Mein göttlicher Ruhestand

Datum: Dienstag, 30. Oktober 2018 12:57

 

Abtreten sollte man immer auf dem Höhepunkt! Das hat Phillip Lahm als frischgebackener Fußball-Weltmeister vorgemacht oder Nico Rosberg nach seinem ersten Titel als schnellster Formel 1-Flitzer der Welt. Ich, Käpt`n Balduin, habe beschlossen, in diesen Fußstapfen zu watscheln.

Nach Jahren meines unergründlichen Plans zur Erschaffung der Herrschaft meiner schwarz-weiß befrackten Sprottenjäger über die Spreewelten sehe ich, das am Ende alles gut geworden ist. Die Zweibeiner haben mir in einem halben Jahr unermüdlicher Arbeit einen Palast geschaffen, der im Universum seinesgleichen sucht. Sogar eine Hotelanlage steht ab sofort für die global einsetzenden Pilgerzüge gen Balduin zur Verfügung. Sie suchen Erlösung beim Sprottengott, dem Schöpfer höchstselbst. Denn so steht es in den Annalen der Spreewelten geschrieben: Im ersten Monat schuf Balduin das ganze neue Pinguinreich. Er sah, dass es gut war. Im zweiten Monat schuf er eimerweise Sprotten, und sah, dass es gut war. Im dritten Monat schuf er den größten je gesehenen Pinguinpool. Und er sah ... na ihr wisst schon. Jetzt sind wir im siebenten Monat und Balduin ruht von seiner Arbeit aus. Für immer. Lediglich ein bisschen durchs Gehege watscheln und den dumpfen Zweibeinern hinter unserer Mattscheibe winken, das geht okay.

Ein Kinderspiel war der Weg hierhin natürlich nicht. Im Krieg der Götter sandten die eifersüchtigen Kaiserpinguine vom Ende der Welt einen listigen Fuchs, um meine Spreeweltenbande zu vernichten. In einer fürchterlichen Schlacht ließen vier würdige Frackträger ihre letzte Feder – dieses Quartett Flossentitanen leuchtet jetzt als Sternbild Sprotte aus Pinghalla auf uns herab. Doch ich rächte sie, teilte schließlich das Wasser und rettete mein Imperium mit einer dreigezackten Sprottengräte, die ich dem verrosteten Stück Wild in den Rachen rammte, woraufhin es jämmerlich erstickte.

Es war der Kampf zwischen Gut und Böse, der schließlich die Tür in eine neue Dimension aufstieß. In einem strahlenden Licht öffnete sich nach meinem Endsieg ein mystisches Weltentor. Ich sah auf der anderen Seite die dumpf dreinblickenden Kaiserpinguine, denen zur Strafe ein ewiger Eiswind das Hirn für immer auf Erbsengröße einfriert. Das einzig Warme in deren Leben ist nun gelber Schnee, in den sie kopfüber eintauchen – Balduins Rache isoliert sie nun mit stinkig gelbem Halsgefieder. Die Winzhirne sind auch noch stolz auf ihre „gelben Ohrenflecken“. Uns hingegen erschienen durch das Weltentor aus einer mystischen Parallelwelt Ping und Frack – meine Apostel und Statthalter in den neuen Spreewelten. Sie werden mich würdig vertreten – und ich kann mich nun in den göttlichen Ruhestand verabschieden. Daki wartet schon in der Höhle auf dem warmen Fuchspelz. Sprottengott sein ist ein Vergnügen für die Ewigkeit. In diesem Sinne: ein letztes Ahoi! Euer Käpt`n Balduin

Ab der kommenden Ausgabe sorgen hier die Abenteuer von Ping & Frack für spannende Geschichten, die übrigens auch die neuen Spreewelten erobert haben. Seien Sie gespannt!