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Titelthema :: Seite 54 Überblick: Die häufigsten Schadstoffe und ihre Risiken Folgend ein Überblick über die häufigsten Schadstof- fe, die das Umweltbundesamt in den vergangenen 30 Jahren im Blut und Urin von Kindern sowie in der In- nenraumluft von Kinderzimmern und in Trinkwasser nachgewiesen hat und ihre möglichen Folgen. Schimmelsporen Schimmel sieht nicht nur unappetitlich aus, er ist auch gefährlich. Die mikroskopisch kleinen Schim- melsporen breiten sich in betroffenen Räumen auch in der Luft aus. Wenn sie beim Einatmen in den Körper gelangen, können sie dort Allergien, Asthma und allergische Reaktionen auslösen. Kin- der sind aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems besonders anfällig. Daher sollten schon kleinste Schimmelflecken schnell beseitigt werden. Auch wenn der Schimmel (noch) nicht sichtbar ist, kann er bereits gefährlich werden. In der Umweltstudie des UBA von 2003/2006 wurden in 15 Prozent der untersuchten Haushalte Schim- melsporen nachgewiesen. In Städten war die Be- lastung etwas höher als auf dem Land, in Platten- bauten höher als in Ein- und Zweifamilienhäusern. Die beste Möglichkeit, um Schimmel vorzubeugen, ist richtiges Lüften und Heizen in der kalten Jah- reszeit. Auch Baumängel wie eine falsche Däm- mung oder Risse im Mauerwerk, die für feuchte Wände sorgen, können ein Grund für immer wie- derkehrenden Schimmel sein. Hier ist es wichtig, die Ursache zu beseitigen. Hilfreich ist es zudem, Möbel wie Schränke und Sofas nicht direkt an die Wand zu stellen, sondern wenige Zentimeter Belüf- tungs-Abstand zu lassen. Auch Heizungen dürfen nicht zugestellt werden. Wichtigster Indikator für Schimmel ist die Luftfeuchtigkeit. Als Maximum werden zwischen 55 und 60 Prozent empfohlen, sonst droht Schimmelbildung. Das lässt sich mit digitalen Hygrometern messen, die es schon für 10 Euro im Baumarkt gibt. Schwermetalle Während einige Metalle wie Eisen oder Zink wich- tig sind für unseren Körper, kann eine zu hohe Aufnahme von Schwermetallen mit der Zeit zu körperlichen Beschwerden wie Unwohlsein füh- ren, auf Dauer zu Unfruchtbarkeit und kognitiven Störungen, einige Stoffe gelten als krebserregend. Zu dieser Gruppe gehören Blei, Arsen, Quecksilber, Cadmium oder Kupfer, die sich mit der Zeit im Kör- per anreichern. Mit dem Verbot von bleihaltigem Benzin Ende der 1980er sank die Bleibelastung der Menschen in Deutschland deutlich. Quellen für Blei können alte Wasserleitungen sein. Kupferlei- tungen wiederum können für erhöhte Kupferwerte sorgen. Kinder mit Amalgam-Füllungen im Mund weisen eine stärkere Quecksilberbelastung auf, auch einzelne Lebensmittel wie Pilze oder Fisch können mit Schwermetallen belastet sein. Vegeta- risch ernährte Kinder sind etwas stärker mit Cad- mium belastet, vermutlich weil ihrem Körper das Eisen fehlt. Diesen „Mangel“ gleicht der Körper mit der verstärkten Aufnahme von Cadmium aus der Nahrung aus. Besonders viel Cadmium wird durch Rauchen (auch Passivrauchen!) aufgenommen. Weichmacher Die größten Sorgenfalten treiben Experten soge- nannte Weichmacher bzw. Phthalate auf die Stirn. Sie sind in Plastikprodukten enthalten, v.a. in Spielzeug, aber auch in Farben, Lacken und Bo- denbelägen wie PVC. In der jüngsten Studie des Umweltbundesamtes wurden einige dieser Stoffe in 100 Prozent der Urinproben von Kindern nach- gewiesen, junge Kinder waren besonders stark betroffen. Weichmacher, die in den letzten Jahren verboten wurden, finden sich seltener in den Urin- proben, dafür allerdings nicht weniger gefährliche Ersatzstoffe. Weichmacher stehen im Verdacht, die spätere Fruchtbarkeit von Jungs zu gefährden sowie Fettsucht und Diabetes auszulösen. Neben Spielzeug gilt auch Fertigessen und Conveni- 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 niedrig mittel hoch Benzolgehalt vom Sozialstatus abhängig Benzolgehalt vom So i lstatus abhängig » Der Benzolgehalt (in μg/m 3 ) in der Luft des Kinderzimmers von 3- bis 14-Jährigen hängt vom Sozialstatus der Familie ab, je niedriger der Status, desto höher der Benzolgehalt. Benzol ist krebserregend und entsteht u.a. beim Rauchen. Quelle: Kinder-Umwelt-Survey 2003-2006 des UBA
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