lausebande-02 -2021

Titelthema :: Seite 57 liert wurde: Die strikte Trennung in Elementar- und weiterführende Schule, Frontalunterricht mit einem Lehrer pro Klasse, Primat der Noten, fester Stunden- plan und feste Ferienzeiten. Vieles davon war an die damaligen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Ge- sellschaft genknüpft. Schule fand vormittags statt, damit die Kinder nachmittags auf dem Feld helfen konnten, daher auch die lange schulfreie Zeit zur Ernte im Sommer. Unsere Gesellschaft hat sich seit- dem verändert, die Schule jedoch nicht. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht: zu wenig Personal, mangelhafte technische Ausstattung, Be- nachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien, fehlende Konzepte für modernen Unter- richt. Die Probleme sind nicht neu, aber durch Co- rona und den Distanzunterricht zuhause für jeden offensichtlich geworden. Ideen für die Schule der Zukunft Wie modernes Lernen aussehen kann, muss nicht erst erforscht werden. Es gibt erfolgreiche Konzep- te in anderen Ländern, die Wissenschaft hat längst eruiert, welche Lernformen Kindern, Lehrern und der Gesellschaft guttäten. Die Bildungsforscherin- nen Britta Klopsch und Anne Sliwka haben auf dem Deutschen Schulportal im August einen Beitrag zu einer neuen Grammatik der Schule veröffentlicht. Sie schlagen aufgrund wissenschaftlicher Erkennt- nisse vier Leitlinien für eine moderne Schule vor: 1. Regelmäßiges Feedback statt Leistungstests am Ende: Derzeit erhalten Schüler in der Regel eine Bewertung ihrer Leistung nur am Ende des durchgenommenen Lernstoffs – meist über ei- nen Test. Wenn es den Test samt Noten zurück- gibt, steckt die Klasse bereits im neuen Thema, eine wirkliche Auswertung ist nicht mehr sinn- voll und möglich. Die Wissenschaft empfiehlt stattdessen ein sogenanntes formatives Feed- back. Dabei erhält der Schüler bereits im Lern- prozess regelmäßig eine individuelle Rückmel- dung zu seinem Lernstand. Wenige Tage, bevor in Deutschland er- neut die Schulen für mehrere Wochen ge- schlossen wurden, hielt Kanzlerin Merkel eine Rede. Darin sagte sie: „Ich halte es auch für richtig, die Schulen in dieser Zeit entweder durch Verlängerung der Ferien … zu schließen oder aber Digitalunterricht zu machen, was auch immer − das ist egal.“ Dieses „was auch immer“ ist die traurige Bankrotterklärung einer Bildungspolitik, die es in den letzten zehn Jahren versäumt hat, das deutsche Schulsystem zu modernisieren und zu di- gitalisieren. Wir schauen uns in dieser lausebande daher das deutsche Schulsystem etwas ausführlicher an. Wie funktioniert es, wie steht es im internationalen Vergleich da? Und wie könnte im Gegensatz dazu moderne Schule aussehen? Wir schauen uns die Umsetzung des Digitalpakts im Detail an und be- trachten im zweiten Teil, wie der Fernunterricht an den Schulen funktioniert. Gibt es Verbesserungen im Vergleich zum Frühjahr, inwiefern hilft die Di- gitalisierung an dieser Stelle? Anhand von ausge- wählten Beispielschulen zeigen wir auf, wie guter, zukunftsfähiger Fernunterricht aussehen kann. Zum Schluss geht es um die Frage, ob die Corona- Krise auch als Chance zum Umbau des deutschen Schulsystems verstanden werden kann. Deutsche Bildungspolitik: ungenügend Schaut man sich internationale Vergleichsstudien zur Bildung an, landet Deutschland regelmäßig im hinteren Feld, das war lange bei PISA so und das gilt ganz besonders bei der Digitalisierung. Wäh- rend in anderen Ländern digitale Technik selbst- verständlich im Unterricht genutzt wird, ruht sich die Bundesregierung auf einem Digitalpakt aus, der so bürokratisch ist, dass die beantragten Tech- nologien bei der Auslieferung schon wieder über- holt sind. Das deutsche Schulsystem funktioniert in weiten Teilen noch immer, wie es vor etwa 200 Jahren etab- Redaktion: Anett Linke, Jonas Köhler | Foto links: Steffen Schwenk (www.hochzeitsfotografie-cottbus.de ) Digitale Bildung: Krise als Chance? Corona offenbart die Schwächen des deutschen Schulsystems »

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