lausebande-02 -2021

Aktuelles :: Seite 54 fangs schloss das Buch mit „Wir müssen arbeiten“, später wurde daraus ein vorsichtiges „Wir wer- den sehen.“ Und dann kamen die Kampagne, das Miteinander und die Frauenquote. Diesen letzten Satz habe ich tatsächlich ganz am Schluss noch einbauen kön- nen, als nach unserem Engage- ment zur Frauenquote viele Zei- chen auf Grün standen. Ich habe gesehen, dass Frauen unterschied- lichster Couleur und Generationen ein Ziel einen kann. Schauspiele- rin, Fußball-Nationalspielerin, Schriftstellerin, Managerin oder Bloggerin – es hat einfach super funktioniert. Vor allem hat mich aber die Zusammenarbeit mit den jungen Frauen begeistert, von de- nen viele uns „betagte Quoten- frauen“ zuvor sicher kaum kann- ten. Das waren bislang getrennte Welten, doch wir haben über The- men jetzt zusammengefunden. Wenn das kein Grund zur Zuver- sicht ist, was dann? ensplitting und eine Verlängerung der Elternzeit für Väter von zwei auf vier Monate. Dazu gehört aber auch das Bildungsthema, das min- destens genauso wichtig ist. Hier geht es um die soziale Kluft, die sich bei den Kindern durch die Monate der Nichtbeschulung in der Corona-Pandemie immens vergrö- ßert hat. Sie sind bekennendes SPD-Mit- glied – wie stark hadern sie ob des jahrzehntelangen Versagens mit dem politischen Establishment bei diesen zentralen Themen und wa- rum gibt es nicht längst eine Frau- enpartei, wo Frauen jenseits der 50 doch jede Wahl entscheiden? Früher haben die jungen Frauen ge- dacht, Gleichstellung auf dem Ar- beitsmarkt käme von alleine; von der Quote wollten sie nichts wis- sen. Das hat sich interessanterwei- se im vergangenen Jahr gedreht. Wir haben eine neue, junge Frau- engeneration, die bei unserer Kam- pagne #ichwill maßgeblich und auf Augenhöhe mitgearbeitet hat. Sie wollen nicht länger warten. Für eine Bewegung oder eine Frau- enpartei braucht es vor allem jun- ge Frauen, aber auch dieses Mitei- nander über Generationen. Das ist eine Zeitenwende. Wenn man eine Frauenpartei bislang vermisst hat, dann aufgrund unterschiedlicher Lebensvorstellungen – da spielten Ost-West, Bildung und Generatio- nen eine Rolle. Heute könnte eine Frauenpartei oder eine starke Alli- anz der Frauen meines Erachtens tatsächlich viel mehr Erfolg haben als vor 20 oder 40 Jahren. Das Buch endet mit dem Satz „Wir werden siegen.“ – warum siegt am Ende trotz der teils niederschmet- ternden Chronologie zu einem ver- lorenen Jahrzehnt rund um Pari- tät in Deutschland statt Frust die Zuversicht? Das war in ersten Fassungen in der Tat weniger optimistisch. An- Jutta Allmendinger ist mit ihrer Geduld am Ende. Seit über drei Jahrzehnten untersucht sie, wie Gleichberechti- gung zwischen Frauen und Männern erreicht werden kann, und ihr ernüchterndes Fazit lau- tet: Wir bewegen uns rückwärts in die Zukunft. Corona hat die wahren gesellschaftlichen Ver- hältnisse wie unter einem Brennglas hervortreten lassen: Männer arbeiten, Frauen arbeiten auch und versorgen die Kinder. Männer verdienen, Frauen verdienen auch, aber bloß etwas dazu. Es geht nur gemeinsam – eine Streitschrift Teilzeit und Elternzeit sind fast immer noch Frau- ensache, Führungspositionen und hohe Gehälter Männersache. In dieser Streitschrift zeigt Jutta Allmendinger fun- diert und faktenbasiert, was sich endlich ändern muss, damit wir echte Gleichberechtigung her- stellen. Ihr Buch ist ein Fahrplan in die Zukunft, in der Geschlechtergerechtigkeit keine Forderung mehr ist, sondern ein Fakt. Drei Stunden Lesezeit für 107 Seiten, die alle Mütter und Väter ausge- rechnet in diesem Wahljahr investieren sollten. Für starke Frauen und Männer – für die Zukunft unserer Kinder. Jutta Allmendinger Es geht nur gemeinsam 107 Seiten, 12,00 Euro, VÖ: 12.1.2021 / Ullstein

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