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Sorbisch modern Dass zum Sorbischen so viel mehr gehört als Tracht und Eierverzieren, als dörfliche Traditionen, zeigen Initiativen junger Menschen, die auf erfrischende Weise sorbische Sprache und Tradition mit junger, moderner Rock- und Popkultur verknüpfen. In den vergangenen Jahren sind eine Handvoll Bands und Gruppen entstanden, wie die Hip Hop-Band Koletwi Klanki, die Musiker von Skupina Astronawt oder das Kolektiw Wakuum, eine Gruppe junger Menschen, die seit 2020 die sorbische Subkultur bereichert. Mitbegründerin Maja Šramojc: „Uns haben die sorbischen Rapperinnen in den Konzerten, die sorbischen DJs hinter den Turntables gefehlt. Natürlich gehören Kulturen und Traditionen zum Sorbischen. Aber wenn man in der Stadt, außerhalb der dörflichen, sorbischen Strukturen lebt, fehlt einem das Identifikationspotenzial. Hier gibt es kaum Möglichkeiten, sorbische Kultur – gerade auch für junge Menschen – zu erleben. Genau das möchten wir mit unserem Projekt ändern.“ Und so schaffen sie und ihre Mitstreiter junge, neue Kulturangebote. Sie füllen eine Lücke, ein Vakuum an sorbischer Jugend- und Popkultur außerhalb der Dörfer. Ihr Repertoire ist so vielfältig wie Kultur eben ist: Karaoke, Konzerte, Tanz, Theater, Kunstausstellungen, Lese- und Filmabende. Sogar eine eigene TV-Sendung haben sie produziert. Mit der jungen Modedesignerin Sarah Gwiszcz gibt es seit 2014 ein eigenes Modelabel. Unter dem Namen Wurlawy, was übersetzt „wilde Spreewaldfrauen“ bedeutet, verknüpft sie traditionelle Elemente sorbischer Tracht mit modernem Design und macht die sorbische Tracht so alltagstauglich. Sorbisch imAlltag Abseits der sorbischen Feste sieht man die klassischen sorbischen Trachten nur selten in der Öffentlichkeit. Wahrnehmbar ist das Sorbische im Alltag unter anderem durch die zweisprachige Beschilderung in den Gemeinden. Orts- und Straßenschilder tragen den deutschen und den ober- bzw. niedersorbischen Namen. Vielen deutschen Ortsnamen sieht man bis heute ihre sorbischen Wurzeln an – auch außerhalb der Lausitz. So gehen Ortsbezeichnungen, die auf -ow oder -itz enden, auf die frühe slawische Besiedlung im heutigen Ostdeutschland zurück. Beispiele sind Chemnitz, Kolkwitz, Sandow oder Pankow. Auch einige Familiennamen spiegeln die sorbischen Wurzeln der Region: Einige Namen verwiesen auf den Hof (Kulka/ Kartoffel), andere auf den Berufsstand. So geht der Name Krautz auf das sorbische Wort „Krawc“ für Schneider zurück, Kowar ist der Schmied, Sarodnik der Gärtner. In DeutschSarah Gwiszcz übersetzt mit ihremModelabel Wurlawy sorbische Trachten ins Moderne. Foto links: Maja Schramm (hinten li.) und Hella Stoletzki beim Dreh mit MDR Kultur für das Format „Nächste Generation“. Foto rechts: Das KolektiwWakuummit Freunden beim Vernetzungstreffen „seś“.

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