lausebande-02 -2021

Titelthema :: Seite 64 nicht. Sie waren in einer Zwickmühle: Statt sich in einem aufwändigen Verfahren um digitale Ausstattung zu bemühen, mussten sie kurzfristig improvisieren, um digitale Bildung ohne die nö- tigen Werkzeuge zu ermöglichen. Die Pandemie erhöhte also nicht nur den Bedarf an technischer Infrastruktur, sondern erschwerte gleichzeitig ihre Anschaffung. Langwieriger Weg durch vier Instanzen Zum irre aufwendigen Verfahren gesellt sich ein langer Weg durch insgesamt vier beteiligte Ins- tanzen, bevor mit einer Bewilligung der Gelder gerechnet werden kann. Nach der Erstellung des Schul-eigenen Medienentwicklungsplans steht die Überprüfung durch den Schulträger an. Dieser stellt dann ein Fördergesuch bei der verantwort- lichen Landesbank ein, die den Antrag ebenfalls überprüft. Das Land gibt dann im Erfolgsfall das finale „Go“. Auch am Marie-Curie-Gymnasium in Hohen Neu- endorf, das als digitaler Vorreiter in Branden- burg gilt, sieht man die Umsetzung des Digital- pakts skeptisch – zu bürokratisch, zu langwierig: „Ich halte das Verfahren für ungeeignet, um mit der Zeit Schritt zu halten“, sagt Schulleiter Tho- mas Meinecke. „Wir haben vor anderthalb Jahren den Antrag gestellt und warten noch immer auf die Geräte. Die Dinge, die wir damals bestellt haben, brauchen wir heute im Grunde nicht mehr.“ Inspiration für Eltern, Orientierung für Schulen Dass zeitgemäße Schulkonzepte mit Integration digitaler Bildung bei ausreichend vorhandenem Willen und Engagement von Schulleitung und Leh- rerkollegium selbst unter widrigen Rahmenbedin- gungen wie im Land Brandenburg möglich sind, beweist das Marie-Curie-Gymnasium in Hohen Neu- endorf (s. auch S. 83). Es ist sogar eine öffentliche Schule. Der weit vorm Digitalpakt aus Eigenmotiva- tion konzipierte Medienentwicklungsplan ist eine Inspiration für Eltern und eine Orientierung für an- dere Schulen. Der Plan wird den aktuellen techno- logischen Entwicklungen und Bedarfen regelmäßig angepasst. Interessierte finden den Plan unter www. curiegym.de im Bereich „Schule“ unter „Konzepte“. Eine neue Fassung ist bereits in Arbeit. Dazu ist Traurigerweise gehört der Status Quo beim The- ma Digitalpakt in Sachsen – also vollständige Ausschöpfung des Fördertops in Kombination mit einer langsamen Umsetzung – zu den besten in Deutschland. Nicht nur Brandenburg, sondern auch die meisten anderen Bundesländer haben im Vergleich mit Sachsen das Nachsehen. Wir fragten bei allen weiteren 14 Bildungs- und Kul- tusministerien nach, um den aktuellen Stand der beantragten und bewilligten Digitalpaktmittel in Erfahrung zu bringen. Die deutschlandweite Übersicht auf der Vorseite zeigt: Neben Branden- burg laufen noch weitere Bundesländer Gefahr, einen Teil der Digitalpaktmittel ungenutzt zu lassen. Lediglich der Stadtstaat Hamburg wird sein Lan- desbudget voraussichtlich in Kürze voll verbraucht haben – hier sind die Regelungen zur Beantra- gung deutlich entschlackt, da die Schulbehörde Hamburg gleichzeitig Schulträger aller staatlichen Schulen ist. Eine große Unbekannte Aus mehreren Kultusministerien erreichte uns bei der Datenabfrage der Hinweis, dass die Höhe der abgerufenen Mittel nur bedingt etwas zum eigent- lichen Stand der Umsetzung aussage. Das liege an der Möglichkeit des vorzeitigen Maßnahmenbe- ginns: Schulen könnten schon vor der Bewilligung der Gelder mit Ausbaumaßnahmen beginnen. Den- noch kommen sie nicht drum herum, die Antrags- unterlagen zu erstellen und einzureichen, sofern sie die Kosten erstattet haben wollen. Bürokratie bremst Bemühungen aus Jene Antragsunterlagen stellen sich als die größte Hürde des Digitalpakts heraus – konkret: der da- bei geforderte Medienentwicklungsplan. In diesem Plan müssen die Schulen ihren Förderbedarf so- wohl technisch als auch pädagogisch umfassend begründen. Allein die Vorlagen und Formulare für den Medienentwicklungsplan umfassen je nach Bundesland 10 bis 40 Seiten. Einen solchen Plan zu erstellen, ist eine Mammutaufgabe, die mehre- re Arbeitsgruppen innerhalb der Schule und mög- lichst auch die Einbeziehung der Eltern erfordert. Die Zeit, die all das kostet, nahmen sich viele Schulen seit Beginn der Coronavirus-Pandemie »

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