lausebande-02-2026

Das neue Jahr hat uns doch tatsächlich mit reichlich Schnee begrüßt. Ich ganz persönlich könnte auf die weiße Pracht gut und gerne verzichten, aber allein für die Kinder freue ich mich darüber. Und ich habe den Verdacht, da geht es vielen Familien so. Schnee gehört zu jenen Dingen, bei denen die Wahrnehmung von Erwachsenen und Kindern maximal auseinandergeht. Während die Kids ganz aus dem Häuschen sind, sobald sich die ersten Flocken herablassen, gehen die Erwachsenen im Kopf alle Herausforderungen des Wetterumschwungs durch: Winterreifen? Eiskratzer? Schneeschieber? Den Wecker früher stellen, damit Auto und Einfahrt vom Schnee befreit werden können. Für die Kids müssen Schneestiefel und Schneehosen rausgeholt werden. Beides gehört übrigens zu den wenigen Kleidungsstücken, die ich sehr kurzfristig kaufe und auch nur dann, wenn der Wetterbericht sicher Schnee verspricht. Da wir nicht in den Winterurlaub fahren, brauchen wir die sonst einfach nicht. Und dann wird natürlich noch der Schlitten aus dem Winterschlaf geholt – eines der wenigen Winterutensilien, aus dem die Kinder noch nicht rausgewachsen sind und das uns damit seit Jahren treu zu Diensten steht. Während ich den Schlitten samt doch schon recht schwerem Kind mühsam durch die Stadt ziehe, verfluche ich jene Anwohner, die penibel ihrer Räumpflicht nachkommen und uns damit den Weg abschneiden, denn ein Schlitten braucht nun mal Schnee. Es gibt durchaus etwas, das ich am Schnee schätze: Er gehört zu den wenigen Dingen, mit denen meine Kinder freiwillig das Haus verlassen, um draußen zu spielen. Vor ein paar Jahren musste ich da noch nicht diskutieren – weder sommers noch winters. Mittlerweile habe ich kaum noch überzeugende Argumente gegen die bunten Bildschirme. Eine weiße Landschaft ist ein Argument, das sehr gut ankommt. Für Schneemann bauen, Schneeballschlacht und Schneeengel sind sie offenbar längst nicht zu alt. In diesem Jahr kam dank TikTok noch eine weitere Aktivität hinzu. Das Kind hat sich einen social-mediaVirus eingefangen und die dicke Schneedecke genutzt, um afghanisches Eis selber zu machen. Kulinarisch war es keine Offenbarung. Aber allein die Notwendigkeit der Zubereitung an der frischen Luft hat mich überzeugt. Natürlich durfte auch der Winterklassiker nicht fehlen: rodeln! Auf unserem Lieblingsberg ging es auch in diesem Winter wieder hoch her. Abfahrten wurden kurzerhand zu Aufstiegen und umgekehrt. Bei dem chaotischen Auf und Ab muss ich immer unwillkürlich an einen Ameisenhaufen denken. Von außen betrachtet wirkt das Gewusel ziemlich chaotisch, tatsächlich weiß jedes Tierchen, was es zu tun hat und wo es lang muss. Ich glaube, beim Rodelberg ist sehr viel mehr Glück als alles andere im Spiel. Kinder, die ihren Schlitten weder lenken noch bremsen können, brauchen zumindest eine laute Stimme für ein „Bahn freimachen!“. Überraschenderweise geht am Ende alles gut und so gab es auch in diesem Jahr keine schweren Zusammenstöße. Wenn wir dann nach dem Rodelausflug nach Hause kommen, weiß ich wieder, warum ich Schnee nicht so unbedingt brauche. Zehn Stiefel beginnen zu tauen und hinterlassen eine graue Salzlauge auf dem Boden. Handschuhe, Mützen, Schals und Schneehosen müssen ebenfalls irgendwo trocknen. Insofern wäre ich gar nicht traurig, wenn es das für diesen Winter mit dem Schnee gewesen ist und wir den Schlitten bis zum Jahresende wieder einmotten können. 94 › Kolumne Lausitz-Mummy: Bildschirm vs. Schlitten

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