Titelthema ‹ 65 Wenn das Kind zu Superman wird, Erwachsene Krawatten abschneiden und sich in den Auslagen der Bäckereien Pfannkuchen drängeln, dann ist klar: Es ist Fasching. Oder Karneval. Oder Fastnacht. Drei Begriffe, ein fröhliches Durcheinander. Und genau das wollen wir an dieser Stelle einmal aufklären. Was hat es mit der Narrenzeit auf sich und woher kommen die unterschiedlichen Bezeichnungen? Und wie und wo wird in der Lausitz gefeiert? Kleine Begriffskunde Bevor wir in das bunte Lausitzer Faschingstreiben eintauchen, folgt etwas Geschichte: Der Begriff „Karneval“ stammt vermutlich vom lateinischen „carne vale“, was so viel bedeutet wie „Fleisch, lebe wohl“. Gemeint ist der Abschied von üppigem Essen vor der Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und die Karnevalsaison beendet. Eine andere Theorie besagt, dass der Begriff vom ebenfalls lateinischen „carrus navalis“ stammt, was in etwa „Marinewagen“ bedeutet. Bis heute gibt es die Narrenschiffe oder -wagen auf den großen Faschingsumzügen. Der Begriff Karneval ist vor allem im Rheinland gebräuchlich, etwa in Köln, Düsseldorf oder Mainz, wo die närrischen Tage eine lange Tradition haben und mit großen Umzügen, Sitzungen und viel Musik gefeiert werden. Auch die „Fastnacht“ nimmt Bezug auf die bevorstehende Fastenzeit. Das Wort stammt vermutlich vom mittelhochdeutschen Begriff „vas(t)(en) nacht“, was so viel wie „Nacht vor dem Fasten“ bedeutet. Im christlichen Kontext ist die Fastnacht die Zeit, in der noch mal gefeiert und reichlich gegessen werden darf, bevor mit Aschermittwoch das Verzichten beginnt. Der Begriff Fastnacht ist vor allem im südwestdeutschen Raum verbreitet, etwa in Baden-Württemberg, Franken oder Teilen von Hessen. Dort ist die Fastnacht auch stärker von alten, teils mystischen Bräuchen geprägt als beispielsweise im Ruhrgebiet. „Fasching“ schließlich ist vor allem in Süd- und Ostdeutschland gebräuchlich – also auch in Brandenburg, Sachsen und der Lausitz. Der Begriff kommt vom mittelhochdeutschen „vaschang“, was den Ausschank des Fastentrunks bezeichnete. Der Bund Deutscher Karneval spricht von einem „Schwellenfest zwischen dem Ausleben der menschlichen Elementarbedürfnisse und der Entsagung“. Immer wieder wird also der Bezug zum Essen, Trinken und ausgelassenen Feiern hergestellt, was bis heute zum närrischen Treiben dazugehört – ganz gleich, ob man nun Fasching, Karneval oder Fastnacht feiert. Dass wir überhaupt Fasching feiern, hat seinen Ursprung in der christlichen Tradition. Die närrischen Tage markieren die Zeit vor der 40-tägigen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und bis Ostern dauert. Früher bedeutete Fasten einen strengen Verzicht auf Fleisch, Eier, Milch und Fett. Also wurde vorher noch einmal alles aufgebraucht – mit reichhaltigem Essen, Tanz und fröhlichem Treiben. Gleichzeitig bot der Fasching die seltene Möglichkeit, gesellschaftliche Regeln auf den Kopf zu stellen. Für kurze Zeit durften sich die Menschen verkleiden, Rollen tauschen, Obrigkeiten verspotten und Dinge sagen, die sonst tabu waren. Diese „verkehrte Welt“ diente nicht nur als Ventil, sondern war auch wichtig für das soziale Miteinander. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich regional sehr unterschiedliche Ausprägungen. Während im Rheinland der organisierte Karneval mit Prinzenpaaren, Elferräten und großen Umzügen dominiert, ist die alemannische Fastnacht im Süden oft archaischer: mit geschnitzten Holzmasken, Hexenfiguren und dem symbolischen Lausitz Helau! Ein bunter Blick auf die fünfte Jahreszeit Narrenschiffe und -wagen gehören zu den bunten Straßenumzügen wie das Helau. © Wittichenauer Karnevalsverein e.V.
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