Mama arbeitet

Datum: Donnerstag, 28. Mai 2020 13:48


© Anna Glad

Mama arbeitet 

Wer schreibt: Christine Finke aus Konstanz ist promovierte Anglistin und alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Sie arbeitet als Autorin und Speakerin.
Themen: In ihrem Blog berichtet sie ungeschönt aus ihrem herausfordernden Alltag als Alleinerziehende. Der Blog hat ihr mittlerweile eine solche Bekanntheit verschafft, dass sie bundesweit Lobbyarbeit für alleinerziehende Frauen macht und zwei Bücher zum Thema veröffentlicht hat. Den Blog gibt’s seit 2011, pro Monat gibt’s zwei bis drei neue Beiträge – auch zu Themen wie Feminismus, politisches Engagement und Erziehungsklassikern wie Einschlafen und Medienkompetenz.

Gastbeitrag:

Zeitaufwand für die Kommunalpolitik – was ist machbar, was muss sein?

Kommunalpolitik findet größtenteils abends statt. Das ist praktisch für Männer, die das als Hobby neben dem Beruf machen – aber für Eltern gar nicht so einfach. Gerade, wenn sie alleinerziehend sind. Ein paar Gedanken über politische Teilhabe.

Er habe es sich gut überlegt, ob er Politik machen wolle, und deswegen jammere er auch wegen des Zeitaufwands nicht herum, schrieb ein älterer Stadtratskollege kürzlich unter einem FB-Post, den eine Stadtratskollegin von mir geteilt hatte – es war darin um Kinderbetreuung und die Kostenübernahmen dafür durch die Kommune gegangen.

Viele Menschen verstehen nicht, dass Kinder neben Geld auch sehr viel Zeit kosten, dass es auch Geld kostet, sie betreuen zu lassen, und dass ferner in dem Moment, wo man Politik als Ehrenamt macht, und sei es auch mit Aufwandsentschädigung, keine Erwerbsarbeit möglich ist.

Dass man Geld haben muss, oder zumindest nicht arm sein sollte, um sich in der Politik einbringen zu können, sollte eigentlich nicht so sein, ist aber am Ende doch eine Tatsache, die viele davon abhält, politisch aktiv zu werden. Denn Geldarmut und Zeitarmut gehen oft miteinander einher, und gerade Alleinerziehende verfügen rein statistisch gesehen von allen Familien am wenigsten über diese beiden Ressourcen.

Das ist ein Dilemma, denn Kommunapolitik findet größtenteils am Abend statt, und gerade so etwas wie Klausurtagungen sind eigentlich eine feine und sinnvolle Sache. All dies sind Dinge, die der unbedarfte Beobachter oder der Stadtratskollege mit Frau, die ihm den Rücken freihält, nicht sehen. Das kann und will ich ihnen auch nicht übelnehmen – so ist der Mensch halt. Bevor ich nicht selbst ein schwerbehindertes Kind hatte, habe ich auch wenig über die Schwierigkeiten von Eltern nachgedacht, die pflegende Angehörige sind. Für mich ist es in der Summe aber ein Anreiz, mich vor Ort weiter im Stadtrat einzubringen. Solche Menschen wie ich haben dort eigentlich keinen Platz, und genau deswegen ist es wichtig, dass wir dabei sind.

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