74 › Titelthema spiele wichtige Entwicklungsbereiche wie Kreativität, Sprache, soziale Kompetenz und emotionale Entwicklung. Kinder erklären, verhandeln, erzählen. Selbst Kinder, die sonst eher ruhig sind, finden plötzlich eine Stimme. Sie lernen sich zu behaupten, sich mit anderen auseinanderzusetzen, die Perspektiven zu wechseln, Dinge auszuhandeln, zum Beispiel: „Morgen kannst du dann die Prinzessin sein.“ Sie können Gefühle wie Wut, Unsicherheit oder Mut ausdrücken und sagen: „Als Drache bin ich stark.“ Auch Identitätsfragen spielen eine Rolle, anfangs noch sehr spielerisch, aber mit zunehmendem Alter ist dies auch wichtig für die persönliche Entwicklung. Fasching ist dabei ein besonderes Fest. Es soll Spaß machen, es gibt Spiele und viele Kinder lieben es – aber nicht alle. Und auch das ist völlig in Ordnung. Eltern müssen hier meist gar nicht steuern, sondern vor allem begleiten. Gerade sehr junge Kinder möchten sich anfangs vielleicht noch nicht schminken lassen oder kein Kostüm tragen, sondern lieber erst einmal zuschauen. Auch das ist völlig okay. Wichtig ist, keinen Druck auszuüben, Ängste ernst zu nehmen und gemeinsam zu schauen, wozu das Kind Lust hat. Wie wichtig ist es, dass Kinder ihr Faschingskostüm selbst auswählen dürfen? Das ist aus entwicklungspsychologischer Sicht sehr wichtig. Auch wenn die Kostümwahl für Eltern manchmal überraschend, irritierend oder schwer umzusetzen ist – Kinder sollten hier möglichst viel Mitspracherecht haben. Eltern tun gut daran, Spielräume zu eröffnen, ihr Kind zu beobachten, zu begleiten und nicht zu bewerten. Ideal ist es, sich vorab gemeinsam hinzusetzen und zu fragen: „Als was würdest du dich am liebsten verkleiden?“ und auch zu fragen: „Wie genau stellst du dir das Kostüm dazu vor?“ Und dann kann man gemeinsam überlegen, wie sich der Wunsch umsetzen lässt – vielleicht auch kreativ, ohne dass es zu teuer wird. So kann ein schönes gemeinsames Die Karnevals- und Faschingszeit steht bevor. Viele Kinder schlüpfen jetzt mit großer Begeisterung in Kostüme. Warum verkleiden sich Kinder eigentlich so gern? Sich zu verkleiden und Rollenspiele zu spielen, ist absolut alterstypisch und für Kinder spielerisch sehr wertvoll. Im Spiel probieren sie sich aus, sammeln Erfahrungen und versuchen, die Welt um sich herum zu verstehen. Kinder spielen nach, was sie sehen und erleben: im Kaufmannsladen, in der Kinderküche oder mit dem Spielzeugauto. Und Kinder in dem Alter beobachten sehr genau. Was sie dann bei den Erwachsenen sehen, setzen sie im Spiel um. Sie lernen sozusagen am Modell. Für Eltern ist das übrigens eine wunderbare Gelegenheit zu beobachten, was ihr Kind gerade am meisten beschäftigt. Das Thema begegnet uns auch regelmäßig in der bke-Onlineberatung. Eltern fragen sich zum Beispiel, ob es „noch normal“ ist, wenn sich ihr Kind täglich verkleiden möchte oder immer nur dieselbe Rolle spielen will. Manche sorgen sich, wenn die Tochter ausschließlich Prinzessinnenkleider tragen möchte und fragen sich, ob sie damit Klischees fördern. Sie haben es eben gesagt: Kinder schlüpfen auch außerhalb des Faschings gern in andere Rollen. Welchen Mehrwert hat das Rollenspiel für die kindliche Entwicklung? Rollenspiele sind eine Art Trainingsfeld fürs echte Leben – ein geschützter Lernraum. Kinder können jemand anderes sein und sich spielerisch ausprobieren: Sie sind plötzlich besonders stark, mutig, mächtig oder auch einmal böse oder sehr fürsorglich. Das stärkt oft das Selbstvertrauen. Im Rollenspiel dürfen Kinder Dinge ausprobieren, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Sie dürfen böse sein, ohne Ärger zu bekommen, nach dem Motto: „Das war nicht ich, das war Spiderman.“ Gerade im Kitaalter können Kinder über das Spiel auch Erlebnisse verarbeiten, für die ihnen teils noch die Worte fehlen. Nebenbei fördern RollenKinder sollten ihr Kostüm selbst aussuchen dürfen Darf ein Kind als Polizist eine Waffe tragen? Sind Indianerkostüme noch erlaubt? Was tun, wenn der Sohn als Elsa zum Fasching will? Und warum sind Rollenspiele für Kinder wichtig? Darüber sprachen wir mit Sozialpädagogin Dana Mundt (bke).
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