lausebande-02 -2021

Aktuelles :: Seite 49 helfen, beweisen inzwischen sehr konsistent ver- schiedene Studien. Entscheidungen in Gremien mit (starker) Frauenbeteiligung machen Unternehmen erfolgreicher. Das dürfte niemanden wundern, der die Umsicht und den Weitblick von Müttern aus dem Familienalltag kennt. Selbst in der Pandemie scheint weiblicher Einfluss in der Führung richtungweisend. Taiwan, Neuseeland, Island, Norwegen, Finnland und Dänemark zählen weltweit zu den Musterbei- spielen – sie alle sind weiblich geführt. Die Boss- Denke egozentrischer Mannsbilder in der internatio- nalen Politik hat in den USA, Brasilien und England zu entsprechend gegenläufigen Desastern geführt. Deutschland kam anfangs gut durch die Krise, als Angela Merkel noch mehr Durchgriff hatte – erst das Gerangel mit den Länderfürsten in der zweiten Welle führte zum zunehmenden Verlust der Vorbildfunkti- on Deutschlands. Einige Fakten • Nur ein Fünftel der Theater in Deutschland wird von Frauen geleitet. • Der Frauenanteil an den Nobelpreisen beträgt in der Physik 1,9 %, in der Chemie 3,8 %, in der Öko- nomie haben erst zwei Frauen den Nobelpreis er- halten. • Unter den ersten 30 Top-Ökonomen Deutschlands werden nur zwei Frauen aufgeführt, unter den ers- ten 100 sind es gerade einmal 14. • In TV-Talkshows dominieren Männer in Anzahl und Redeanteil, nur jeder 5. Gast ist eine Frau, so- mit prägt das Fernsehen Rollenbilder. • Mitte 2020 fehlen fast 350.000 Kitaplätze in Deutschland als eine Grundvoraussetzung für eine frauenfreundliche Arbeitswelt. • Bei 70 % der deutschen Paare arbeitet der Vater Vollzeit, die Mutter Teilzeit. • Über 75 % der Mütter mit Kindern unter drei Jah- ren geben an, aufgrund der Kinderbetreuung nicht Vollzeit zu arbeiten. • Bei 28 % der deutschen Elternpaare ist allein der Vater erwerbstätig, bei lediglich 3 % ist es allein die Mutter. • Männer erzielen in Deutschland ein durchschnittli- ches Lebenserwerbseinkommen von rund 1,5 Mio. Euro, Frauen von rund 830.000 Euro (im Osten Männer rund 1,1 Mio Euro, Frauen rund 660.000 Euro); die Lücke im Lebenserwerbseinkommen be- trägt 45 % imWesten und 40 % imOsten. während der Pandemie weitgehend geöffnet blieben und somit die vorwiegend von Frauen getragenen, systemrelevanten Wirtschaftsbereiche unterstützten. In Deutschland hingegen erlebte manche alleiner- ziehende Mutter zwischen Systemrelevanz und Kin- derbetreuung ihr privates Burnout. Der Unterschied zeigt sich dann auch in Führungspositionen großer Unternehmen, deren Anteil in Schweden mit knapp 25 %Frauen ziemlich genau doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Auch wenn in Schweden wie bei seinen skandinavischen Nachbarn nicht alles rosig seinmag, so fällt die Lücke imEinkommen und der unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern doch deutlich geringer aus, während es gleichzeitig über staatliche Kampagnen flankiert wird, dass ein modernes Rollen- verständnis für Männer als durchweg gleichgestellte Lebenspartner geprägt wird. Väter in Elternzeit zwi- schen sechs und neun Monaten sind dort keine Sel- tenheit – und beliebte Werbeträger. Die Coronavirus-Pandemie sollte verdeutlicht haben, dass sich auch in Deutschland für Frauen etwas än- dern muss. Nachdem Frauen sich in den vergange- nen Jahrzehnten in vielen Bereichen der bezahlten und unbezahlten Arbeit bewegt haben, wird offen- sichtlich, dass es ohne Bewegung bei den Männern nicht funktionieren wird. Es braucht eine gerechte Verteilung bei der bezahlten und unbezahlten Ar- beit, das könnte auch durch eine Neubewertung der vorwiegend von Frauen geleisteten unbezahlten Ar- beit geschehen. Ziel einer Gesellschaft mit wahrer Gleichberechtigung könnte hingegen eine tatsächlich gleiche Verteilung der Arbeit sein – beispielsweise mit einer 32-Stunden-Woche für alle, indem Frauen etwas mehr und Männer etwas weniger arbeiten. Insgesamt ginge dann zum heutigen Zustand nichts an Arbeits- leistung verloren und die Männer könnten mehr di- rekte Care-Arbeit übernehmen. Im Kern muss es also um die Neuverteilung von Erwerbsarbeit und Care- Arbeit zwischen Frauen und Männern gehen. Noch einfacher zu verwirklichen wäre ein eigentliches Selbstverständnis: Die gleiche Entlohnung von Frau- en und Männern für vergleichbare Tätigkeiten. Viele Frauen werden aufgrund von Unterbrechungen ihrer Erwerbstätigkeit in Folge der Kinderbetreuung nach- haltig schlechter gestellt, statt Verhandlungsgeschick und Managementwillkür wäre hier eine Offenlegung und Transparenz der Löhne in großen Unternehmen relativ unproblematisch umsetzbar. Und dass mehr Frauen in Führungspositionen auch der Wirtschaft

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