl gehen nicht in das offizielle Wahlergebnis zur Wahl der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters ein, werden aber veröffentlicht.

Die Verantwortung

Bei den Görlitzer Oberbürgermeister-Wahlen 2019 kam es zur Stichwahl zwischen einem Demokraten und einem AfD-Politiker. Das Medienecho war bundesweit riesig, der Imageschaden enorm. In Cottbus hat die AfD in vergangenen Wahlen generell ein Viertel oder mehr der Stimmen erhalten, mit einem Blick auf viele demokratische Bewerber lässt das ohne massives Gegensteuern ein Weiterkommen der AfD in der ersten Runde befürchten. Für Cottbus wäre schon eine Stichwahl mit AfD-Beteiligung ein Desaster. Mitten in dem nun sichtbaren Aufbruch, eine laufende Fachkräfte- und eine kommende Imagekampagne für Cottbus und die Lausitz würde ein AfD-getrübtes und ganz sicher vier Wochen anhaltendes, nationales Mediengewitter zwischen erstem und zweitem Wahlgang alle bisherigen Bemühungen um ein besseres Image und um Zuzug konterkarieren. Insofern: Nutzen Sie Einflussmöglichkeiten in Ihrer Familie und im Bekanntenkreis, übernehmen Sie Verantwortung, treten Sie offen für demokratische Belange, einen nahtlosen Fortgang der Strukturstärkung in Cottbus und der Lausitz und damit für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder hier in der Heimat ein.

Nicht die blauen Socken!

Team lausebande ist gern Unterstützer einer hintersinnigen Aktion, die sich genau dieser Verantwortung stellt. Mit Anspielung auf die bundesweit bekannten sogenannten „Rote-Socken“-Wahlkampagnen der Vergangenheit, in denen vor einem vermeintlichen Linksrutsch gewarnt wurde, hat ein junges Cottbuser Bündnis zur OB-Wahl Deutschlands erste „Blaue-Socken“-Kampagne als Signal für Weltoffenheit und gegen rechtes Gedankengut ins Leben gerufen. Initiiert von der Jugend des Vereins Pro Lausitz, unterstützt von der Initiative Junge Lausitz, dem Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V., dem Gründungszentrum Zukunft Lausitz und dem CSD Cottbus e.V. hisst auch Team lausebande gern die Flagge für Toleranz. Unser Maskottchen Lola hat sich passend zur Aktion ebenso bunte Söckchen und ein Cottbus-Lätzchen übergestreift.

www.cottbus.de

www.boomtown.de 

www.puecklerstadt.de