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Aktuelles :: Seite 38 sen mag, steht umgekehrt außer Frage, dass Kinder in der Regel durch Infektionen in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden und gesundheitliche Kom- plikationen bis hin zu Todesfällen die Folge sein können. Genau diese lassen sich mit der Hilfe von Impfungen vermeiden. „Wir Eltern haben als Kinder diese Infektionskrankhei- ten auch durchgemacht und gut überstanden .“ Es stimmt, dass viele Infektionen folgenlos aushei- len. Dennoch können auch sogenannte Kinderkrank- heiten in bestimmten Fällen dramatisch verlaufen. Ende der 1940er Jahre, bevor Impfungen verfügbar waren, starben in Deutschland pro Jahr mehrere Tausend Menschen an typischen Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung. Kinderkrankheit bedeutet nicht, dass die Krankheit harmlos ist, sondern dass sie lange Zeit bevorzugt im Kindesalter auftrat. Bestes Beispiel sind die Ma- sern: Ungefähr bei einem von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Entzündung des Gehirns, die sogenannte Masern-Enzephalitis. Diese führt häufig zu bleibenden Hirnschäden oder verläuft sogar tödlich. „Durch die vielen Impfungen und Mehrfachimpfstoffe wird das Immunsystem des kleinen Kindes überlastet.“ Fakt ist, dass die Kinder heutzutage gegen mehr Krankheiten geimpft werden als früher. Die Zahl der dabei übertragenen Antigene im Impfstoff hat sich aber dennoch deutlich verringert. Tatsächlich setzt sich das kindliche Immunsystem, das für diese Auf- gabe gut gerüstet ist, tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinander, als dies bei Impfungen der Fall ist. Des Weiteren gibt es keine Hinweise darauf, dass Mehrfachimpfstoffe die Immunabwehr überlasten. „Die Nebenwirkungen und Risiken von Impfungen sind unkalkulierbar.“ Immer wieder ist in den vergangenen Jahren darüber gestritten worden, ob Autismus, Diabetes oder selbst Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst wer- den könnten. Einen Nachweis dafür gibt es allerdings bis heute nicht, vielmehr sprechen die Ergebnisse zahlreicher Studien gegen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und den genannten Krankhei- ten. Gleichwohl ist unbestritten, dass Impfstoffe Ne- benwirkungen haben können. Eine Hauptschwie- Gefährliche Impfmüdigkeit Die diskutierte und nun umgesetzte Impfpflicht hat offenbar bereits zu einem leichten Anstieg der Ma- sernimpfungen geführt. Generell aber deuten die vom Robert-Koch-Institut ermittelten Zahlen zum Impfstatus von Schulanfängern auf eine leichte Impfmüdigkeit der Deutschen hin. Für die meisten im Kindesalter empfohlenen Impfungen gingen die Quoten in den letzten fünf Jahren etwas zurück. Das gefährdet jene, die nicht geimpft werden dürfen. Die noch relativ neue Impfung gegen Humane Papillom- viren (HPV), die u.a. Gebärmutterhalskrebs auslösen können, wird von Jahr zu Jahr stärker in Anspruch genommen. Bei den Mädchen lag die Impfquote zu- letzt bei 43 Prozent. Für Jungs wurde die Impfung erst 2018 offiziell empfohlen, hier liegen die Quoten noch im niedrigen einstelligen Bereich. Impfgegner gefährden Ungeschützte Die Gründe für sinkende Impfquoten sind ganz un- terschiedlich: Manchmal wurde die noch fehlende Impfung einfach vergessen, öfter aber noch sind sich Eltern unsicher, ob Impfen gut fürs Kind ist. Und ein kleiner Teil verzichtet sogar ganz bewusst aufs Imp- fen. Diese Impfgegner profitieren nicht zuletzt von der Bereitschaft der Mehrheitsgesellschaft, sich und ihre Kinder impfen zu lassen. Gerade durch das kon- sequente Impfen haben viele „Kinderkrankheiten“ scheinbar ihren Schrecken verloren. Krankheiten, die noch vor wenigen Jahrzehnten zu schweren Fol- geschäden, Behinderungen oder Tod geführt haben, kommen heute kaum noch vor. Dabei lassen sich die meisten Argumente der Impf- skeptiker bzw. -gegner leicht entkräften. Wer sich etwas intensiver mit der Thematik befasst und dabei nicht nur auf den Internetseiten von Impfkritikern unterwegs ist, der findet keine sachlichen Gründe, die gegen das Impfen sprechen. Die wichtigsten Argumente der Impfgegner – und wie man sie entkräftet „Das Durchmachen von Krankheiten ist für eine nor- male Entwicklung des Kindes wichtig und bewirkt ei- nen besseren Schutz als eine Impfung.“ Bisher konnten wissenschaftliche Studien nicht be- legen, dass sich nicht geimpfte Kinder geistig oder körperlich besser entwickeln als geimpfte. Dies wäre auch nicht plausibel. Selbst wenn man manchen Krankheitserfahrungen einen positiven Wert beimes- »

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