lausitzDADDY 04/2019

Datum: Freitag, 29. März 2019 13:00


In Zeiten von Social Media kann man mit reinem Nichtskönnen zur temporären Berühmtheit werden. Für immer mehr Menschen passiert das auch völlig unfreiwillig. Davon kann ich jetzt ein Lied mehr singen, ähm einen Tanz mehr tanzen. Bei mir reichten als Zutaten für dieses Phänomen mein erster Tanzkurs und die gut trainierten Reflexe meiner Tochter.
Alles begann mit der Schnapsidee eines Geschäftsfreundes zu einem gemeinsam Tanzkurs befreundeter Elternpaare. Gesellschaftstänze hatten mit meinem Leben bislang genauso viel zu tun wie Eisbaden und Insekten-Cracker. Das soll zwar alles gut für die Gesundheit sein, aber ich bin auch ohne das knapp 50 geworden. Nun gut, ein Freund rief, meine bessere Hälfte erinnerte sich an alte Zeiten, als sie im Tanzverein durch die halbe Republik reiste – und ich wollte kein Spielverderber sein. Schließlich war ich in jungen Jahren ein wahrer Kreisel auf den Tanzflächen der alternativen Partygemeinde. Ich wandelte die Umdrehungen aus bewusstseinserweiternden Substanzen in pure Tanzfreude um. Damit habe ich schließlich auch meine Frau erobert, die damals elfengleich als Schönste unter den Discokugeln mit dem besten Rhythmusgefühl durch die Nacht zappelte. Meine Erinnerungen bestärkten in mir das Gefühl, das mich Spaß und Begeisterung gepaart mit etwas Taktgefühl doch problemlos durch den Tanzkurs bringen sollten. Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten kaum tanzen waren und mangels eigener Hochzeit und stetem Vorzug für unseren engen Familienkreis gesellschaftliche Ereignisse mit Paartanz strikt gemieden haben. All das sollte sich jetzt ändern. So ging es wie in Jugendzeiten mit einigen unserer Tanzkursfreunde zum Vorglügen in die Bar. Drei Caipirinha ebneten den Weg zu geschmeidigen Hüften und lockeren Füßen. Im Kurs war ich tatsächlich das Greenhorn. Beim Walzer startete ich bei Null, während andere sich in opulenten Kreisen drehten. Ich bereute, meiner besseren Hälfte keine Schuhe mit Stahlkappen gekauft zu haben. Wussten Sie schon, dass man Ehepaaren eigentlich rät, beim ersten Tanzkurs andere Partner zu wählen? Das erhält die Fantasie, der eigene Partner sei der einzig Richtige. Während man durch den Wechsel einen fremden Tanzpartner als ungeeignet und tollpatschig erlebt, steht der eigene Partner dann beim späteren gemeinsamen Tanz, wenn beide schon viel gelernt haben, umso unumstößlicher auf dem Sockel der Begierde. Leider kannte ich diese Theorie nicht. Die Schuhe meiner besseren Hälfte sahen eher nach Trennung als Begeisterung aus. Zum Glück bremst sie selbst für Ratten, ihre Toleranz ist unschlagbar.
Am Ende des Kurses war ich mit meiner Performance schon ganz zufrieden. Zuhause wartete meine Kleine und wollte gleich sehen, was wir gelernt haben. Meine bessere Hälfte hatte aber keine Lust mehr. Da kam mir eine Blitzidee: Von einer Party lag als Scherzgeschenk noch eine Gummipuppe im Schrank, die wir noch nicht entsorgt hatten. Ich pustete sie auf, stellte sie aufrecht in die Ecke – und enterte das Wohnzimmer mit einem Spagatsprung. Lauthals rief ich „Mein Baby gehört zu mir!“ und nahm das blonde Gummiding wie einst Johnny seine Frances. Ich tanzte einen wilden Walzer mit opulenten Kreisen – pah, kann ich doch auch! Im Übermut trat ich „Baby“ aber auf den Fuß und wurde durch meine feste Umklammerung derselben schlagartig zu Fall gebracht. Mit Schwung landete ich auf der Puppe. Es gab einen Riesenknall und „Baby“ war geplatzt. All das hätte zu einer Legende in der Familie gereicht, die man sich bei besonderen Ereignissen immer wieder erzählt. Aber meine Kleine hatte auf halber Strecke meiner Tanzperformance ihr Handy gezückt und alles dokumentiert – und stellte das natürlich der Welt zur Verfügung. „Gummipuppe zerplatzt unter Tanzmonster Daddy“ erhielt tausende Likes und Kommentare, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Wer nun denkt, wir haben den Tanzkurs an den Nagel gehängt, der kennt meine kleine und große Lady schlecht. Gestern bekam ich von beiden gleich drei neue Gummipuppen zum Üben geschenkt.

Euer lausitzDADDY