Rubbelbatz

Datum: Donnerstag, 28. Mai 2020 13:52

Rubbelbatz

Wer schreibt: Hanna Bose lebt in Bayern mitten auf dem Land. Mit ihren zwei Söhnen, ihrem Mann und ihren Eltern genießt sie die Vorzüge eines Lebens auf einem 3-Generationen-Hof.
Themen: Während ihrer ersten Schwangerschaft 2014 fing Hanna Bose an zu bloggen. Ein bis zwei Mal monatlich gibt es neue Einträge, meist zu Themen, die junge Eltern beschäftigen: Kinderwunsch, Schwangerschaft, Beikost, Kinderbetreuung. Für sie ist der Blog auch eine Art online-Tagebuch, um schöne (und weniger schöne) Erinnerungen festzuhalten. Daher geben ihre Texte einen sehr persönlichen Einblick in ihren Familienalltag.

Gastbeitrag:

Alles anders mit Baby

Als ich 2014 das erste Mal schwanger wurde, hatte ich ehrlich nicht die geringste Ahnung, was es bedeutet, Mama zu sein. Ich hatte auch keine Vorstellung davon, wie sehr ich mich verändern würde. Nach dem positiven Test wartete ich darauf, mich uneingeschränkt zu freuen auf das Baby.
„Spätestens, wenn er auf meinem Bauch liegt, wird alles gut sein,“ dachte ich. Da kommt ja dieser magische Moment, den ich aus Medien und Erzählungen kenne. Der Moment, in dem alle Schmerzen vergessen sind und es nichts Schöneres gibt auf der Welt.
Der Moment kam nicht. Stattdessen kam eine tiefsitzende traumatische Erfahrung für mich wie auch für den frisch gebackenen Papa. Die Geburt war anstrengend, überfordernd, gefährlich und überrollend. Und das neue Leben war nicht plötzlich rosa-flauschig, sondern anstrengend und vor allen Dingen müde. Ich fühlte mich alleine in unserer Wohnung, isoliert von meinem alten Ich, meinen Freunden und Arbeitskollegen.
Ich fühlte mich sonderbar. Hatte Schuldgefühle meinem Baby gegenüber. Gleichzeitig fühlte ich mich starr und gefühlskalt. Heute weiß ich, dass ich eine traumatische Geburt und erste Zeit mit Baby zu verarbeiten hatte.
Ja, tatsächlich waren die ersten Monate mit Baby denke ich noch traumatisierender als die Geburt. Denn es gibt Kinder, die fordernder und anstrengender sind, als der Durchschnitt. Das versteht niemand, der so ein Kind nicht hat. Selbst mir fiel es zuweilen schwer zu verstehen, bis ich mein zweites Baby kennen lernte. High Need, bedürfnisstark, hochaktiv, wie auch immer man sie nennen mag.
Und damals, in all der Müdigkeit und dem Hormonchaos lernte ich allmählich, was hilft: Reden. Schreiben. Austausch. Ich begann, sichtbar zu werden. Schrieb auf meinem Blog nicht nur über die schönen Seiten, sondern auch über meine Probleme. Begann, mir Gehör zu verschaffen – und lernte schnell: Das alles ist normal und völlig okay. Ich bin nicht die Einzige. Bei weitem nicht. Ich bin nicht sonderbar. Ich muss keine Schuldgefühle haben.

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