Familienurlaub im Krisenjahr

Datum: Donnerstag, 30. April 2020 12:33


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Das Jahr 2020 wird für Familien in vielfacher Hinsicht ein besonderes Urlaubsjahr. Die Corona-Pandemie wirft unzählige Urlaubspläne über den Haufen. Gerade für den Haupturlaub im Sommer dürfte eine immense Nachfrage auf viel zu wenige verfügbare Angebote im eingeschränkten Reisegebiet treffen. Dabei benötigen viele Familien nach Wochen und Monaten zwischen Kontaktbeschränkung und Homeschooling einen Urlaub außerhalb der eigenen Wände dringender denn je. In unserem Spezial geben wir deshalb Hinweise, wie beim geplatzten Urlaubstraum wenigstens ein finanzielles Fiasko vermieden werden kann – und wie der Familienurlaub im Krisenjahr trotz aller Turbulenzen zu einem bleibenden Erlebnis werden und die Familie neu zusammenschweißen kann. Insbesondere im letzten Teil dieses Sonderthemas finden Familien kreative Ideen abseits der sonst üblichen Urlaubsempfehlungen.

Urlaub, der ins Wasser fällt

Da sich aktuell Entscheidungen immer wieder überschlagen und auch Rahmenbedingungen für den Urlaub verändern, können künftige Entwicklungen einige Darstellungen des Sonderthemas auch überholen. Insofern ist wichtig, dass alles hier Geschriebene einem Wissensstand zum Redaktionsschluss am 22. April entspricht. Es ist die Woche nach den ersten Lockerungen der starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland, die allerdings noch keinerlei Regelungen für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus und Freizeitanbieter enthielten. Dennoch zeichnen sich wichtige Rahmenbedingungen für den Sommerurlaub bereits jetzt ab.

So dürfte ein Auslandsurlaub im Jahr 2020 mehr als fraglich sein. Reisen ins europäische Ausland oder darüber hinaus sind nicht nur von deutschen, sondern auch von Bestimmungen des Reiselands abhängig. Schaut man auf die Weltkarte, ist derzeit jedes denkbare Urlaubsland von Corona betroffen, die Entwicklung der Pandemie ist ungewiss. Wie lange die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts (siehe www.auswaertiges-amt.de) noch gilt, kann niemand sagen. Sicher scheint aber bereits jetzt, dass im gesamten Sommer 2020 mit starken Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr zu rechnen ist. Fast ein Drittel der Deutschen hält nach einer Umfrage von Mitte April dennoch an den bisherigen Urlaubsplänen im weiteren Jahresverlauf fest. Nach Auskunft des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) sind Stornierungen für Reisen nach dem 3. Mai in der Regel noch nicht kostenfrei möglich. Entscheidend dafür ist die Gefährdungslage am Urlaubsort im konkreten Buchungszeitraum, so müssen viele Familien entsprechende Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung sowie entsprechende Maßnahmen der Behörden im Urlaubsgebiet in den kommenden Wochen und Monaten abwarten. Eine Unsicherheit bleibt in jedem Fall. Zudem ist fraglich, wie an Tourismus-Hotspots die auch für kommende Monate geltenden Abstandsregeln umgesetzt werden sollen. Inzwischen denkt Österreich zwar laut über die Öffnung für deutsche Sommerferienurlauber nach, hier sollten Familien aber auch die Entwicklungen abwarten.

Gerade für Familien sollte es auch weniger um die mögliche Infektion der Kinder gehen, die nach aktuellen Erkenntnissen fast risikolos scheint, als vielmehr um nachhaltige Unsicherheiten. Was passiert bei lokalen Infektionsketten im Urlaubsort, in welchem Zustand ist das Gesundheitssystem vor Ort, ist eine Rückreise aus dem Urlaubsort abgesichert? Da Infektionsherde gerade mit Aufnahme von internationalen Reisetätigkeiten, sollten sie in diesem Sommer tatsächlich wieder möglich sein, neu aufflammen können, wären Urlaubsdestinationen im Ausland sicher der letzte Ort, an dem fürsorgliche Eltern ihre Familie im Ernstfall wissen möchten.

Bei Kreuzfahrten scheint die Lage bereits jetzt klarer. Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zur Kreuzfahrernation entwickelt, allein 2019 machten rund 2,5 Mio. Deutsche Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Viele der schwimmenden Hotels sind besonders auf Familien ausgerichtet. Eine Kreuzfahrt wird im Sommer 2020 für Deutsche aber mit ziemlicher Sicherheit ins Wasser fallen. Das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August 2020 gibt einen klaren Hinweis. Als Großveranstaltungen gelten Ereignisse, die mehr als 1.000 Menschen auf begrenztem Raum zusammenbringen. Eine Kreuzfahrt entspricht genau diesen Kriterien. Da hier meist ein internationales Publikum gemischt wird, wäre der Ausbruch einer Infektionskette umso wahrscheinlicher. Berichte über Kreuzfahrtschiffe, die in diesem Frühjahr aufgrund von Virenerkrankungen bei Passagieren keinen Hafen anlaufen durften, sollten Familien automatisch zu reichlich Abstand von dieser Urlaubsart veranlassen, selbst wenn sie doch noch erlaubt sein sollte.

Inwieweit Reisetätigkeiten innerhalb Deutschlands in diesem Jahr möglich sind, wird sich im Frühsommer anhand der Entscheidungen zu weiteren Auflockerungen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens herausstellen. Viele Hotels rechnen damit, dass sie ab Anfang Juni wieder Gäste begrüßen dürfen. Es scheint bei der Entwicklung der aktuellen Infektionszahlen und dem hinzukommenden Sommereffekt, der für eine zusätzliche Eindämmung der Virenverbreitung sorgen wird, sehr wahrscheinlich, dass zum Ferienbeginn Inlandsreisen auch wieder für touristische Zwecke möglich sind. Hier gilt dann allerdings: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Familien sollten dazu die Bemerkungen im Bereich zum „Klassischen Familienurlaub“ beachten.
Wer den Familienurlaub im Ausland oder auf einem Kreuzfahrtschiff bereits gebucht und teils bezahlt hat, der findet im folgenden Interview mit Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg Hinweise auf mögliche Erstattungsansprüche.