Titelthema ‹ 53 In der Kita „Grashüpfer“ in Spreetal lernen die Kinder einen angstfreien Umgang mit dem Wolf. Erzieherin Sieglinde Ladusch sagt dazu in einer Doku: „Ich kann mich an kein Kind, was bei uns hier in der Kita Neustadt gewesen ist, erinnern, was jetzt nicht in den Wald gehen wollte, weil es panische Angst oder überhaupt Angst vor dem Wolf gehabt hätte.“ Das Märchen vom bösen Wolf Durch die Geschichten von Rotkäppchen oder den sieben Geißlein sind wir mit dem Bild vom großen bösen Wolf aufgewachsen. Auch heute sind die Vorurteile und der Hass auf den Wolf noch tief in unserer Gesellschaft verankert. Dabei zeigt gerade die Lausitz, dass der große böse Wolf nur im Märchenwald lebt. Trotz der hohen Wolfsdichte bleiben Begegnungen zwischen Mensch und Wolf eine wahre Seltenheit. Wölfe sind scheue Tiere, die den Kontakt zu Menschen meiden – das belegen selbst aktuelle Studien. Horrorszenarien in sozialen Medien und manch Politiker erwecken einen anderen Eindruck. Tatsächlich kam es in Deutschland in 26 Jahren noch nie zu einem Übergriff von Wölfen auf Menschen, geschweige denn Kindern. Kein Biss, kein Angriff – die Realität liefert tatsächlich eine glatte Null! Selbst der böse Wolf in der Geschichte von Rotkäppchen soll Kindern nicht Angst vor Wölfen machen, sondern in der häufig verkannten Symbolik junge Mädchen vor fremden Männern warnen, von denen im Wald die eigentliche Gefahr ausgeht. Sogenannte „Problemwölfe“, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, sind ein menschengemachtes Problem. Durch in der Natur zurückgelassene Essensreste, bewusstes Anfüttern oder wiederholt ungeschützte Weidetiere kommt es bei Wölfen zu unnatürlichem Verhalten wie Aufdringlichkeit gegenüber Menschen oder dem Überwinden von Herdenschutz. Wenn wir den Wolf als wildes Tier so respektieren wie er uns Menschen, können Konflikte vermieden und eine friedliche Koexistenz von Mensch und Wolf erreicht werden. Die Lausitz ist hierfür das beste Beispiel. Bei einer Wolfsbegegnung gilt: • ruhig bleiben • wenn nötig: größer machen und laut werden • Hunde an die Leine nehmen • kein Anfüttern oder Annähern Foto: standret Foto: Sebastian Koerner
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