Lausebande April 2026

52 › Titelthema Eine Schlüsselart für mehr Natur Ab 1990 wurde der Wolf in Deutschland streng geschützt und ist seitdem in europaweiten Richtlinien und Abkommen als geschützte Art gelistet – und das nicht ohne Grund. Als zentrale Schlüsselart sichert und fördert der Wolf Stabilität, Vielfalt und Biodiversität in komplexen Ökosystemen – rund 150 Jahre seiner Abwesenheit in Deutschland zeigen erhebliche negative Folgen im Natur- und Waldbild. Unregulierte Reh-, Schalen- und Rotwildbestände und der dementsprechend hohe Pflanzenverbiss verursachen enorme Schäden in unseren ohnehin schon durch den Klimawandel geschwächten Wäldern. Der Wolf reguliert und beeinflusst Wildbestände, sodass Natur- und Waldverjüngung wieder möglich werden – doch sein positiver Effekt geht weit darüber hinaus. Eine aktuelle schottische Studie zeigt, dass bei einer Population von nur 167 Wölfen in den schottischen Highlands durch Gesundung der Wälder deren CO2-Bindung um 1 Mio. Tonnen pro Jahr zunehmen würde. Der Wolf leistet so einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz – und das Jahr für Jahr. Weitere Studien belegen, dass Wölfe bei der Zunahme von Artenvielfalt, der Eindämmung von Tierseuchen und der Minimierung von Wildunfällen im Straßenverkehr helfen. Indem wir den Wolf schützen, tragen wir also nicht nur zum Natur- und Klimaschutz bei, sondern schützen auch uns selbst. Zu viele Wölfe? Gibt’s gar nicht! Im Gegensatz zu Pflanzenfressern ist eine Regulierung der Wolfspopulation nicht nötig. Der Wolf steht an der Spitze der Nahrungskette. Die Größe des Wolfbestandes wird somit durch die Anzahl verfügbarer Territorien, Krankheiten und das Nahrungsangebot auf natürliche Weise reguliert. Eine Erfolgsgeschichte aus Amerika: Nach Ausrottung der Wölfe und folgender, jahrelanger Überpopulation der Rothirsche kippte das Ökosystem des Yellowstone Nationalparks mit starkem Artenrückgang durch eine abgegraste, monotone Landschaft. Naturschützer entschieden, im Nationalpark wieder Wölfe auszuwildern. Innerhalb weniger Jahre regulierten sie die Hirschbestände und brachten die Natur zurück ins Gleichgewicht. Die Wolfsauswilderung beweist heute als Erfolgsprojekt, wie stark Wölfe ganze Landschaften neu prägen sowie Artenvielfalt und Ökosysteme unterstützen können. 2005 2021 2004 2021 Foto: Axel Gomille Fotos: Robert L. Beschta

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