lausebande-02 -2021

Empfehlungen :: Seite 43 Hätten Sie das gedacht? Frauen verdienen übrigens nicht nur in Cottbus, sondern im gesamten Ostdeutschland durchschnittlich mehr als Männer. Die Gründe dafür sind vielschichtig, sie beruhen nicht nur auf unterschiedlichenWertevor- stellungen im Vergleich zum Westen und dem Frau- enbild in der DDR. Bis heute sorgt dieses „Erbe“ zwar nachwie vor für ein anderes Selbstverständnis der Ost- frauen, Karriere und Familie zu einen oder Berufe zu ergreifen, die auch stärker technisch ausgerichtet sein dürfen. So gibt es in Ostdeutschland auch signifikant mehr Frauen in Führungspositionen. Dass Frauen in strukturschwachen Regionen wie der Lausitz mehr Geld verdienen, liegt jedoch vor allem an denberuflichenAuswahlmöglichkeiten vor Ort, dieMän- nernund Frauen zur Verfügung stehen. In vielen Teilen der Lausitz spielt das verarbeitende Gewerbe eher eine untergeordnete Rolle, während der öffentliche Dienst und Behörden gut bezahlte Jobs bereitstellen. Diese regulär tarifgebundenen Stellen sind deutlich stärker durch Frauen besetzt. In Cottbus arbeitet beispielswei- se ein Fünftel der Frauen im öffentlichen Dienst. Hinzu kommt eine Vielzahl Mitarbeiterinnen imGesundheits- sektor, so ist das Carl-Thiem-Klinikumder größteArbeit- geber der Stadt Cottbus. Auchhier sorgt gut bezahlteAr- beit in Tarifbindung für faire Einkommen. Grundsätzlich führen solche Tarifverträge auch immer dazu, dass gro- ße Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frau- en vermieden werden. Männer arbeiten im Cottbuser Raum aber deutlich öfter in kleinen und mittelständi- schenUnternehmen, die selbst im Industriebereich viel zu oft über keine Tarifbindung verfügen. Die Einkommen liegendeutlichunter demNiveau vergleichbarer Betrie- be imWesten, indenender gewerkschaftlicheOrganisa- tionsgrad traditionell höher ist. Mitglied in einer Gewerk- schaft zu sein, zahlt sich langfristig eben aus. Die Pandemie macht trotz bestehender Unterschiede strukturelle Probleme in der Gleichstellung in ganz Deutschland sichtbar. Frauen sind insgesamt eher im Homeoffice, kümmern sich umdie Kinder und treten im Job eher kürzer als Männer. Das führt dazu, dass Frau- en imArbeitsleben Nachteile erfahren. Es fehlen soziale Kontakte, die Sichtbarkeit bei Vorgesetzten und damit auch die Chance für Aufstiegsmöglichkeiten. Auch des- halb hat der DGB der Politik einen klaren Auftrag gege- ben: Homeofficemuss freiwillig bleiben, es ist kein Betreuungsersatz. Bildung und Betreuung haben Vorrang. Diese Grundsätze müssen gelten, wenn über Lockerungen der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie entschiedenwird. Ein Paradox im Osten? Warum auch in der Lausitz Tarife so wichtig für Familien sind. https://suedbrandenburg-lausitz.dgb.de/ Weitere Informationen unter:

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