lausebande-02 -2021

Aktuelles :: Seite 53 liegen im Oktober öffentlich ge- macht und bereits im Dezember ei- nigte sich der Koalitionsausschuss auf die Frauenquote. Es ist ein klei- ner Schritt. Die bessere Bezahlung systemrelevanter Tätigkeiten, die vorwiegend Frauen leisten, wird nun enorm wichtig. Männer müs- sen mehr Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung aufwenden, Ar- beitszeiten müssen sich angleichen. Sie haben 2012 auch eine Streit- schrift zum deutschen Bildungs- system verfasst, in dem Sie die Abschaffung des Bildungsfödera- lismus forderten – auch hier hat sich bis heute nichts getan und die Pandemie offenbarte ebenso de- saströse Zustände. Haben Sie das Thema zugunsten der Gleichstel- lung aufgegeben? Das Thema habe ich nicht aufgege- ben. Ich arbeite aktuell gerade an einem Gutachten zum Bildungs- föderalismus und der Mitfinan- zierung von Länderangelegenhei- ten durch den Bund. Es geht um eine Aufweichung des Kooperati- onsgebots – auch mit Blick auf die schlechten Erfahrungen beim Di- gitalpakt mit all seiner Bürokratie und dem mangelnden Mittelabruf durch die Länder. Zudem beschäf- tige ich mich intensiv mit Woh- nungsarmut und der Frage nach der Wohnung von morgen. Wir haben ein Bundestagswahl- jahr, in der heutigen Erregungs- kultur bringt die Gesellschaft meist nur Aufmerksamkeit für ein großes Thema auf – was müsste sich tun, dass es sich diesmal um die Pari- tät handelt? Jetzt geht es darum, bestimmte Themen in den nächsten Koaliti- onsvertrag zu bekommen. Das be- trifft beispielsweise das Famili- ben und nicht dem westlichen Zu- arbeiter-Modell entsprechen. Es ist erstaunlich, wie lange solche un- terschiedlichen Kulturen wirken, obwohl die Strukturen des Wes- tens über die des Ostens gestülpt worden sind. Das ist nicht nur in diesem Fall bis heute bedauerlich. Es betrifft neben Gleichstellungs- fragen auch den Schulbereich. Nun steht das „gemeinsam“ im Ti- tel Ihres Buchs, wenn man es bis zum Ende gelesen hat, klar für mehr Bewegung bei Männern. Warum kein provokantes: „Män- ner, bewegt euch endlich!“? Nachdem sich Frauen an männ- liche Lebensverläufe mehr und mehr herangerobbt haben, müs- sen wir nun eine grundsätzliche Frage stellen. Wie kann man sich ein Leben vorstellen, das bezahl- te und unbezahlte Arbeit gleich- mäßig auf Männer und Frauen verteilt und gleichzeitig Engage- ment und Raum für persönliche Weiterentwicklung und Zeit mitei- nander lässt? Hier komme ich zu dem Ergebnis, dass eine Vollzeit für alle nicht das Ziel sein kann – und demnach auch nicht die voll- ständige „Vermännlichung“ von Frauen. Erstrebenswert könnte eine 32-Stundenwoche für Män- ner und Frauen sein, sodass Män- ner mit ihrer Arbeitszeit etwas her- unter und Frauen etwas nach oben gehen. Es geht um Gemeinsamkeit, ein neues, ausgeglichenes Arbeits- zeitmodell. Dieses würde endlich dem hohen Niveau der Frauen in Bildung und Ausbildung sowie ih- remWunsch nach Erwerbstätigkeit entsprechen. Müssten mit diesen Argumenten nicht stärker Männer und Väter erreicht werden – die Kampagne #ichwill für die Frauenquote, die Sie maßgeblich forcierten, blieb doch sehr stark in der weiblichen Prominenz und Social Media-Com- munity verankert? Diese Kampagne war auch sehr pragmatisch und allein auf die Frauenquote in den Vorständen von DAX-notierten Unternehmen ausgerichtet. Es ging darum, ei- nen wesentlichen, nicht abgear- beiteten Punkt aus dem Koaliti- onsvertrag einzufordern. Frauen in Führungspositionen sind ein Signal, ein Vorbild für junge Frau- en und sie können in Unterneh- men durch Besetzung nachfol- gender Führungsebenen Einfluss auf eine neue Unternehmenskul- tur nehmen. Jetzt kommt es natür- lich darauf an, die nächsten Ziele zu definieren. Das Ehegattensplit- ting ist ein möglicher Punkt, es könnte eine Rolle in der kommen- den Legislatur spielen. Wir sollten dabei nicht einfach gegen etwas sein, sondern ein sinnvolles Fa- miliensplitting erarbeiten und da- für werben, es umzusetzen. Ohne ein Mitmachen der Männer wird das nicht funktionieren. Die Frau- enquote wäre nicht durchgegan- gen, wenn sich Männer wie Robert Habeck, Olaf Scholz und Markus Söder nicht auch dafür eingesetzt hätten. Insofern haben Männer da- bei bereits wichtige Rollen einge- nommen. Sie zeigen im Buch, dass sich in Sa- chen Gleichstellung auch vor der Coronakrise jahrelang kaum etwas bewegt hat, kann man den aktuel- len Schwung nun aufnehmen, um Geschlechtergerechtigkeit 2021 zu forcieren? Unsere Kampagne hat bewiesen, dass es geht. Wir haben unser An- »

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