Gasthaus auf, bevor sich der Zapustzug in Bewegung setzt. Eine Blaskapelle führt den Umzug an. An der Spitze werden ein mit bunten Bändern geschmückter langer Reisigbesen oder ein Schellenbaum getragen. Anschließend zieht der Zapustzug von Hof zu Hof. Besucht werden hauptsächlich Dorfbewohner mit besonderen Verdiensten für das Gemeinwohl. Diese bedanken sich für die Ehre der Aufwartung mit einem Imbiss oder einer Spende in die Jugendkasse. Mit jedem Familienangehörigen wird auf dem Hof eine Ehrenrunde getanzt, etwas getrunken und das Fastnachtssträußchen ans Revers gesteckt. Zuschauer bekommen von den Zapustern einen Schnaps. Selbst auf der Straße wird getanzt. Der Weg von einem Ende des Dorfes zum anderen kann sich also durchaus in die Länge ziehen. Der Umzug endet dann im Gasthaus, wo sich das Dorf zum Tanzen und Feiern trifft. Faschingsbräuche Dass der Fasching heute so bunt und närrisch ist, haben wir Traditionen und Bräuchen zu verdanken, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Wir stellen sie vor. Los geht es schon mit dem offiziellen Startschuss: Die närrische Zeit beginnt jährlich am 11.11. um 11.11 Uhr. An diesem Tag stürmen die lokalen Karnevalsvereine die Rathäuser, plündern die Stadtkasse und bekommen einen symbolischen Schlüssel überreicht – ganz nach dem Motto: Jetzt regieren die Jecken. Oft wird zu diesem Anlass das aktuelle Prinzenpaar vorgestellt und zur großen Eröffnungsfeier geladen. Je nachdem auf welchen Wochentag der 11. November fällt, wird auch schon mal ein paar Tage eher oder später gefeiert. Pausiert wird dann während der Adventszeit, bevor es ab Januar weitergeht. Karnevalsveranstaltungen außerhalb dieser Zeit sind nicht erwünscht. Als einige Vereine während der Corona-Pandemie überlegten, die großen Umzüge und Bälle in den Sommer zu verlegen, statt sie komplett ausfallen zu lassen, ernteten sie viel Kritik. Es käme ja auch Niemand auf die Idee, Ostern oder Weihnachten zu verlegen. Die meisten Bräuche und Aktivitäten gibt es in den Wochen vor dem Rosenmontag. Für Erwachsene spielen Narrensitzungen und die Wahl des Prinzenpaares eine große Rolle. Büttenreden, Tanzgruppen und Musik nehmen das aktuelle Geschehen humorvoll aufs Korn. Es gibt den Faschingsball, das Männerballett, die Weiberfastnacht, den Seniorenfasching und natürlich den Kinderkarneval. Für die Jüngsten gibt es spezielle Feiern in Kita und Hort, in 66 › Titelthema Austreiben des Winters. In Ostdeutschland wiederum haben sich über die Jahrhunderte christliche, bäuerliche und slawische Traditionen vermischt – besonders deutlich wird das in der Lausitz. Zapust & Zampern Bei uns gehört die sorbische/wendische Tradition des Zamperns (auch „Heischegang“) fest zum winterlichen Brauchtum, bei dem der Winter und die bösen Geister vertrieben werden. In den Dörfern der Nieder- und der Oberlausitz ziehen verkleidete Gruppen von Haus zu Haus, machen Musik, tanzen und sammeln Eier, Speck und Geld für das Dorffest. Außerdem postieren sich die Kostümierten in vielen Orten an der Dorfstraße und „verkaufen“ Passierscheine an die Vorbeifahrenden. Die Kostüme sind oft selbst gemacht, manchmal lustig, manchmal ein wenig schaurig. Oft ist ein Bär dabei und ein Mann, der sich als Frau verkleidet und die gespendeten Eier in einem Korb sammelt. Vor allem rund um Schleife kann man beim Zampern noch die traditionellen Verkleidungen erleben. In der Niederlausitz gehört zur wendischen Fastnacht außerdem der Zapust-Umzug. Wie das Zampern, ist dieser zwischen dem Dreikönigstag bis etwa vier Wochen vor Ostern zu erleben – allerdings nur in brandenburgischen Dörfern. Dazu versammelt sich die Jugend im Gasthaus. Die jungen Frauen legen die Festtracht an, die Männer tragen Anzug und Hut, den bei ledigen Burschen bunte Blumen, Federn und Bänder zieren. Nach einer Ansprache und einem Tanz stellen sich die Paare für das jährliche Erinnerungsfoto vor dem Eindrücke vom Zampern in Eichow bei Kolkwitz. Foto: Bernd Choritz / Heimatmuseum Dissen
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