Häuptling Soljanka

Datum: Montag, 28. April 2014 11:19

Was für ein Bombenwetter! Nachdem im vergangenen Jahr der Frühling in einer einzigen graunasskalten und trüben Brühe unterging, ist in diesem Jahr scheinbar die Karibik ausgebrochen. Natürlich sind wir mit unseren Zwergen gleich raus in die Natur und haben jede Menge an der frischen Luft unternommen. So stand gleich zum Saisonstart auch ein Ausflug nach BELANTIS auf dem Programm, weil unsere Kids schon immer dahin wollten und wir bislang immer den Trubel in der Saison gemieden haben.
Unser Großer freute sich auf seine erste Achterbahnfahrt, denn mit seinen zehn Jahren durfte er mit Papas Begleitung auch überall mitfahren. Das hatte er vorher natürlich recherchiert. Ich hatte selbst in Sachen Fahrgeschäfte nur noch dunkle Kindheitserinnerungen an einen Provinz-Rummel in der Kleinstadt, aus der ich stamme. Freizeitparks und Achterbahnen standen bislang noch nie auf unserem Programm. So war auch ich innerlich ziemlich aufgeregt. Nach einem sehr frühen Frühstück fuhren wir also los nach Leipzig, um zu den ersten Besuchern zu gehören, wenn der Park noch nicht so voll ist. Unsere Kleine wollte zuerst ins Indianerdorf, der achterbahnfixierte Junior moserte – und musste zur Strafe mit in den Wigwam. Wirklich bestraft wurde dann aber kein anderer als Superdaddy. Im Indianerdorf war nämlich schminken angesagt – und meine Kleine rutschte auf Knien, dass auch Papa sich als Indianer verbunten lässt. Das Stimmungsbarometer war durch den ungeduldigen Junior etwas im Keller, also machte ich den Spaß mit. Leider hatte die zuständige Animateurin im Indianerdorf den Abend zuvor wohl mit synthetischen Drogen verbracht. Ich wollte Winnetou, sah nach dem Anmalen aber aus wie Häuptling Soljanka. Nun ja, die Kids hatten Spaß und die Stimmung war wieder auf dem Gipfel, was tut man nicht alles ...
Nach einigen weiteren Stationen und unzähligen Fressständen, an denen ich immer Fleisch und Feuerwasser für Roten Mann forderte (haha), um mein unansehliches Äußeres zu überspielen, schlug endlich die große Stunde. HURACAN stach vor uns in den Himmel, eine der weltweiten Top Ten in Sachen steiler Abfahrt, mit 5 Überschlägen. Mir wurde schlecht. Mein Junior sah zu mir auf: „Will Häuptling Soljanka wirklich Stahlkoloss reiten?“ und lachte. Ein dicker Vater vor mir lachte auch und murmelte zu seinem Sohn, dass ich wohl die Hosen voll hätte. Also ließ ich mir nichts anmerken und sagte „Das ist Klacks für Roter Mann, junger Padawan! Nur dicker Mann fürchtet Fliehkraft.“ Was war ich für ein Held. In meinem Inneren spielten sich allerdings Katastrophen-Szenen mit allen erdenklichen Achterbahnunfällen ab. Schließlich saßen wir nebeneinander, es ging 32 Meter in die Höhe und dann ab in die Tiefe. Mein Mageninhalt stieg unter die Schädeldecke, mir wurde speiübel. Während nebenan der Junior vor Glück und Adrenalin jubelte, kämpfte ich ums nackte Überleben. Im Magen mischten sich Frühstück und Freizeitparkbudenfraß und ergaben einen hochexplosiven Cocktail, der zwischen Hals und Magengrube hin und herwanderte. Ich blieb hart und schluckte mein Unglück herunter – und überlebte. Als ich ausstieg, folgte ein Schweißausbruch, bei dem selbst Obelix nach einer Stunde Sauna trocken gegen mich ausgehehen hätte. Auf der Rückfahrt ging dann gar nichts mehr. Dreimal mussten wir auf dem Seitenstreifen der Autobahn halten, weil mein Magen spontan zum Leeren rief. Als ich mich beim dritten Mal über die Reeling beugte, hielt hinter uns die Polizei. Die Kollegen sahen mich erbrechen und wurden nach einem Blick in mein von Farben zerflossenes Gesicht plötzlich hektisch. Die dachten, ich sei auf Drogen oder ein Superverbrecher. Zum Glück eilte meine bessere Hälfte zu Hilfe und klärte die Kollegen auf. Alles lachte. Zur Erinnerung wurde noch ein Foto mit „Häuptling Kotze“ gemacht. Was für ein Erlebnis, so ein Freizeitpark! Das nächste Mal fahren wir wieder in den Garten.                      
Euer lausitzDADDY